Aikido – “moving Zen”?

Wenn man im Internet unter dem Stichwort “Aikido” surft, so findet man immer wieder Text-Passagen, die Aikido lediglich als eine Mediationsform in Bewegung darstellen. Im folgenden wird versucht, die Gemeinsamkeiten aber auch die Unterschiede zwischen Aikido und Zen zu beschreiben.

1. Zen ist der weglose Weg, das torlose Tor.

1.1.Lehre

Oft wird gesagt, dass Zen „nichts“ biete: keine Lehre, kein Geheimnis, keine Antworten. Es bedeutet, das Leben zu leben – in seiner ganzen Fülle. Der unmittelbare Zugang zu diesem Einfachsten ist dem Verstandeswesen Mensch jedoch versperrt – es scheint so, als ob die niemals schweigende Stimme der Gedanken ihn durch hartnäckige Ideen und urteilende Vorstellungen blockiere. Die permanente Beschäftigung mit sich selbst, die schützende Ich-Bezogenheit jedes einzelnen verursacht immer wieder nur neues Leiden (Dukkha). Zen kann diese Verwirrung lösen – zuletzt vermag man sogar zu essen, wenn man hungrig ist, zu schlafen, wenn man müde ist. Zen zielt immer auf die Erfahrung und das Handeln im gegenwärtigen Augenblick, und umfaßt auf diese Weise die ganze Palette der menschlichen Existenz: Gefühl, Denken, Empfinden usw..

Zen besitzt aber auch philosophisch-religiöse Aspekte und historisch gewachsene Lehren, wie etwa in der Sōtō- bzw. Rinzai-Richtung. Diese kann man – wenn sie auch zur subjektiven Erfahrung des Zen nicht unbedingt notwendig sind – selbstverständlich mit Worten beschreiben.

1.2. Ethik des Zen

Zen besitzt eine eigene Ethik. Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, dass man anderen nur helfen kann, wenn man sich selbst befreit hat. Dabei ist die Zuwendung zu anderen Lebewesen in sorgender Liebe und Solidarität allerdings niemandem – keinem Gott, keinem Buddha, keiner Offenbarung oder Lehre – geschuldet, sondern erwächst aus der inneren Einsicht im Laufe der Zen-Praxis von selbst.

Wenn der Zen-Praktizierende zur Auffassung kommt, dass alles im Kosmos miteinander in Verbindung steht, so bedeutet dies für ihn, dass keine! Grenze zwischen dem einzelnen Übenden und allen anderen Menschen besteht. Hieraus folgt die Überzeugung, dass die Wirkung jeder helfenden aber auch schädigenden Handlung letztlich auf den Verursachenden zurückfällt.

Da im Zen Dualismen wie gut/böse oder falsch/richtig sowie die Begrifflichkeit Schuld abgelehnt werden, kann es auch keine allgemein verbindlichen Vorschriften oder Gebote geben. Die einzige gültige Maxime ist die allgemeine Förderung des Lebens, oder umgekehrt: die Vermeidung des Tötens. Eine große Rolle spielen dabei Mitgefühl mit den Mitwesen. Die Zen-Praxis hat das Wohl aller fühlenden Wesen im Blick, in einem Gelübde heißt es:

Wie zahlreich auch immer die fühlenden Wesen sein mögen, ich gelobe, sie alle zu retten.“

Im übrigen pflegt Zen eine Situationsethik, die immer nur im konkreten Fall geistesgegenwärtig entscheidet. Sie stellt den Handelnden damit in eine große Verantwortung.

1.3. Methoden

Mit der Zeit haben Zen-Meister verschiedene Techniken entwickelt, die den Zen-Schülern Hilfen bieten und Fehlentwicklungen vorbeugen sollen. Die Schulung der Aufmerksamkeit und der absichtslosen Selbstbeobachtung stehen dabei an erster Stelle. Im eigentlichen Sinne kann Zen gelehrt nicht werden. Es können nur die Voraussetzungen für spontane, intuitive Einsichten verbessert werden.

Zu den gebräuchlichen Methoden der Zen-Praxis gehören Zazen (Sitzmeditation), Kinhin (Gehmeditation), Rezitation (Textlesungen), Samu (konzentriertes Tätigsein) und das Arbeiten mit Koans. Der Zen-Schüler muss zumindest das Zazen in sein alltägliches Leben integrieren, denn Zen ist seinem Wesen nach immer nur Praxis.

1.4. Praxis

Die Praxis besteht zum einen aus Zazen (von jap.: Za- [sitzen]; Zen- [Versenkung]), dem Sitzen in Versunkenheit auf einem Kissen. In der äußeren Haltung sind dabei die Beine in einander geschlagen wie beim Lotus-Sitz im Yoga. Der Rücken ist gerade, aber vollkommen entspannt, und die Hände sind entspannt ineinander gelegt, wobei sich die Daumenspitzen leicht berühren. Die Augen bleiben halb geöffnet, der Blick bleibt entspannt ohne Umherschweifen zum Boden gesenkt.

Ein anderer, ebenso wichtiger Teil der Zen-Praxis, besteht aus der Konzentration auf den Alltag. Dies bedeutet einfach nur, dass man sich auf die Aktivität, die man gerade in diesem Augenblick ausübt, vollkommen konzentriert, ohne dabei irgendwelchen anderen Gedanken nachzugehen

1.5. Richtungen

Im Soto-Zen steht die tägliche, absichtslose Praxis des Zazen im Vordergrund. Dagegen wird im Rinzai-Zen wird die mystische Erfahrung der Erleuchtung (Satori, Kenshō), ein oft plötzlich eintretendes Erleben universeller Einheit, zum zentralen Thema. In diesem Zusammenhang ist oft von „Erwachen“ und „Erleuchtung“ (pali/sanskrit: Bodhi), vom „Buddha-Werden“, oder der Verwirklichung der eigenen „Buddhanatur“ die Rede.

Die Rinzai-shū ist nach der Sōtō-shū heute die zweitgrößte der Zen-Schulen in Japan. Die japanische Kultur wurde durch die Zen-Ästhetik nachhaltig geprägt, da die im japanischen Mittelalter dominierende Rinzai-shū sehr großen Einfluss in Kreisen der Samurai hatte. Aus dieser Zeit stammt auch der Spruch: „Rinzai für den Shōgun, Sōtō für die Bauern“

Insbesondere der Tee-Weg (Sadō) drückt die Kultur der Stille in besonderem Maße aus. Darüber hinaus gelten die Rinzai Tempel auch als die Heimat der Gartenkunst, ebenso wie der Kampfkünste und der anderen Zen-Wege (Dō).

2. Aikido – die friedvolle Kampfkunst

Morihei Ueshiba (Ō Sensei, 1833 – 1969), der Begründer des modernen Aikido, war ein tief in der Religion verwurzelter Mann . Dies äußert sich zu einem in seiner engen Freunschaft zu Deguchi Ōnisaburō dem Mitbegründer der Ōmoto-kyō-Sekte und zu anderen in seinem Bestreben ein sprituelles Leben zu führen. Darüber hinaus stand er sicherlich fest in der Tradition Japans, was u.a. in der Endsilbe seiner Kampfkunst (Do) zum Ausdruck kommt (siehe oben).

Die auffälligste Gemeinsamkeit zwischen Zen und Aikido ist im Gedanken des Partifismus zu sehen. Wesentlich für die Ausübung beider “Stile” ist aber die Aufmerksamkeit gegenüber dem Hier und Jetzt. Diese Fokkussierung auf das Wesentliche wird durch das Training geübt und geschärft (siehe: das geistige Sammeln vor den Training, das Angrüßen, usw.)

Doch Aikido geht ein Stück weiter, denn die Wirksamkeit der Techniken beruht im wesentlich auf die Konzentration auf die universielle Kraft Ki, die die Grundlage des Universums darstellt. Erst im Fluß des Ki´s wird eine Technik zum Mittel einer hochwirksamen Selbstverteidigung. Erst wenn die Anwendungen “in Fleisch und Blut” übergehen und der Ausübenden (Aikidoka) den störenden Verstand ausschalten und Aikido richtig anwenden kann, wird es seine ganze Effektivität zeigen. Hier ist wieder eine Paralelle zum Zen zu sehen.

3. Schlussbetrachtung

Obwohl Aikido viele Zen-Elemente beinhaltet, ist der Do dieser Kampfvermeidungskunst nicht deckungsgleich mit dem Wesen des Zen. Vielmehr sollte sich der Aikidoka die Zen-Prinzipen vor Augen halten und sich dabei immer bewußtsein, daß nur durch die Konzentration auf das Ki eine wirkungsvolle anwendung möglich ist.

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte eingeben um Spam zu verhindern*: * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Cookie-Einstellung

Bitte treffen Sie eine Auswahl. Weitere Informationen zu den Auswirkungen Ihrer Auswahl finden Sie unter Hilfe. Datenschutz | Impressum

Treffen Sie eine Auswahl um fortzufahren

Ihre Auswahl wurde gespeichert!

Weitere Informationen

Hilfe

Um fortfahren zu können, müssen Sie eine Cookie-Auswahl treffen. Nachfolgend erhalten Sie eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Alle Cookies zulassen:
    Jedes Cookie wie z.B. Tracking- und Analytische-Cookies.
  • Nur First-Party-Cookies zulassen:
    Nur Cookies von dieser Webseite.
  • Keine Cookies zulassen:
    Es werden keine Cookies gesetzt, es sei denn, es handelt sich um technisch notwendige Cookies. Borlabs Cookie hat bereits ein notwendiges Cookie gesetzt.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: Datenschutz. Impressum

Zurück

Scroll Up