Aikido: Wie mache ich es richtig?

Mein persönlicher Eindruck ist, dass Menschen sich nicht selten dazu verleiten lassen, zwischen „richtig“ und „falsch“ zu unterscheiden bzw. in diesen Kategorien zu denken. Ich schließe mich hier nicht aus.

In etwa: Diese (meine) Meinung ist richtig, eine andere (deine) ist falsch. Dieser Plan, ein Ziel zu erreichen, ist richtig, ein anderer falsch. Dieses Ziel ist richtig, ein anderes falsch. Und so weiter.

Solche Denkansätze finden sich leider auch in Geisteshaltungen und Äußerungen im Aikido (bzw. besser: von Aikidoka) und Budo im Allgemeinen wieder. Nicht nur etwa die Kommentare zu entsprechenden Youtube Videos o.ä. sind ein unrühmliches Beispiel dafür.

In vielen Aspekten gibt es aber kein Richtig oder Falsch, sondern ein „Anders“. Hier am Beispiel einiger Details beim Angrüßen im Aikido:

Bei der Verbeugung im Knien/Sitzen (Zarei) kann man beide Hände gleichzeitig ablegen oder zeitlich leicht versetzt. Bei letzterer Version bleibt häufig der Blick bewusst möglichst lange auf das Gegenüber gerichtet. Mit dieser Art der Verbeugung wäre damit auf eine Art eine misstrauisch-aufmerksame Einstellung verbunden.

Im Shingen Dojo legen wir bei der Verbeugung gegenüber O-Sensei die Hände gleichzeitig ab, bei der Verbeugung zwischen Lehrer und Schüler nacheinander. Anderswo legt man bei beiden Verbeugungen die Hände gleichzeitig ab. Begründung dort: Wir befinden uns im Dojo in einer nicht-feindlichen Umgebung. Warum also die „misstrauische“ Art der Verbeugung?

In anderen Aikido Verbänden und Dojos findet man weitere, wiederum davon abweichende Formen des Angrüßens.

Ist das jetzt jeweils richtig oder falsch? – Es ist einfach nur anders.

Auf die eher technischen Aspekte des Aikido bezogen, verstehe ich es so, dass man als Übender natürlich weiterhin einiges „falsch“ (bzw. besser) machen kann – aber auch, dass es immer mehrere „richtige“ Interpretationen von Aikido gibt. Welche dies ist, ist von Lehrer zu Lehrer bereits innerhalb eines Stils unterschiedlich.

Daher ist es auch eine Herausforderung, beim Üben eben dieser speziellen Interpretation von Aikido im Allgemeinen oder der einer einzelnen Technik zu folgen, die der jeweilige Lehrer vorgibt. Klingt einfacher, als es ist. Es geschieht dann nicht nur, um den eigenen Horizont zu erweitern, sondern auch aus Respekt dem Lehrer gegenüber.

Noch zum Abschluss:
Mit den Gedanken hier möchte ich keinesfalls „die richtige“ oder eine vor allem empfehlenswerte Einstellung zum Aikido zu äußern. Was ich vermitteln und womit ich zur Diskussion anregen möchte, ist mein persönlicher Eindruck, der lautet: Man kann Aikido umfassender erfahren, wenn man sich den vielfältigen Möglichkeiten gegenüber öffnet.

Jörn

Seit 2012 trainiere ich auch im Shingen Dojo. Interessant finde ich vor allem die Konzepte, Techniken und Bewegungsabläufe, die vom eher traditionellen Aikikai-Stil in Deutschland abweichen und bei denen man eine andere Interpretation der Grundprinzipien des Aikido kennen lernen kann.

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