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Budoistisch -philosophischer Querbeet-Essay

Tobias | 20. März 2009

Hallo,

Ich bin es mal wieder: Tobi. Ich schreibe einfach mal an diesen Artikel zu schreiben, und wie oben bereits steh, soll es ein Essay werden. Das hat mehrere Gründe. Der Essay ist die perfekte Textform um die Problematik diese Artikels abzuhandeln, da er verschiedene Eigenschaften besitzt, die erstens meinem Schreibstil und zweitens der Komplexität dieses Themas entgegenkommen.

Ein wichtiges Merkmal ist, dass die Argumentation des Essays erst während des Schreibens entsteht. Das ist gut, da ich einfach meine Gedanken langsam vor mir her laufen lassen muss, und sie dann aufschreiben kann. Das wird natürlich dazu führen, dass die einzelnen Themen mehr oder weniger in Facetten angerissen werden aber das ist okay, denn sonst würde das ganze Ding viel zu lang werden. Außerdem ist ein Essay immer zum schmunzeln geeignet, weswegen ich in sehr familiärem Deutsch schreibe. So viel zur Form.

Ich habe mir mehrfach Gedanken über folgende Themen gemacht und werde diese in dem Artikel abhandeln:

Budo – Zauberei oder Physik

Wettkampf

Sakrales und Elitäres im Budo

Gegenseitiges Gedeihen

Technik und/oder Geist

Sich selbst belügen

Epikur

Ich beginne mal mit dem letzten, weil es ein guter Aufhänger ist: Weiterlesen & Fotos ansehen »

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Vier Schritte

Peter Roskothen | 16. September 2008

Ein sehr schönes Zitat aus Kung-Fu, der beliebten Fernsehserie, die den USA und Europa Budo näher gebracht hat:

  1. Lerne zuerst zu Leben
  2. Lerne dann nicht zu Töten
  3. Lerne dann mit dem Tod zu leben
  4. Lerne dann zu Sterben

Es hört sich an wie ein Spruch aus alten Zeiten, in denen noch ständig Samurai kämpften. Aber sicherlich hat das heute wie damals genau seine Richtigkeit. Wir reden im Budo immer wieder über das Sterben und auch über das Leben mit all seinen Zutaten. Auch lernen wir im Aikido “Nicht Zu Töten”. Wenn Euch etwas einfällt zu diesen Zeilen dann bitte raus damit als Kommentar. Uns gefallen die Zeilen sehr.

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Aikido / Budo, Allgemein, Philosophie

Jeder dritte Frau in Hessen hat eine psychische Störung

Grigory | 18. Juni 2008

… und da sagt man noch – alle Männer wären Schweine. Nein Scherze bei Seite, die FAZ berichtet, dass der Techniker Krankenkasse Informationen vorliegen, dass in Hessen jede dritte Frau und jeder sechste Mann aufgrund einer psychischen Störung 2006 ambulant behandelt wurde.

Depressionen, Überlastungen und Angststörungen – darunter leiden die Frauen mehr wie Männer. Dafür setzen die Männer auf Alkohol und bekommen Verhaltensstörungen.

Statistisch gesehen, verschrieben die Ärzte im vergangenen Jahr jedem gesetzlich Versicherten ca. 100 Tagesdosen an Psychopharmaka, im Jahr davor – 91, vor sechs Jahren waren es nur 76.

Ich gehe davon aus, dass dieses Bild mehr oder minder für ganz Deutschland gilt. Die Zahlen stehen ja für das Jahr 2006. Ich denke, dass die Situation in 2008 sich nicht verbessert hat.

Für mich sind diese Zahlen eine Darstellung davon, wie es um die westliche Welt steht. Der weiße Christ hat versagt. Es nützt nichts davor die Augen zu verschließen. Es nützt auch nichts „Ja aber …“ zu nuscheln und in Demagogie, und Klugscheißerei zu verfallen. Wenn ein Drittel einer Gesellschaft unter psychischen Störungen leidet ist da definitiv etwas nicht in Ordnung. Das ist ein gesellschaftliches Problem und genauso wie bei der Arbeitslosigkeit, wird es zum Versagen des Einzelnen verdreht.

Es ist an der Zeit endlich den Tatsachen in die Augen zu schauen. Es ist an der Zeit endlich etwas zu unternehmen. Wenn es noch nicht zu spät ist.

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Graduierungen und ihr Unterschied zur wahren Stärke

Tobias | 9. Mai 2008

Ich würden diesen kleinen Aufsatz, den ich schreibe um meine Gedanken zu reflektieren, und damit gleichzeitig weiter zu geben, gerne mit dem Zitat anfangen, dass mich überhaupt erst zum Nachdenken angeregt hat, und schließlich dazu, diesen kleinen Artikel zu schreiben.

„In judo, a dan (rank) is awarded to the practitioner by other people. True power, however, comes from within.

Do not seek the acquirement of dan alone; rather pursue your true power. Your progression through the dan grades will follow”*

- Mifune Kyuzo , Judan (10th Dan) Kodokan Judo**

Und nochmal in Deutsch:

“Im Judo wird der Dan dem Übenden von einer anderen Person verliehen. Wahre Stärke kommt jedoch von innen.

Strebe niemals nach deiner Dan-Graduierung als einziges Ziel; versuche vielmehr deine wahre, innere Stärke zu finden. Das Voranschreiten deiner Dan Graduierungen wird deinem Streben nach innerer Stärke von alleine folgen“

- Mifune Kyuzo , Judan (10. Dan) Kodokan Judo

Zunächst sei dazu gesagt, dass sich dieses Zitat natürlich NICHT nur auf Judo beschränkt. Die Formulierung dieses Zitates begründet sich lediglich in der Funktion Mifunes als Judo Lehrer, der diesen Satz an seine Schüler richtete. Ersetzen wir dieses Wort schlicht und einfach durch den Begriff Budo, was den Sinn in keiner Weise verändert.

In diesem Zitat lässt sich erkennen, dass Mifune zweifelsohne die Problematik, die hinter dem Graduierungssystem steckt durchschaute. Dennoch würde ich ihn nicht als Gegner des Dansystems bezeichnen. Die Problematik, die er indirekt mit diesen Worten beschreibt, liegt in der Tatsache, dass man als engagierter Schüler mit großer Wahrscheinlichkeit beginnt Prüfung nach Prüfung zu absolvieren und darüber vergisst, was das Ziel seines Trainings ist. Da dieses Ziel jenseits von Technik und Auszeichnung durch Graduierungen liegt, ist es nicht im Sinne des Übenden lediglich eine immer höhere Graduierung anzustreben.

Obwohl Werner Lind ausführt, dass die Überwindung des eigenen Ichs erst ab Sandan, also dem dritten Dan stattfinden kann, da dem Kampf gegen das eigene Ich eine tiefes Verständnis von Technik und Hintergründen vorausgehen muss, werde ich seine These als Beleg für dieses Interpretationsweise anführen. Die Form kann laut Lind mit Inhalt, also mit dem Kampf gegen das Ich gefüllt werden, wenn das technische Verständnis und die Disziplin sich eingestellt haben***. Lind knüpft diese These an das Graduierungssystem an, da er sagt der Kampf gegen das ich kann erst ab Sandan beginnen. Sie Widerspricht der Auffassung Mifunes jedoch nicht im Geringsten. Im Gegenteil, diese Thesen sind durchaus komplementär verständlich. In dieser These wird nämlich nicht deutlich, dass Werner Lind den Dan als Auszeichnung versteht. Vielmehr macht er sehr deutlich, dass der Dan, mit höherer Graduierung, den Träger mit immer mehr Pflichten erfüllt.

Genau so verhält es sich mit dem Tragen des Hakama, der keine Auszeichnung und auch keine Ehrerbietung sondern eine Aufgabe, Pflicht, ja sogar Bürde, ist.

Ebenso sieht dies Mifune, der im Dan kein Zeichen von Größe sieht, sondern ein Zeichen der Verantwortung, die der jeweilige Bugeisha**** trägt.Die Argumentationskette, die Mifune in dem obigen Zitat verfolgt ist also folgende: Der Dan ist Zeichen der Verantwortung. Die Verantwortung wächst mit der Erfahrung und der Perfektion der Technik*****, die ein Bugeisha hat. Die Erfahrung und Perfektion der Technik ist Produkt von Zeit und Engagement. Also wird derjenige, der sich über lange Zeit in der Kampfkunst engagiert zwangsläufig mit einer hohen Graduierung Konfrontiert sehn, was allerdings bei Betrachtung der vielen weiteren positiven Aspekte, die einem das Training bringt, nebensächlich ist. Die Existenz des Dan ist jedoch nicht unbegründet. Er hat eine höchst wichtige und nicht zu unterschätzende Aufgabe: Er erinnert seinen Träger stets, zu jeder Minute, an die soziale und pädagogische Pflicht, die dieser seinen Schülern, Lehrern und allen, die er irgendwie helfen kann, schuldig ist.

* Zitat: Kyuzo Mifune, Judo no Shinzui: Michi to Jutsu, Kodansha-Verlag, Tokyo, 1965

**Kodokan Judo: Bezeichnung für den traditionellen Judo-Stil, der von Jigoro Kano begründet wurde.

***Zitat: Werner Lind, Budo Der Geistige Weg der Kampfkünste, O.W. Barth, o.O, o.J

****Bugeisha: Dieser Begriff wurde durch Dave Lowry geprägt, der ihn in seinem Buch Pinsel und Schwert als Oberbegriff für alle Kampfkunstübenden aller Kampfkünste in allen Stilen jeder Epoche gebraucht.

*****Auf den Aspekt der Technik bin ich in dem Aufsatz nicht weiter eingegangen, da es vermutlich den Rahmen gesprengt hätte. Überall, wo jedoch Begriffe wie Erfahrung und Verantwortung auftauchen spielt auch die Technik als Erzieherin zur Disziplin eine wichtige Rolle.

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Aikido / Budo, Allgemein, Philosophie, Tugenden

Die Wahrheit

Grigory | 29. März 2008

Eines Tages kam ein Blinder zum Meister:
- Meister, grüne Farbe, wie ist die so? Wie kann ich mir die vorstellen?
- Nun, die grüne Farbe ist wie Gras.
- Wie Gras?
- Ja, wie weiches Gras.

Am nächsten Tag kam ein anderer Blinder zum Meister:
- Meister, sag mir, grüne Farbe – was ist das?
- Nun, die grüne Farbe ist wie ruhige Musik.
- Wie ruhige Musik?
- Ja, das Grün ist wie langsame, ruhige, sanfte Musik.

Am nächsten Morgen ging der Meister aus dem Haus und sah die zwei Blinden, wie die sich mit Steinen auf die Köpfe gehauen haben, der eine schrie dabei: “Die ist wie Gras!” und der andere: “Nein, die ist wie Musik!”

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Allgemein, Philosophie, Tugenden

Tori und Uke – Sender und Empfänger

Tobias | 26. März 2008

Wie bei allen japanischen Begriffen scheint die Übersetzung der Worte Tori und Uke ins Deutsche sehr einfach zu sein. Tori heißt als Verb benutzt „greifen“, und wird beim Training auch als Substantiv, dann mit der Bedeutung „Der Ausführende der Technik“, verstanden. Zuweilen (wie zum Beispiel auch in unserem Dojo) wird stattdessen auch der Begriff „Nage“ benutzt, was „Wurf“ und auch „der Werfer“ bedeuten kann. Uke dagegen heißt als Verb etwa so viel wie „leiden“, „erhalten“, oder „empfangen“; Substantiviert ergibt sich daraus „der Leidende“ oder „der Empfänger“. Simpel gesagt könnte man Tori und Uke also mit „Der Ausführende der Technik“ und „Der Erleidende der Technik“ übersetzen. Für ein rein defensives Konzept von Kampfkunst bedeutet dies in der Konsequenz für die Übersetzung von Uke und Tori lediglich „Angreifer“ und „Verteidiger“.

In Wahrheit geht die Idee der Worte Tori und Uke weit über das Konzept eines Ausführenden und eines Erleidenden Parts im Training weit hinaus. Die Beziehung zwischen den Beiden lässt sich vielleicht mit der Beziehung zwischen Subjekt und Objekt in einem Satz vergleichen. Beide Wörter bzw. beide Trainierende können für sich existieren. Und beide Wörter für sich haben eine Bedeutung bzw. beide Trainierende können für sich trainieren. So heißt Baum, Baum und Säge, Säge. Genau so kann ein Mensch alleine für sich im Tandoku renshu geiko (Übung ohne Partner) die Bewegungsabläufe einer Technik üben und ein Anderer für sich die für eine Technik benötigten Ukemi (Fallschule) üben.

Wirklich sinnig werden die Worte Baum und Säge jedoch erst, wenn man sie in einen grammatikalischen Zusammenhang stellt und ihnen die Funktion von Subjekt und Objekt gibt. „Die Säge fällt den Baum“ die Säge ist Subjekt, der Baum Objekt.
Genauso ist es mit der Beziehung zwischen den für sich Trainierenden von Tandoku renshu geiko und Ukemi. Erst wenn man ihnen die Funktion von Tori und Uke gibt und sie zusammen trainieren, also der Tori am Uke die Technik ausführt wird die Übung komplett. Der ganze Sinn der Übung zeigt sich erst im Zusammenspiel von Tori und Uke, Subjekt und Objekt, Sender und Empfänger.

Ein wichtiger Aspekt in der Beziehung der Beiden ist, dass beide zu 100% gleichberechtigt sind. Ein Tori ist nie besser als ein Uke weil er ihn wirft oder am Boden hält. Die Fähigkeit bei einem Wurf so fallen zu können, dass man sich nicht verletzt ist genauso wertzuschätzen wie die Fähigkeit einen Angreifer effektiv zu Boden zu bringen.
Außerdem gibt es für einen Uke beim Üben einer Technik ideale Voraussetzungen zum Erlernen der Technik. Die meisten Techniken funktionieren besser, wenn man am eigenen Körper erlebt hat, wie sie wirken. Außerdem hat man als Uke die einmalige Möglichkeit zu erleben was Mitgefühl ist, denn wenn man selbst oft erlebt hat welche Schmerzen gewissen Techniken verursachen können, bringt einen das dazu besser um mögliche Konsequenzen bei Ausführung der Technik zu wissen.
Außerdem kann man als Uke regelrechten Spaß am geworfen werden entwickeln, wenn man sich beim geworfen werden darüber im Klaren ist, welch ästhetischer Bewegung oder Technik man die Möglichkeit gibt sich zu entfalten, und wenn man darum weiß, dass man dem großen Prinzip der Kampfkunst die man trainiert die Möglichkeit gibt sich nach außen hin zu zeigen, was jeden Uke -und auch jeden Tori- in jeder Kampfkunst mit Stolz erfüllen sollte.

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Aikido / Budo, Philosophie, Tugenden

Drei Meister

Grigory | 17. März 2008

Es war einmal vor langer Zeit. Drei Meister irgendeiner Kampfkunst, sagen wir mal Kung Fu, wollten rausfinden wer von denen der beste ist. Dafür haben sie alle Bewohner der Stadt auf dem Hauptplatz zusammengetrommelt und haben einen öffentlichen Wettkampf angekündigt.

Der erste Meister stellte sich vor die Menschenmenge und sagte: „Leute! Werft Steine nach mir!“. Die Menschen warfen Steine nach ihm, aber der Meister bewegte sich so schnell, dass er allen Steinen ausweichen konnte und kein Stein berührte ihn.

Der zweite Meister trat vor die Menge, setzte sich in den Lotussitz und sagte: „Werft Steine nach mir!“. Die Menschen warfen ihre Steine mit voller Kraft, aber kein Stein konnte ihn erreichen, aus einem mysteriösen Grund fielen alle Steine zu Boden, bevor die den Meister treffen konnten.

Der dritte Meister stellte sich vor die Menschen und sagte: „Leute! Werft Steine nach mir!“. Minuten vergingen, die Menschen standen auf dem Platz und niemand von denen warf ein Stein.

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Aikido / Budo, Allgemein, Ki, Philosophie

Aikido

Geraldine und Peter Roskothen | 11. März 2008

Zitat Fujita-san vom Freitag 07.03.2008:

“Aikido is Aikido”

Domo arigato gozaimashita Fujita-san. Das Zitat ist wirklich ausgesprochen wichtig. Es war ein ausgesprochen wunderschönes Training mit Ihnen! Sie sind immer herzlich eingeladen.

Domo arigato gozaimashita Fujita-san. What you said is really important to us. It was an excellent training with you. You are always welcome.

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Aikido / Budo, Philosophie

Der Mann und das Pferd

Peter Roskothen | 8. März 2008

In Zen-Kreisen erzählt man sich die Geschichte
von einem Mann und einem Pferd.
Der Mann sitzt auf seinem geschwind
dahingaloppierenden Pferd
und es hat den Anschein,
als müsse er ganz schnell zu einer
dringenden Verabredung.
Am Wegesrand steht ein anderer Mann.
Der ruft: “Wohin des Weges?”
Worauf der Reiter antwortet:
“Keine Ahnung! Frag das Pferd!”

Aus “Liebe heißt, mit wachem Herzen leben.” – Verlag: Herder, Freiburg, ISBN: 978-3451284779

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Aikido / Budo, Philosophie

Die schlechtesten Eigenschaften des Menschen

Peter Roskothen | 1. Februar 2008

Wir möchten gerne einmal über die schlechten Eigenschaften des Menschen reden. Was meint Ihr, welches die schlechtesten Seiten der Menschen sind? Wir bitten um reichlich Kommentare mit kurzer Begründung. Mal sehen, was zusammen kommt…

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Aikido / Budo, Allgemein, Philosophie

Rei – Die Höflichkeit in den Kampfkünsten als Weg zur inneren Stärke

Tobias | 16. Januar 2008

Was bedeutet Rei in den Kampfkünsten? Zumeist wird dieses japanische Ideogramm mit „Höflichkeit“, „Etikette“, „Respekt“ oder „Ehrerbietung“ übersetzt. Dies ist terminologisch sicher richtig, bezeichnet jedoch nicht korrekt die Bedeutung in seiner Gesamtheit.

Wozu verbeugt man sich im Training einer Weglehre (Budo) vor dem Stilgründer und seinen Mittrainierenden denn? Dieser Verbeugungen, Shihan – ni – rei und Otagi – ni – rei, zeigen mehr als nur den Respekt voreinander, wie in „sportifizierten“ Budokünsten, wie der heute oft als Wettkampfsport ausgelegten ehemaligen „Weglehre der Sanftheit“, besser bekannt unter dem Namen „Judo“.

Grade das Shihan – ni – rei, dass nach außen wie eine nebensächliche, routineartige und nur in der Tradition begründete Ehrerbietung dem Stilbegründer gegenüber aussieht, ist tatsächlich eine im Budo grundlegende Übung zur Demut. Allein das demütige Verhalten und der ernst gemeinte Respekt kann im Budo zur richtigen inneren Haltung führen, die jeder zur erlernenden Technik voraus gehen muss, da eine formvollendete Technik ohne richtige Haltung zur gefährlichen Waffe gegenüber dem Umfeld des Übenden wird, wenn er das Erlernen einer schadenanrichtenden Technik über das Erlernen der rechten Haltung, die die Technik bändigen muss, stellt.

Ohne den ehrlichen Respekt ausgedrückt durch die Verbeugung also das Rei kann also kein ernsthafter Kampfkunstübender trainieren, da ohne Respekt keine Kampfkunst als Kampfvermeidungskunst und Weglehre existieren kann.

Der okinawaische Karate-Do Großmeister Funakoshi stellte daher an die erste Stelle seiner Shoto – niju – kun also die 20 Regeln des von ihm begründeten Shoto – kan – ryu – karate – do die Formulierung „ Karate – do beginnt mit Respekt und endet mit Respekt“.

Mit diesen Worten drückt Meister Funakoshi gleichzeitig die grundsätzliche Philosophie aus, die sch im Aikido durch die Silbe „Ai“ (jap. für „Liebe“, „Harmonie“) manifestiert.

Ohne den hier ausgedrückten Respekt kann kein Fortschritt erreicht werden, da man zu jedwedem Angreifer eine Verbindung herstellen muss (Zanshin) um ihn verstehen zu können, damit eine Verteidigung im Sinne des Aikido stattfinden kann.

Nicht Zerstörung sondern Zan-shin führt zum Ende des Konflikts. Die Einsicht stoppt den Angreifer, da das Gewissen die letztendliche Instanz jedes Entscheidungsprozesses ist.

Demut und Respekt führen allein zur liebenden Macht, die jeden Konflikt im Keim erstickt.

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Aikido / Budo, Allgemein, Etikette, Philosophie, Tugenden

Zanshin & Mushin

Geraldine und Peter Roskothen | 28. Dezember 2007

Angela hat in Ihrem Artikel den Begriff “Zanshin” schon einmal erläutert. Hier ist noch einmal ein Versuch Zanshin zu erläutern und gegen Mushin abzugrenzen:

Liest man bei Sensei Phong Thong Dang und Lynn Seiser nach, so erfährt man folgendes (übersetzt aus dem Englischen):

“Zanshin ist die bleibende Verbindung, die noch lange nach der Ausführung der Technik besteht. Zanshin ist die Fähigkeit eine Verbindung einzugehen und zu halten. Zanshin ist das, was man als Leser dieses Buches hinterher mitnimmt.”

Es ist wohl genau das, was auch bei einer Teezeremonie statt findet und während und nach einem Aikido-Training da sein sollte: daß man sich verbindet mit seinem Gegenüber, daß es kein abruptes Ende nimmt, sondern daß man verbunden bleibt und sich weiter mit seinem Gast oder Meister (Teezeremonie) bzw. seinen Mitschülern und Lehrern (Aikido) verbunden hält. Nur mit der Verbindung funktionieren auch die Techniken am besten und man bleibt beim Partner/Gegner auch nach der Technik. Das hat auch den Grund des Bewachens, des Überprüfens, ob der Parnter/Gegner wieder angreift. Aber auch den Grund des Respektes.

Im Film “Der letzte Samurai” wird Tom Cruise in einer dunklen Straße von vier oder fünf Schwerkämpfern überrascht. Er tötet alle bis auf einen sofort und ist hinterher noch in Gedanken bei Ihnen. Er erinnert sich an die gesamte Szene. Eine Art Respekt und Verbindung. Ich vermute, daß die Szene Zanshin vermitteln möchte. Einer der Angreifer lebt noch und erhebt sich wieder und Tom Cruise merkt dies auch mit zugewandtem Rücken durch die Verbindung – Zanshin.

Ebenfalls ist eine Deutung von Mushin ist in dem Film vertreten bei einer Kampfszene mit bokken (Holzschwert). Dort sagt der junge Mann (der in Wirklichkeit ein sehr guter Budoka ist) zu Tom Cruise:
“No mind.” Er deutet auf die Umstehenden und sagt er solle alles um ihn herum vergessen, um die Technik perfekt auszuführen.

Mushin bedeutet leerer Geist, sich zu vergessen, sich zu leeren. Das ist vergleichbar mit der Teezeremonie (Chado). Auch dort versucht man den sehr schwierigen Zustand von Mushin zu erreichen. Und auch dort spielt Zanshin eine große Rolle. Es gibt viele Arten von DO, die alle diese Begriffe und Inhalte vermitteln und mit ihnen leben: Bu-do, Cha-do, Ken-do, Karate-do, Kyu-do, Ai-ki-do und etliche Künste mehr, wenn sie gut ausgeführt werden und nicht dem Wettkampf, Gürtelfarben oder Punkten dienen.

Bei der Recherche hat uns Akiko-san sehr geholfen. Akiko-san ist Meisterin der Edosenke-Teezeremonie und wir bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen!

Sollten wir hier etwas falsch erläutert haben, oder Sie haben beim Lesen Ergänzungen gefunden, wären wir sehr dankbar für Kommentare. Danke!

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Die Gespräche mit Reynosa-Sensei aus der Sicht eines 17-jährigen

Tobias | 9. Dezember 2007

Wie schon beschrieben haben wir uns gemeinsam zum Christkindl-Seminar nach Nürnberg aufgemacht, um bei Larry Reynosa-Sensei etwas über den Weg (jap.: „Do“) des Aiki (jap.: „ai“: „Harmonie“, jap.: „Ki“: „Lebenskraft“) zu lernen.

Tatsächlich haben die Gespräche, die Sensei (dt.: „Lehrer“) jeder Trainingseinheit vorweggenommen hat, besser gesagt, die jedes Training einleiteten, weitaus tiefgründigere Einsicht in die Welt des Aikido geboten.

Sensei betonte zunächst, dass er diese Gespräche für einen essentiell wichtigen Teil im Training einer Kunst des Budo (dt.: „Der Weg des Krieges“) als wirklicher „Weg des Krieges“ halte, was denke ich alle Beteiligten dazu führte seine Worte umso mehr in sich wirken zu lassen.

Ein Aspekt, den er im Folgenden immer wieder betont hat, ist die Verantwortung eines jeden Lehrers des Aikido, die er seinen Schülern gegenüber trage. Jedem von ihnen zu vermitteln, was der Sinn im Aikido sei. Lehrt ein Lehrer Aikido als Weg sich zu verteidigen, so müssen die vermittelten Techniken auch funktionieren. Wenn die Techniken jedoch nicht funktionieren, so sei auch diese Form des Aikido zu respektieren, allerdings nur, wenn der Schüler darum weiß, dass er sich niemals auf der Straße damit wird verteidigen können.

Auf der anderen Seite müsse auch jedem Schüler, der Aikido lernt, dass „straßentauglich“ ist, vermittelt werden, dass die Techniken unter allen umständen nur ein schadenregulierendes allerletztes Mittel sind. Die Meisterschaft im Budo bestünde also nicht im Meistern der äußeren Form, sondern in der Beherrschung von Aggression und Angst.

Damit kommen wir zum nächsten Punkt. Angst!

Die Kontrolle über die eigene Angst zu erlernen, war ein weiterer Punkt, auf den Sensei sehr viel Wert legte. Denn Angst sei große Hürde, wenn man sich wirklich einmal im Kampf muss.

Sensei drückte dies beim üben der Technik Yubi-Dori (Ergreifen der Finger bei Angriff mit geöffneter Hand) ungefähr so aus: „Wenn euch jemand Angreift mit der Absicht euch zu töten, und ihr seine Finger dann loslasst, nur weil sie knacken und ihr Angst davor habt eurem Angreifer die Finger zu brechen, dann könnt ihr davon ausgehen, dass derjenige aus Wut über seine gebrochenen Finger noch einmal angreift. Und dieses Mal wird er mit mehr Elan zuschlagen.“

Nun diese Aussage mag auf den ersten Blick vielleicht im Gegensatz zu dem stehen, was O’Sensei (dt: „Großer Lehrer“) (Ueshiba Morihei, Begründer des Aikido) einmal sagte: „Wenn dich jemand bedroht, schließe deinen Angreifer ins Herz“ also ‚Zeige Gnade!’, wenn man sich aber überlegt, dass man auch die einfachere Möglichkeit hat, den Gegner brutal mit einem Faustschlag ins Gesicht zu verletzen und damit schwere Schäden zuzufügen, dann sind doch, bezogen auf dieses Beispiel, ein paar gebrochene Finger, ein relativ verantwortungsbewusstes Umgehen mit einem Angreifer.

Diese Verantwortung vermittelte Sensei also nicht nur den Lehrern auf dem Seminar sondern allen anwesenden.

Auf der anderen Seite hat er, um zum Schlüsselwort Angst zurückzukommen, auch gesagt, dass Angst überhaupt erst zu Angriffen führt. Entweder, weil der Angreifer die Angst eines „schwachen Opfers“ erkennt, oder aber, weil die Angst zur Aggression des Angreifers führt.

Die Angst die Kontrolle über eine Situation zu verlieren, die Angst davor schlecht dazustehen, und viele andere Formen von Ängsten.

Angst ist, so Reynosa-Sensei, die einzige Ursache für Aggression. „Fear leads to anger“ (dt.: „Angst führt zu Wut“), sagte Sensei wortwörtlich.

Kontrolle und die Angst davor, schlecht dazustehen, waren auch Thema der Gespräche. Kontrolle ist der Schlüssel im Aikido. Die Kontrolle keine Aggression aufkommen zu lassen, Kontrolle darüber das man evtl. aufkommende Aggression wieder in den Griff bekommt, und die Kontrolle über seinen Angreifer, falls man es nicht hat verhindern können angegriffen zu werden.

Und im Bezug auf die Angst davor schlecht dazu stehen, sagte Sensei nur sehr nüchtern etwas wie: „Es muss euch egal sein, was andere von euch denken. Ihr müsst für das einstehen, was ihr sagt, tut und seid.“ wörtl. „Stay on the line“ (dt: „Bleibe auf der Linie“).

Dieses Credo „Stay on the line!” bezog er sowohl auf Technik (das Prinzip des Eintretens in den Angriff, statt ihm auszuweichen jap.: „Irimi“ auch „Omote“), als auch auf das tägliche Leben. Kein Mensch sollte sich jemals von seinem Weg abbringen lassen, sofern dieser auf seine Tugend hin überprüft worden ist.

Leider muss ich zugeben, dass dies alles ist, was mir im Augenblick zu den besprochenen Themen einfällt. Ich habe nun die Themen, die mir eingefallen sind angeschnitten und die Gedanken zum Teil weiter gesponnen, möchte aber klarstellen, dass das Besprochene noch weitaus tiefgründiger war. Ich freue mich auf Kommentare und Anregungen was evtl. Vergessene Aspekte im Artikel betrifft.

Mit freundlichen Grüßen

Tobi

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Aikido / Budo, Allgemein, Bericht, Philosophie, Seminar

Indisches Bildnis zur Toleranz – Vier Blinde erfahren einen Elefanten

Peter Roskothen | 15. Mai 2007

Jeff Sensei aus Mauii hat uns diese Geschichte zukommen lassen. Wir mögen sie gerne, denn Sie hat viel mit Aikido, Aufmerksamkeit und Toleranz zu tun:

“Vier blinde Menschen erfahren einen Elefanten. Diese vier Menschen sind nie einem Elefanten begegnet und sie berühren ihn, in dem Wunsch dieses neue Phänomen zu verstehen und beschreiben zu können. Einer fasst den Rüssel und denkt es sei eine Schlange. Der Zweite erforscht das Bein des Elefanten und denkt es sei ein Baum. Der Nächste faßt den Schwanz und denkt es sein ein Seil. Der vierte Blinde ertastet die Seite des Elefanten und denkt es sein eine Mauer.

Jeder der blinden Männer entdeckt den Elefanten. Und doch beschreibt jeder dasselbe Tier in einer eigenen radikal anderen Art.

Wenn wir nur alle wirklich sehen könnten…”

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Aikido / Budo, Grundlagen, Philosophie

Indian Analogy for tolerance – Four blind men discover an elephant

Peter Roskothen |

Jeff Sensei did write us an eMail and mentioned this old indian analogy. We like it because it got a lot to do with Aikido and tolerance:

“There are four blind men who discover an elephant. Since the men have never encountered an elephant, they grope about, seeking to understand and describe this new phenomenon. One grasps the trunk and concludes it is a snake. Another explores one of the elephant’s legs and describes it as a tree. A third finds the elephant’s tail and announces that it is a rope. And the fourth blind man, after discovering the elephant’s side, concludes that it is, after all, a wall.

Each in his blindness is describing the same thing: an elephant. Yet each describes the same thing in a radically different way.

if only we could all truly see…”

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Aikido / Budo, Philosophie, english article

Ein wunderschöner Artikel, der im Reiki wie im Budo seine Bedeutung hat

Peter Roskothen |

“Gerade Heute” sollte das Motto sein. Jörg bringt es in seinem Blog auf den Punkt. Ein sehr lesenswerter Artikel ist das. Einzig der Begriff “Macht” gefällt mir nicht. Aber Macht ist vermutlich nicht so gemeint, wie es sich anhört?

Artikel “Jetzt ist der Augenblick der Macht”

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Aikido / Budo, Philosophie

Shugyo (english)

Geraldine und Peter Roskothen | 13. Mai 2007

We already mentioned “Shugyo” publishing the article about “Shu-Ha-Ri”. “Shugyo” is a term that seems to have different meanings. Time ago, a “Shugyosha” was a Budoka, travelling from Dojo to Dojo to learn.

The word “Shugyo” is built from two syllables: “Shu” meaning as much as “discipline”, “respect” or “learning” and “Gyo” as much as “art”. Maybe the meaning is “to learn the art”.

To translate the meaning “Shugyo” is difficult and seems to also mean to “polish one´s spirit”. It means to unify spirit and body and to challenge oneself. This also means to be honest, to work at your own ego and to go beyond the limit. To recognize and reflect your own mistakes and to get out of the comfort zone.

“Shugyo” seems to be related to “Misogi” (purification). It is obvious that we can practice “Shugyo” every day, by solving tasks we do not like, i.e. to make your bed, wash your own Gi, do the washing up. But in actual fact it means to open your spirit, purify it and be honest against yourself. Not to give up but to mature.

On the physical level “Shugyo” can be practised by repeating movements like cleaning the Tatami, concious seating and breathing accompanied by discipline.

In Germany “Shugyo” in life often seems to be unknown and uncomfortable. It starts at school where someone throws away his rubbish or does not clean his shoes entering. The cleaning of the school is left for somebody else to do. In Japan the pupil do clean their own school. This is a way of discipline and challenging oneself, that helps being honest with oneself and going beyond the limit of laziness and impurity.

“Shugyo” can also mean to learn something new, to visit a new Dojo and to behave with respect and discipline. To visit a strange seminar with new challenges which can only be learned by being humble. Humbleness never can be wrong anyway as we all make mistakes and can purify by practicing “Shugyo”.

In our understanding everybody visiting a good Dojo, that is not a school of comfort, is practicing “Shugyo”. Everybody visiting a good Dojo is reaching beyond one´s own limits, trains regularly and tries to mature conciously or unconciously. The more you practice, the more intensive the “Shugyo” and therefore the maturity.

“Shugyo” seems to be connected with asceticism, to concentrate on the important things, to purify the mind, to challenge oneself and to mature. As little as we can read about the meaning of “Shugyo”, the meaning seems to be different for every one of us. All in all it seems with keeping one´s mind open we reach another form of awareness, and with the help of “Shugyo” we get closer to “Shingen“, the highest form of awareness.

If you know more about the meaning of “Shugyo”, please do us a big favour and comment this article. We are working hard to find out more about the meaning of “Shugyo”.

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Aikido / Budo, Philosophie, Techniken, Tugenden, english article

Shugyo

Geraldine und Peter Roskothen | 9. Mai 2007

Schon in dem Artikel über Shu – Ha – Ri haben wir kurz den Begriff “Shugyo” verwandt. “Shugyo” (oder auch “Shugio” geschrieben) ist ein Begriff, der offensichtlich verschiedene Bedeutungen haben kann. Früher war ein “Shugyosha” ein Budoka, der von Dojo zu Dojo zog, um dort weiter zu lernen.

Der Begriff “Shugyo” setzt sich aus den zwei Silben zusammen: Shu bedeutet soviel wie Disziplin, Respekt, Lernen und Gyo bedeutet soviel wie Kunst. Vielleicht soviel wie “die Kunst erlernen”.

“Shugyo” ist ein sehr schwierig zu erklärender Begriff und bedeutet im übersetzten Sinne offenbar auch soviel wie “den Geist schmieden” oder “den Geist polieren”. Es bedeutet Geist und Körper in Einklang zu bringen und sich selber herauszufordern. Das wiederum bedeutet, aufrichtig zu sein, an sich selbst zu arbeiten und über seine Grenzen zu gehen. Vor allem aber seine Fehler zu erkennen und aus der Komfortzone herauszukommen.

Shugyo scheint mit Misogi (Reinigung) daherzukommen. Offensichtlich kann man Shugyo jeden Tag praktizieren, indem man unliebsame Aufgaben erledigt und zum Beispiel Ordnung in seinem Leben schafft. Natürlich kann das so etwas sein, wie Aufräumen, das Bett machen, seinen Gi selbst waschen, sich um den Abwasch kümmern. Aber im Grunde geht es darum, den Geist offen zu machen, ihn rein zu machen und sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. Also sich nicht hängen zu lassen, sondern zu reifen.

Auf dem körperlichen Level kann man Shugyo durch wiederkehrende Bewegungen gut praktizieren. Das kann das Putzen der Tatami sein, oder das bewußte Sitzen und Atmen, einhergehend mit Disziplin.

In Deutschland ist das Shugyo im Leben sicher oft unbequem und unbekannt. Das fängt schon in der Schule an, in der man sein Papier unachtsam wegwirft oder die Schuhe nicht sauber macht beim Eintreten. Man überläßt das Putzen jemand anderem. In Japan putzen Schüler ihre Schule selbst und machen sauber. Das ist eine Art der Disziplin und Selbstüberwindung, die dazu geeignet ist, mit sich selbst ehrlich zu sein, sich über seine eigenen Grenzen der Faulheit und Unreinheit hinwegzusetzen.

Natürlich kann Shugyo auch bedeuten etwas Neues zu erfahren, in ein fremdes Dojo zu gehen und sich diszipliniert und respektvoll zu benehmen. Oder zu einem fremden Lehrgang zu gehen, der mit völlig neuen Herausforderungen aufwartet und in dem man sich sehr bescheiden aufführen muß. Bescheiden zu sein kann überhaupt nie wirklich schaden, denn wir sind alle mit großen Fehlern durch das Leben, welche man angehen kann und möchte, wenn man Shugyo praktiziert.

Shugyo praktiziert in unserem Verständnis jeder, der in ein Dojo geht, welches nicht einfach nur zum Wohlsein gereicht. Jeder der ein gutes Dojo besucht, praktiziert Shugyo, denn er überwindet sich selbst, geht regelmäßig zum Training und versucht so bewußt oder unbewußt an sich zu arbeiten, etwas aus sich zu machen. Je mehr er übt und an sich arbeitet, desto intensiver sein Shugyo und damit seine Reife.

So hat Shugyo sicher etwas mit Askese zu tun, sich auf das Wesentliche zu beschränken, seinen Geist zu reinigen, sich zu überwinden, an sich zu arbeiten, zu reifen. Und so wenig wie man über den Begriff lesen kann, hat er wohl für viele eine andere Bedeutung. In jedem Falle hat man mit dem Offensein und dem reinen Geist eine andere Art Aufmerksamkeit und kommt mit Shugyo so auch dem Shingen, der hohen Aufmerksamkeit näher.

Wer mehr weiß über den Begriff, ist herzlich gebeten es zum Beispiel als Kommentar beizutragen. Wir arbeiten daran den Begriff weiter zu ergründen.

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Aikido / Budo, Grundlagen, Philosophie, Techniken, Tugenden

Aikido ist kein Sport

Peter Roskothen | 5. April 2007

Aikido mit “Sport” oder “Kampfsport” zu bezeichnen ist falsch. Budo (der Oberbegriff für Wegkünste) war und ist in seiner wahren Form niemals Sport, sondern hat lediglich einen sportlichen Anteil.

Schon O´Sensei (der Erfinder von Aikido) hat festgestellt, daß es im Bujitsu (daraus entstand dann später Budo) immer um das Leben und den Tod ging, nicht jedoch um Zeitvertreib. Sport ist eine Jubelveranstaltung, eine Veranstaltung um zu gewinnen, um das Ego zu befriedigen. Sport hat mit Wettbewerb zu tun, mit Beckerfaust mit Kampf und Siegen. Deshalb gibt es dort auch so viele Verlierer, die nicht auf das Verlieren vorbereitet wurden.

Aikido oder auch Tai-Chi und ähnliche Künste als Sport zu bezeichnen ist einfach falsch verstanden. Im Aikido wie in allen echten Wegkünsten geht es um Tugenden, Respekt, Mitgefühl, Liebe, Frieden, Meditation, Konzentration, Ki-Fluß, Spiritualität, das Miteinander und vieles mehr. Es geht um Friedfertigkeit und Selbstbeherschung. All das sind oft (nicht immer) die Gegenteile von Wettkampf-Sport. Die Verirrungen in der Sprache sind schlimm und verwirrend, denn so werden auch Sportarten wie Kickboxen in eine Schublade mit Budo geschoben, obwohl sie dort (je nach Intention und Lehrer) überhaupt nicht hingehören. Die vielleicht schönste knappe Beschreibung von Aikido oder Budo ist “Kampfvermeidungskunst“. Man kann sicher Bücher über die genauen Bezeichnungen schreiben, am besten jedoch macht man Aikido und lernt so was es wirklich ist: das Arbeiten an sich selber.

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“Shu Ha Ri” – die Lernstufen im Budo / Aikido

Peter Roskothen | 4. April 2007

“Shu-Ha-Ri” ist der japanische Begriff für die Entwicklung beim Lernen von Budo / Aikido.

“Shu” bedeutet laut Masayuki Shimabukuro entweder “erhalten” oder “gehorchen”. Der Anfang vom Aikido-Training ist hier gemeint, in dem der Schüler mit Enthusiasmus lernt, was der Lehrer zeigt. Ein Teil davon ist die Akzeptanz der Korrektur durch den Lehrer (Anm.: besser sogar die Dankbarkeit dafür), aber wie alles im Leben hat auch “Shu” noch eine andere Seite, nämlich den Schutz des Schülers durch den Lehrer. Für den Lehrer / Sensei bedeutet das, den Schüler zu motivieren, ihm das Lernen zu erleichtern und den Schüler zu fördern.

Ziel der “Shu”-Stufe ist das Erlernen gleicher Formen und Techniken, die bei allen Schülern die gleichen Anlagen haben sollen, gleich welcher Charakter, welcher Körper und welche Voraussetzungen. Diese Formen und Techniken sind die Grundlage für alle zukünftigen Aktivitäten, das Weiterlernen.
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