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Graduierungen und ihr Unterschied zur wahren Stärke

Tobias | 9. Mai 2008

Ich würden diesen kleinen Aufsatz, den ich schreibe um meine Gedanken zu reflektieren, und damit gleichzeitig weiter zu geben, gerne mit dem Zitat anfangen, dass mich überhaupt erst zum Nachdenken angeregt hat, und schließlich dazu, diesen kleinen Artikel zu schreiben.

„In judo, a dan (rank) is awarded to the practitioner by other people. True power, however, comes from within.

Do not seek the acquirement of dan alone; rather pursue your true power. Your progression through the dan grades will follow”*

- Mifune Kyuzo , Judan (10th Dan) Kodokan Judo**

Und nochmal in Deutsch:

“Im Judo wird der Dan dem Übenden von einer anderen Person verliehen. Wahre Stärke kommt jedoch von innen.

Strebe niemals nach deiner Dan-Graduierung als einziges Ziel; versuche vielmehr deine wahre, innere Stärke zu finden. Das Voranschreiten deiner Dan Graduierungen wird deinem Streben nach innerer Stärke von alleine folgen“

- Mifune Kyuzo , Judan (10. Dan) Kodokan Judo

Zunächst sei dazu gesagt, dass sich dieses Zitat natürlich NICHT nur auf Judo beschränkt. Die Formulierung dieses Zitates begründet sich lediglich in der Funktion Mifunes als Judo Lehrer, der diesen Satz an seine Schüler richtete. Ersetzen wir dieses Wort schlicht und einfach durch den Begriff Budo, was den Sinn in keiner Weise verändert.

In diesem Zitat lässt sich erkennen, dass Mifune zweifelsohne die Problematik, die hinter dem Graduierungssystem steckt durchschaute. Dennoch würde ich ihn nicht als Gegner des Dansystems bezeichnen. Die Problematik, die er indirekt mit diesen Worten beschreibt, liegt in der Tatsache, dass man als engagierter Schüler mit großer Wahrscheinlichkeit beginnt Prüfung nach Prüfung zu absolvieren und darüber vergisst, was das Ziel seines Trainings ist. Da dieses Ziel jenseits von Technik und Auszeichnung durch Graduierungen liegt, ist es nicht im Sinne des Übenden lediglich eine immer höhere Graduierung anzustreben.

Obwohl Werner Lind ausführt, dass die Überwindung des eigenen Ichs erst ab Sandan, also dem dritten Dan stattfinden kann, da dem Kampf gegen das eigene Ich eine tiefes Verständnis von Technik und Hintergründen vorausgehen muss, werde ich seine These als Beleg für dieses Interpretationsweise anführen. Die Form kann laut Lind mit Inhalt, also mit dem Kampf gegen das Ich gefüllt werden, wenn das technische Verständnis und die Disziplin sich eingestellt haben***. Lind knüpft diese These an das Graduierungssystem an, da er sagt der Kampf gegen das ich kann erst ab Sandan beginnen. Sie Widerspricht der Auffassung Mifunes jedoch nicht im Geringsten. Im Gegenteil, diese Thesen sind durchaus komplementär verständlich. In dieser These wird nämlich nicht deutlich, dass Werner Lind den Dan als Auszeichnung versteht. Vielmehr macht er sehr deutlich, dass der Dan, mit höherer Graduierung, den Träger mit immer mehr Pflichten erfüllt.

Genau so verhält es sich mit dem Tragen des Hakama, der keine Auszeichnung und auch keine Ehrerbietung sondern eine Aufgabe, Pflicht, ja sogar Bürde, ist.

Ebenso sieht dies Mifune, der im Dan kein Zeichen von Größe sieht, sondern ein Zeichen der Verantwortung, die der jeweilige Bugeisha**** trägt.Die Argumentationskette, die Mifune in dem obigen Zitat verfolgt ist also folgende: Der Dan ist Zeichen der Verantwortung. Die Verantwortung wächst mit der Erfahrung und der Perfektion der Technik*****, die ein Bugeisha hat. Die Erfahrung und Perfektion der Technik ist Produkt von Zeit und Engagement. Also wird derjenige, der sich über lange Zeit in der Kampfkunst engagiert zwangsläufig mit einer hohen Graduierung Konfrontiert sehn, was allerdings bei Betrachtung der vielen weiteren positiven Aspekte, die einem das Training bringt, nebensächlich ist. Die Existenz des Dan ist jedoch nicht unbegründet. Er hat eine höchst wichtige und nicht zu unterschätzende Aufgabe: Er erinnert seinen Träger stets, zu jeder Minute, an die soziale und pädagogische Pflicht, die dieser seinen Schülern, Lehrern und allen, die er irgendwie helfen kann, schuldig ist.

* Zitat: Kyuzo Mifune, Judo no Shinzui: Michi to Jutsu, Kodansha-Verlag, Tokyo, 1965

**Kodokan Judo: Bezeichnung für den traditionellen Judo-Stil, der von Jigoro Kano begründet wurde.

***Zitat: Werner Lind, Budo Der Geistige Weg der Kampfkünste, O.W. Barth, o.O, o.J

****Bugeisha: Dieser Begriff wurde durch Dave Lowry geprägt, der ihn in seinem Buch Pinsel und Schwert als Oberbegriff für alle Kampfkunstübenden aller Kampfkünste in allen Stilen jeder Epoche gebraucht.

*****Auf den Aspekt der Technik bin ich in dem Aufsatz nicht weiter eingegangen, da es vermutlich den Rahmen gesprengt hätte. Überall, wo jedoch Begriffe wie Erfahrung und Verantwortung auftauchen spielt auch die Technik als Erzieherin zur Disziplin eine wichtige Rolle.

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Aikido / Budo, Allgemein, Philosophie, Tugenden

Seminar und Prüfungen

Peter Roskothen | 4. April 2008

Am vergangenen Samstag kamen Sabine und Jürgen, sowie 6 weitere Aikidoka aus Siegen zu uns nach Vorst zum Seminar. Mit dabei auch Anke und Christian aus Pirmasens. Die Siegener haben uns dabei viel beigebracht und einige unserer Mitschüler aus Vorst geprüft.
Für mich persönlich waren nicht nur die Lerninhalte und Prüfungen sehr schön, sondern vor allem auch die Freundschaftlichkeit der Aikidoka untereinander. Die zehn angereisten, sehr netten Menschen kamen extra zu uns und opferten ihre Zeit für unser aller Weiterkommen.

Um es kurz zusammen zu fassen: es war sehr anstrengend. Für Euch alle war es eine besondere Herausforderung, die Ihr offen und hervorragend absolviert habt! Es erfüllt uns mit viel Respekt und Freude, daß Ihr so intensiv und aufmerksam dabei und alles gegeben habt.

An das Tomodachi Aikido Dojo sowie Anke und Christian geht unser großer Dank und ein besonders herzlicher Gruß!

Tobi und Stephan bei Ihrer PrüfungEine sehr anstrengede Prüfung mit unzähligen RollenNoch ein paar extra Fallübungen, um wieder zu Atem zu kommenTobias und Stephan bedanken sich bei den UkesNick, unser Jüngster erhält seine UrkundeGratulation zur bestandenen PrüfungSabine und JürgenGeraldine überreicht ein kleines Danke AbgrüßenGegenseitiger Dank

Vielen Dank an Susanne und Lothar für den Besuch und die sehr schönen Fotos (oben)!

Weitere Fotos von Stefan – herzlichen Dank:

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Aikido / Budo, Etikette, Seminar, Termine, Tugenden

Die Wahrheit

Grigory | 29. März 2008

Eines Tages kam ein Blinder zum Meister:
- Meister, grüne Farbe, wie ist die so? Wie kann ich mir die vorstellen?
- Nun, die grüne Farbe ist wie Gras.
- Wie Gras?
- Ja, wie weiches Gras.

Am nächsten Tag kam ein anderer Blinder zum Meister:
- Meister, sag mir, grüne Farbe – was ist das?
- Nun, die grüne Farbe ist wie ruhige Musik.
- Wie ruhige Musik?
- Ja, das Grün ist wie langsame, ruhige, sanfte Musik.

Am nächsten Morgen ging der Meister aus dem Haus und sah die zwei Blinden, wie die sich mit Steinen auf die Köpfe gehauen haben, der eine schrie dabei: “Die ist wie Gras!” und der andere: “Nein, die ist wie Musik!”

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Tori und Uke – Sender und Empfänger

Tobias | 26. März 2008

Wie bei allen japanischen Begriffen scheint die Übersetzung der Worte Tori und Uke ins Deutsche sehr einfach zu sein. Tori heißt als Verb benutzt „greifen“, und wird beim Training auch als Substantiv, dann mit der Bedeutung „Der Ausführende der Technik“, verstanden. Zuweilen (wie zum Beispiel auch in unserem Dojo) wird stattdessen auch der Begriff „Nage“ benutzt, was „Wurf“ und auch „der Werfer“ bedeuten kann. Uke dagegen heißt als Verb etwa so viel wie „leiden“, „erhalten“, oder „empfangen“; Substantiviert ergibt sich daraus „der Leidende“ oder „der Empfänger“. Simpel gesagt könnte man Tori und Uke also mit „Der Ausführende der Technik“ und „Der Erleidende der Technik“ übersetzen. Für ein rein defensives Konzept von Kampfkunst bedeutet dies in der Konsequenz für die Übersetzung von Uke und Tori lediglich „Angreifer“ und „Verteidiger“.

In Wahrheit geht die Idee der Worte Tori und Uke weit über das Konzept eines Ausführenden und eines Erleidenden Parts im Training weit hinaus. Die Beziehung zwischen den Beiden lässt sich vielleicht mit der Beziehung zwischen Subjekt und Objekt in einem Satz vergleichen. Beide Wörter bzw. beide Trainierende können für sich existieren. Und beide Wörter für sich haben eine Bedeutung bzw. beide Trainierende können für sich trainieren. So heißt Baum, Baum und Säge, Säge. Genau so kann ein Mensch alleine für sich im Tandoku renshu geiko (Übung ohne Partner) die Bewegungsabläufe einer Technik üben und ein Anderer für sich die für eine Technik benötigten Ukemi (Fallschule) üben.

Wirklich sinnig werden die Worte Baum und Säge jedoch erst, wenn man sie in einen grammatikalischen Zusammenhang stellt und ihnen die Funktion von Subjekt und Objekt gibt. „Die Säge fällt den Baum“ die Säge ist Subjekt, der Baum Objekt.
Genauso ist es mit der Beziehung zwischen den für sich Trainierenden von Tandoku renshu geiko und Ukemi. Erst wenn man ihnen die Funktion von Tori und Uke gibt und sie zusammen trainieren, also der Tori am Uke die Technik ausführt wird die Übung komplett. Der ganze Sinn der Übung zeigt sich erst im Zusammenspiel von Tori und Uke, Subjekt und Objekt, Sender und Empfänger.

Ein wichtiger Aspekt in der Beziehung der Beiden ist, dass beide zu 100% gleichberechtigt sind. Ein Tori ist nie besser als ein Uke weil er ihn wirft oder am Boden hält. Die Fähigkeit bei einem Wurf so fallen zu können, dass man sich nicht verletzt ist genauso wertzuschätzen wie die Fähigkeit einen Angreifer effektiv zu Boden zu bringen.
Außerdem gibt es für einen Uke beim Üben einer Technik ideale Voraussetzungen zum Erlernen der Technik. Die meisten Techniken funktionieren besser, wenn man am eigenen Körper erlebt hat, wie sie wirken. Außerdem hat man als Uke die einmalige Möglichkeit zu erleben was Mitgefühl ist, denn wenn man selbst oft erlebt hat welche Schmerzen gewissen Techniken verursachen können, bringt einen das dazu besser um mögliche Konsequenzen bei Ausführung der Technik zu wissen.
Außerdem kann man als Uke regelrechten Spaß am geworfen werden entwickeln, wenn man sich beim geworfen werden darüber im Klaren ist, welch ästhetischer Bewegung oder Technik man die Möglichkeit gibt sich zu entfalten, und wenn man darum weiß, dass man dem großen Prinzip der Kampfkunst die man trainiert die Möglichkeit gibt sich nach außen hin zu zeigen, was jeden Uke -und auch jeden Tori- in jeder Kampfkunst mit Stolz erfüllen sollte.

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Rei – Die Höflichkeit in den Kampfkünsten als Weg zur inneren Stärke

Tobias | 16. Januar 2008

Was bedeutet Rei in den Kampfkünsten? Zumeist wird dieses japanische Ideogramm mit „Höflichkeit“, „Etikette“, „Respekt“ oder „Ehrerbietung“ übersetzt. Dies ist terminologisch sicher richtig, bezeichnet jedoch nicht korrekt die Bedeutung in seiner Gesamtheit.

Wozu verbeugt man sich im Training einer Weglehre (Budo) vor dem Stilgründer und seinen Mittrainierenden denn? Dieser Verbeugungen, Shihan – ni – rei und Otagi – ni – rei, zeigen mehr als nur den Respekt voreinander, wie in „sportifizierten“ Budokünsten, wie der heute oft als Wettkampfsport ausgelegten ehemaligen „Weglehre der Sanftheit“, besser bekannt unter dem Namen „Judo“.

Grade das Shihan – ni – rei, dass nach außen wie eine nebensächliche, routineartige und nur in der Tradition begründete Ehrerbietung dem Stilbegründer gegenüber aussieht, ist tatsächlich eine im Budo grundlegende Übung zur Demut. Allein das demütige Verhalten und der ernst gemeinte Respekt kann im Budo zur richtigen inneren Haltung führen, die jeder zur erlernenden Technik voraus gehen muss, da eine formvollendete Technik ohne richtige Haltung zur gefährlichen Waffe gegenüber dem Umfeld des Übenden wird, wenn er das Erlernen einer schadenanrichtenden Technik über das Erlernen der rechten Haltung, die die Technik bändigen muss, stellt.

Ohne den ehrlichen Respekt ausgedrückt durch die Verbeugung also das Rei kann also kein ernsthafter Kampfkunstübender trainieren, da ohne Respekt keine Kampfkunst als Kampfvermeidungskunst und Weglehre existieren kann.

Der okinawaische Karate-Do Großmeister Funakoshi stellte daher an die erste Stelle seiner Shoto – niju – kun also die 20 Regeln des von ihm begründeten Shoto – kan – ryu – karate – do die Formulierung „ Karate – do beginnt mit Respekt und endet mit Respekt“.

Mit diesen Worten drückt Meister Funakoshi gleichzeitig die grundsätzliche Philosophie aus, die sch im Aikido durch die Silbe „Ai“ (jap. für „Liebe“, „Harmonie“) manifestiert.

Ohne den hier ausgedrückten Respekt kann kein Fortschritt erreicht werden, da man zu jedwedem Angreifer eine Verbindung herstellen muss (Zanshin) um ihn verstehen zu können, damit eine Verteidigung im Sinne des Aikido stattfinden kann.

Nicht Zerstörung sondern Zan-shin führt zum Ende des Konflikts. Die Einsicht stoppt den Angreifer, da das Gewissen die letztendliche Instanz jedes Entscheidungsprozesses ist.

Demut und Respekt führen allein zur liebenden Macht, die jeden Konflikt im Keim erstickt.

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Shugyo (english)

Geraldine und Peter Roskothen | 13. Mai 2007

We already mentioned “Shugyo” publishing the article about “Shu-Ha-Ri”. “Shugyo” is a term that seems to have different meanings. Time ago, a “Shugyosha” was a Budoka, travelling from Dojo to Dojo to learn.

The word “Shugyo” is built from two syllables: “Shu” meaning as much as “discipline”, “respect” or “learning” and “Gyo” as much as “art”. Maybe the meaning is “to learn the art”.

To translate the meaning “Shugyo” is difficult and seems to also mean to “polish one´s spirit”. It means to unify spirit and body and to challenge oneself. This also means to be honest, to work at your own ego and to go beyond the limit. To recognize and reflect your own mistakes and to get out of the comfort zone.

“Shugyo” seems to be related to “Misogi” (purification). It is obvious that we can practice “Shugyo” every day, by solving tasks we do not like, i.e. to make your bed, wash your own Gi, do the washing up. But in actual fact it means to open your spirit, purify it and be honest against yourself. Not to give up but to mature.

On the physical level “Shugyo” can be practised by repeating movements like cleaning the Tatami, concious seating and breathing accompanied by discipline.

In Germany “Shugyo” in life often seems to be unknown and uncomfortable. It starts at school where someone throws away his rubbish or does not clean his shoes entering. The cleaning of the school is left for somebody else to do. In Japan the pupil do clean their own school. This is a way of discipline and challenging oneself, that helps being honest with oneself and going beyond the limit of laziness and impurity.

“Shugyo” can also mean to learn something new, to visit a new Dojo and to behave with respect and discipline. To visit a strange seminar with new challenges which can only be learned by being humble. Humbleness never can be wrong anyway as we all make mistakes and can purify by practicing “Shugyo”.

In our understanding everybody visiting a good Dojo, that is not a school of comfort, is practicing “Shugyo”. Everybody visiting a good Dojo is reaching beyond one´s own limits, trains regularly and tries to mature conciously or unconciously. The more you practice, the more intensive the “Shugyo” and therefore the maturity.

“Shugyo” seems to be connected with asceticism, to concentrate on the important things, to purify the mind, to challenge oneself and to mature. As little as we can read about the meaning of “Shugyo”, the meaning seems to be different for every one of us. All in all it seems with keeping one´s mind open we reach another form of awareness, and with the help of “Shugyo” we get closer to “Shingen“, the highest form of awareness.

If you know more about the meaning of “Shugyo”, please do us a big favour and comment this article. We are working hard to find out more about the meaning of “Shugyo”.

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Shugyo

Geraldine und Peter Roskothen | 9. Mai 2007

Schon in dem Artikel über Shu – Ha – Ri haben wir kurz den Begriff “Shugyo” verwandt. “Shugyo” (oder auch “Shugio” geschrieben) ist ein Begriff, der offensichtlich verschiedene Bedeutungen haben kann. Früher war ein “Shugyosha” ein Budoka, der von Dojo zu Dojo zog, um dort weiter zu lernen.

Der Begriff “Shugyo” setzt sich aus den zwei Silben zusammen: Shu bedeutet soviel wie Disziplin, Respekt, Lernen und Gyo bedeutet soviel wie Kunst. Vielleicht soviel wie “die Kunst erlernen”.

“Shugyo” ist ein sehr schwierig zu erklärender Begriff und bedeutet im übersetzten Sinne offenbar auch soviel wie “den Geist schmieden” oder “den Geist polieren”. Es bedeutet Geist und Körper in Einklang zu bringen und sich selber herauszufordern. Das wiederum bedeutet, aufrichtig zu sein, an sich selbst zu arbeiten und über seine Grenzen zu gehen. Vor allem aber seine Fehler zu erkennen und aus der Komfortzone herauszukommen.

Shugyo scheint mit Misogi (Reinigung) daherzukommen. Offensichtlich kann man Shugyo jeden Tag praktizieren, indem man unliebsame Aufgaben erledigt und zum Beispiel Ordnung in seinem Leben schafft. Natürlich kann das so etwas sein, wie Aufräumen, das Bett machen, seinen Gi selbst waschen, sich um den Abwasch kümmern. Aber im Grunde geht es darum, den Geist offen zu machen, ihn rein zu machen und sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. Also sich nicht hängen zu lassen, sondern zu reifen.

Auf dem körperlichen Level kann man Shugyo durch wiederkehrende Bewegungen gut praktizieren. Das kann das Putzen der Tatami sein, oder das bewußte Sitzen und Atmen, einhergehend mit Disziplin.

In Deutschland ist das Shugyo im Leben sicher oft unbequem und unbekannt. Das fängt schon in der Schule an, in der man sein Papier unachtsam wegwirft oder die Schuhe nicht sauber macht beim Eintreten. Man überläßt das Putzen jemand anderem. In Japan putzen Schüler ihre Schule selbst und machen sauber. Das ist eine Art der Disziplin und Selbstüberwindung, die dazu geeignet ist, mit sich selbst ehrlich zu sein, sich über seine eigenen Grenzen der Faulheit und Unreinheit hinwegzusetzen.

Natürlich kann Shugyo auch bedeuten etwas Neues zu erfahren, in ein fremdes Dojo zu gehen und sich diszipliniert und respektvoll zu benehmen. Oder zu einem fremden Lehrgang zu gehen, der mit völlig neuen Herausforderungen aufwartet und in dem man sich sehr bescheiden aufführen muß. Bescheiden zu sein kann überhaupt nie wirklich schaden, denn wir sind alle mit großen Fehlern durch das Leben, welche man angehen kann und möchte, wenn man Shugyo praktiziert.

Shugyo praktiziert in unserem Verständnis jeder, der in ein Dojo geht, welches nicht einfach nur zum Wohlsein gereicht. Jeder der ein gutes Dojo besucht, praktiziert Shugyo, denn er überwindet sich selbst, geht regelmäßig zum Training und versucht so bewußt oder unbewußt an sich zu arbeiten, etwas aus sich zu machen. Je mehr er übt und an sich arbeitet, desto intensiver sein Shugyo und damit seine Reife.

So hat Shugyo sicher etwas mit Askese zu tun, sich auf das Wesentliche zu beschränken, seinen Geist zu reinigen, sich zu überwinden, an sich zu arbeiten, zu reifen. Und so wenig wie man über den Begriff lesen kann, hat er wohl für viele eine andere Bedeutung. In jedem Falle hat man mit dem Offensein und dem reinen Geist eine andere Art Aufmerksamkeit und kommt mit Shugyo so auch dem Shingen, der hohen Aufmerksamkeit näher.

Wer mehr weiß über den Begriff, ist herzlich gebeten es zum Beispiel als Kommentar beizutragen. Wir arbeiten daran den Begriff weiter zu ergründen.

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Ehrgeiz – woher kommt denn der Begriff?

Peter Roskothen | 29. Januar 2007

Heute stand plötzlich der Begriff Ehrgeiz im Raum. Ehre und Geiz? Die Kombination ist doch nicht wirklich eine Tugend, oder? Wikipedia´s Erklärung gefiel mir: “(urspr. von Ehre und Geiz, gemeint ist jedoch die mittelalterliche Bedeutung Gier, also “nach Ehre gieren” … versteht man das mehr oder weniger starke Bemühen, ein bestimmtes Ziel zu erlangen, etwa Anerkennung, Autorität, Ruhm, Ehre oder Geld.“.

Wenn man sich dagegen die Hakamafalten noch einmal ansieht, wird man diese Begriffe dort nicht wiederfinden. Trotzdem hält die Gesellschaft den Ehrgeiz doch eher nicht für so schlimm, oder?
Schon wenn man sich die Werte ansieht, die der Ehrgeiz in aller Regel tatsächlich anstrebt – “Anerkennung, Autorität, Ruhm, Ehre oder Geld” -, so kann (sollte) einem heiß und kalt werden.

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Fragte uns doch Angela glatt was “Ehre” ist

Peter Roskothen |

Natürlich wurde das Thema auch durch Aikido zu Tage gefördert. Schließlich fragt einen das kaum einer unvermittelt auf der Straße, einfach so aus Spaß.

Gestern hatte W. eine gute Erklärung zu dem Begriff (sinngemäß wiedergegeben): Ehre habe etwas mit Ehrerbietung zu tun. Damit, daß man seine Freunde und Verwandte hoch schätzt. Wer diese Menschen verletze, der verletze auch deren und/oder die eigene Ehre.

“Ehre” ist sicher kein ganz einfacher Begriff. Wikipedia sagt dazu: “Ehre bedeutet in etwa Achtungswürdigkeit… Durch Missachtung des Kollektivs wird der Einzelne, durch Missachtung des Einzelnen wird sein Kollektiv getroffen (vgl. die Ehrverletzung)”.

Auch beschreibt Wikipedia die Ehre als eine Tugend. Das kommt mir komisch vor. Vielmehr scheint mir in diesem Zusammenhang die Pietät eine Tugend. Pietät hat in meinen Augen mit dem Respekt zu tun. Damit, jemandem seine Würde zuzugestehen, ihn wertzuschätzen.

Mir hat mal ein Iraner in einer Studentengemeinschaft gesagt: “Alle deutsche Frauen sind Huren.”. Ich fand das im ersten Moment ziemlich dumm und aggressiv. Aber der Mann kommt aus einem anderen Kulturkreis und sagte was er dachte. Hätte er das über türkische Frauen gesagt (das hätte er sicher nicht getan), hätte er wahrscheinlich nicht lange zu leben gehabt. War das eine Ehrverletzung unserer deutschen Frauen? Sicherlich, und noch dazu wenig mitfühlend formuliert. Ein schwieriges Thema mit der freien Meinungsäußerung und der Ehre, der Pietät, Etikette und allen dazugehörigen Tugenden.

Gute Frage Angela – gar nicht so leicht zu beantworten.

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