Der Mann und das Pferd
In Zen-Kreisen erzählt man sich die Geschichte
von einem Mann und einem Pferd.
Der Mann sitzt auf seinem geschwind
dahingaloppierenden Pferd
und es hat den Anschein,
als müsse er ganz schnell zu einer
dringenden Verabredung.
Am Wegesrand steht ein anderer Mann.
Der ruft: “Wohin des Weges?”
Worauf der Reiter antwortet:
“Keine Ahnung! Frag das Pferd!”
Aus “Liebe heißt, mit wachem Herzen leben.” – Verlag: Herder, Freiburg, ISBN: 978-3451284779

erster!
kleiner scherz am rande.
Also ich interpretiere diese kleine geschichte so für mich, dass man immer darauf aufpassen muss was man wie und mit welcher intensität beginnt, da man ansonsten schnell die kontrolle verliert und nicht weiß, wohin einen das schicksal trägt.
vllt ist damit aber auhc lediglich gemeint, dass man generell nich weiß, was das schicksal für einen bereit hält. beides widerspricht sich nicht insofern behalte ich auch beide denkansätze für sinnvoll im kopf.
und es stimmt auch wirklich ich mache diese erfahrung momentan durch. der eine oder ander weiß ja, dass ich mal ein jahr im ausland verbracht habe. und im moment arbeite ich ehrenamtlich für diese austauschorganisation als betreuer für austauschschüler aus fremden ländern die hier sind, und für leute die noch gehn werden. naja und ich merke wie sich die termine anfangen zu häufen und ich immer weiter darein gezogen werde und obwohl es mir sehr viel spaß macht, mit den menschen zu arbeiten habe ich ein ungutes gefühl dabei jedwede veranstaltung wahrzunehmen weil ich angst bekomme mich nicht dagegen wehren zu können, wenn ich einmal glauben sollte es reicht.
in diesem sinne
gute nacht
lg
tobi
Ich bin also der Zweite!
Ich verstehe die Geschichte so, dass wir Menschen die Reiter sind (wir glauben manchmal, durch unseren Einfluss allein, den Weg bestimmen zu können) und das Pferd das Leben selbst mit allen Umständen, die am Ende auch mitbestimmen, wo es lang geht (Glück, Krankheiten, Enttäuschung, usw.). Der Weg wäre nach meiner Interpretation das Schicksal das uns ständig begegnet, geprägt von diesen beiden Faktoren (Reiter und Pferd). Ein Reiter braucht also das Pferd und kann versuchen, es zu führen. Das Pferd ohne Reiter, auf der anderen Seite, rennt nur wild herum, beide sind unerlässlich aber keiner entscheidet allein.
Gruß
Francisco
Für mich ist diese Geschichte eine bildliche Darstellung vom „unbewussten Leben“. Ich versuche zu erklären, was ich damit meine. Alle Menschen bekommen im Laufe des Lebens bestimmte „Programme“ und Verhaltensmuster „verpasst“. Einige davon werden von der Gesellschaft oder Eltern eingetrichtert, die anderen entstehen durch eigene Erfahrungen. Im Grunde sind das für mich Reflexe, wenn auch von einem etwas höherem Niveau. Auf eine bestimmte Situation folgt eine bestimme Reaktion. Diese Verhaltensmuster gehen mit der Zeit ins Fleisch und Blut über. Und so leben die meisten auch, ohne den Verstand richtig einzuschalten und vor allem in eigenem Herz zu schauen und zu hinterfragen, ob das oder dies so richtig ist, auch wenn das alle anderen genauso machen. So werden die meisten Menschen von diesen „Programmen“ im Leben getrieben ohne dass die die Gründe für das eigene Handeln richtig verstehen. Vor einiger Zeit wurde das Thema „Freie Wille“ von Hirnforschern in die Öffentlichkeit getragen. Laut deren Ergebnissen, kommt im alltäglichen Leben so etwas wie „Freie Wille“ kaum vor. Die Menschen „reagieren nur“, wie die Tiere …
Mir scheint die Geschichte ein Koan zu sein. Ein Koan ist eine Geschichte oder Rätsel mit paradoxen Inhalt,das nicht mit der Logik zu lösen ist, sondern mit dem Herzen erfahren werden soll. Das Widersprüchliche an dieser Geschichte liegt für mich daran, daß der Reiter offensichtlich zur einer Verabredung unterwegs ist, obwohl er den Ort des Treffens nicht kennt. Dennoch scheint es sehr wichtig für ihn zu sein.
Hier liegt für mich der Schlüssel zu diesem Rätsel: Wir sollten den Weg (Do), den wir für uns als richtig erkannt haben, auch dann mit voller Elan verfolgen,wenn das eigentliche Ziel noch völlig im Nebel liegt und für uns unsichtbar ist. Dies spiegelt einen Grundgedanken des Zen wider, der da lautet” Sei bei allem was Du tust mit ganzem Herzen dabei”.
So gesehen läßt diese Erzählung wunderbar auf das Aikido-Training übertragen, das wir ja auch mit allem was wir haben betreiben “sollen”, ohne das wir wissen, wohin uns dies letztendlich führen wird.
Viele Grüße
Jörg
Ich denke, dass diese Geschichte viele Interpretationen zulässt ohne dass die sich widersprechen. Jeder wird die Auslegung darlegen, die seiner aktuellen Entwicklungsphase und der mentalen Lage entspricht. Mein vorheriger Beitrag war … wie soll ich sagen … hart und sozialkritisch, aber heute scheint die Sonne und da fällt mir etwas anderes ein:
Aus dem Text entnehme ich, dass der Reiter keine Ahnung hat wohin sein Weg führt und ich nehme einfach mal an, dass er damit auch glücklich ist (lässt ja der Text soweit zu). Daraus schließe ich folgende Aussage:
Es gibt Momente im Leben, in denen man einfach loslassen soll. Loslassen und sich vom Leben treiben lassen, ohne ständig zu hinterfragen „Warum?“, „Wozu?“ und „Was habe ich jetzt davon?“.
Meiner Interpretation nach steht das dahin galoppierende Pferd für das Leben, welches sich unaufhaltsam in eine Richtung davon bewegt. Man kann versuchen sich dagegen zu stemmen, aber aufhalten kann man es nicht.
Daher sollte man versuchen immer das Beste aus der Situation zu machen auch wenn man nicht immer Herr der Lage sein kann.