Die Wahrheit

Eines Tages kam ein Blinder zum Meister:
– Meister, grüne Farbe, wie ist die so? Wie kann ich mir die vorstellen?
– Nun, die grüne Farbe ist wie Gras.
– Wie Gras?
– Ja, wie weiches Gras.

Am nächsten Tag kam ein anderer Blinder zum Meister:
– Meister, sag mir, grüne Farbe – was ist das?
– Nun, die grüne Farbe ist wie ruhige Musik.
– Wie ruhige Musik?
– Ja, das Grün ist wie langsame, ruhige, sanfte Musik.

Am nächsten Morgen ging der Meister aus dem Haus und sah die zwei Blinden, wie die sich mit Steinen auf die Köpfe gehauen haben, der eine schrie dabei: „Die ist wie Gras!“ und der andere: „Nein, die ist wie Musik!“

Letzte Artikel von Grigory (Alle anzeigen)

15 Kommentare

  1. hey grigory,

    wie kommst du immer an diese ganzen geschichten. wie dem auch sei, an dieser geschichte erkennt man sehr gut, dass die wahrheit immer mehrere gesichter hat und man niemals wirklich sagen kann, was wahr und was falsch ist.
    viel mehr wüsste ich dazu nicht in einem einzigen kommentar zu sagen
    liebe grüße

  2. Hallo zusammen,

    ich glaub er hat so einen 365-Tage-Abreiss-Kalender mit solchen Geschichten 🙂 Nee. Nur Spaß…
    Eine sehr interssante Geschicht. Ergänzend kann ich zu Tobi nur noch sagen, dass man seine Vorstellung der Wahrheit vielleicht besser nicht mit Steinen durchsetzt, sondern lieber auch mal eine andere Meinung akzeptieren sollte.

    Einen angenehmen Sonntag noch und liebe Grüße
    Michael

  3. Peter Roskothen

    Wenn jemand zu Euch sagen würde: „Richtig. Eure Ansichten sind richtig.“. Wäre das dann deshalb wahrer? Ist Euer Verständnis deshalb korrekt, weil viele andere Menschen der gleichen oder selben Meinung sind?
    Uns erinnert die Geschichte sicher auch an das Elephantenbildnis? Sind beide Geschichten mit derselben Idee geschrieben worden?

    Wenn ich heute behaupten würde: „Die Erde ist eine Scheibe.“, dann würden die meisten Menschen sicher sagen: „Das ist falsch.“ Und doch sehe man sich genau unsere Erziehung an.
    Uns (Jahrgang 1963) wurde beigebracht, daß Menschen mehr wert sind als Tiere. Oder: Tiere darf man essen, Menschen nicht. Pflanzen sind für die meisten Menschen recht uninteressant außer zum Essen. Die Erde ist für die meisten Menschen uninteressant mit Ausnahme des Öls für ihr Auto.
    Die Wahrheit wird ständig manipuliert und verzerrt. Sie wird auch oft durch falsche Wertmaßstäbe zur Unwahrheit gemacht. Dann ändert sich die Wahrheit wiederum oft. Früher hat man nicht glauben können, daß der Mensch fliegen würde. Heute ist das anders. Früher glaubte man, der Mensch wäre auf dem Mond gewesen. Heute denken viele an eine Hollywood Darstellung.
    Dennoch ist nur der Mensch ständig mit falsch und richtig beschäftigt und macht trotzdem die Erde kaputt. Weder Pflanzen noch Tiere schaffen das, was der Mensch mit dem Pulverfaß Atommüll, Erderwärmung oder Regenwaldvernichtung schafft. Woher nehmen wir unsere Weisheit zu wissen, was richtig und falsch ist? Sind nicht vielmehr Lebewesen ohne Selbst-Bewußtsein viel näher an der eigentlichen Wahrheit?
    Es macht Angst zu erkennen, wie manipuliert wir Menschen sind und wie sehr Wirtschaftsinteressen und Gesellschaftsinteressen die Wahrheiten manipulieren. Und es macht verrückt nicht zu wissen, was falsch und richtig ist. Gerade deshalb sind Tugenden so grundlegend. Hakamafalten.

  4. Hallo,

    ist sicherlich paradox, daß wir gerade in dieser “aufgeklärten Zeit” mit allen ihren Möglichkeiten der Informationsbeschaffung , wie z.B. dem Internet, manipulierbarer sind als jemals zuvor. Daher kann niemand trotz der gesamten technischen Möglichkeiten von sich behaupten, daß er die ganze Wahrheit kennt. Er wird immer eine individuelle Perspektive auf seine Welt haben, die zusätzlich – wie Peter eindringlich beschrieben hat – auch noch durch bestimmte Interessengruppen gelenkt wird. Mir persönlich macht dies zu schaffen und erzeugt durchaus Angst.

    Doch wie schon in vorherigen Beiträgen erörtert, liegt gerade hierin die Möglichkeit etwas zu ändern. Denn Angst richtet die Aufmerksamkeit auf das entsprechende Thema. Hierdurch wird der Geist wacher und die Sorgfalt bei der Informationsrecherche steigt. Allerdings ist die Informationsbeschaffung nur der erste Schritt in Richtung Wahrheit. Ihr muß als nächstens die Bewertung der Sachlage folgen. Dies ist nach meiner Auffassung nicht nur eine Sache der Logik, sondern vielmehr eine Frage der Intuition, dem sogenannten Bauchgefühl.

    Trotz (oder soll ich besser sagen aufgrund…) meiner naturwissenschaftlichen Ausbildung bin ich fest der Ansicht, daß sich die letztendlich Wahrheit in ihrer Gesamtheit nur in dieser Weise erfahren läßt. Man muß für sich fühlen, ob die Farbe Grün wie weiches Gras oder eher wie eine Musik ist.

    Liebe Grüße
    Jörg

  5. Guten Tag zusammen,

    ich freue mich über die Resonanz! Ist immer wieder erstaunlich festzustellen wie viele Gedanken, Ansichten und Themen so eine Geschichte aufwirft. Als ich vor paar Monaten diese Geschichte gelesen habe, habe ich voller Freude gelacht. So eine exzellente Darstellung des menschlichen Schwachsinns findet man nicht jeden Tag. So lachte ich, als ich mich selbst erkannt habe.

    Die Wahrheit. Was ist die Wahrheit? Ich habe das Gefühl, wir würden hier gnadenlos philosophieren, oder sogar über das Thema logisch nachdenken. Philosophie und Logik zählen für mich zu den wunderbarsten Erfindungen der Menschheit, nur darf man nicht vergessen, dass die Menschen je nach Land und Zeit unterschiedlich sind. Die westliche Philosophie ist mir persönlich zu global und verschwommen, man spricht über globale Begriffe und versucht dabei „Die Antwort“ zu finden. Ich hatte das Glück die Vorgehensweise zu erfahren, die z.B. in Indien angewendet wird (obwohl ich da niemals gewesen bin, das verdammte Internet …). Da bleibt man immer konkret. Wenn die Frage „was ist richtig oder falsch“ im Raume steht, wird sofort hinzugefügt: „Für wen und wann?“. Allmählich entwickelte ich eine Antipathie zu festen, alles umfassenden und immer richtigen Regeln.
    Die Welt fließt. Alles und jeder ist ständig in Bewegung, innerlich, äußerlich… Wie kann man denn in so einer Situation mit einem dicken Wälzer (ist nicht die Bibel gemeint, verbrennt mich nicht) auf den Tisch knallen und dabei fanatisch behaupten, dass dieses Buch, aber auch nur dieses, die Wahrheit enthält. Und wozu überhaupt? Warum wünschen sich die Menschen diese festen Rahmen, diese Gleise? Anstatt sich für Freiheit zu entscheiden und zum jeden Augenblick neu zu entscheiden welchen Weg man einschlägt? Aus mysteriösen moralischen Gründen? Oder weil es vielleicht der göttliche Funken in uns so will? Schwachsinn! Ego, Ego und noch mal Ego! Wie meine Vorredner bereits geschrieben haben, es macht uns Angst, wenn wir nicht wissen, was richtig und was falsch ist. Alles was unser Verstand nicht erklären kann – macht uns Angst, und dann ist jede Erklärung willkommen, solange die einigermaßen vernünftig klingt und uns beruhigt. Das ist eine der Türen, die wir den Manipulationen öffnen.
    Der andere Grund den ich für diese ständige Suche und „Verregelung“ sehe ist unsere eigene Wichtigkeit, die uns unser Ego so schmackhaft macht. Aber das ist eher ein anderes Thema.
    Jetzt mal ein anderer Aspekt. Wo suchen wir denn diese Wahrheit? In der Welt, in der Realität die uns umgibt. Aber was ist diese Realität? Nun, gibt es Mystiker, Philosophen und andere Verrückte, die behaupten – jeder hat seine eigene Realität. Würde das stimmen, würden aus meiner Sicht so einige Fragen sich ganz schnell erübrigen. Wenn jeder in seiner eigenen Welt lebt ist es nur natürlich, dass die Gesetze und Regeln dieser Welt, egal wie die sind, einfach gültig sind. Es macht dann überhaupt keinen Sinn, die mit anderen zu vergleichen. Anderer Mensch – andere Welt – andere Regeln. Aber haben denn diese dunkle Gestaltet auch recht in so einer Auffassung der Realität? Befragen wir die Wissenschaft.
    Der Mensch wird in seinem wachen Zustand mit einer undenklichen Menge von Informationen überflutet. Das ist wirklich sehr viel was da auf uns aufprallt. Man denke nur an den eigenen Körper, wie viele Sensoren haben wir und jeder davon liefert brav seine Infos damit wir überlegen können. Bewegen wir uns draußen, wächst die Menge drastisch an, alles was unsere Augen sehen, alles was unsere Ohren hören wird wahrgenommen und bearbeitet. Wirklich alles? Kann man sich vorstellen, alles auf ein Mal wahrzunehmen und bewusst zu verarbeiten? Natürlich nicht, sagt ihr, dafür gibt es ja Unterbewusstsein (Gruß an S. Freud, unser Helfer …). Nur, laut Wissenschaft, selbst das wäre immer noch zu viel für einen durchschnittlichen Menschen. Wir würden ganz schnell kaputtgehen wäre unser Körper nicht intelligent genug sich gewisse Filter anzulegen. Unser Gehirn ist voller Filter. Da wird entschieden, was wir wirklich zu sehen und zu hören bekommen, was unserem Unterbewusstsein überlassen wird und was als unwichtig verworfen wird. Diese Filter sind uns aber nicht vom Gott gegeben, die entstehen und entwickeln sich im Laufe unseres Lebens. Na klingelt es? Jeder entwickelt sich zum Glück etwas anders, es bilden sich dementsprechend persönliche Filter und somit sieht jeder die Welt tatsächlich und wörtlich mit eigenen Augen. Wenn ich jetzt dazu die Kiste mit „Wie interpretieren die Menschen“ auspacke kann es sehr düster werden. Wer will schon sein ganzes Leben einsam in seiner eigenen Welt leben.

    Gruß,
    Grigory

  6. Francisco

    Es ist (wieder) ein sehr interessanter Artikel und die Resonanz ist auch erstaunlich. Ich meinerseits möchte meinen kleinen Beitrag zunächst einmal zu dem sprachlichen Aspekt der Geschichte leisten. Der Satz „Grün ist wie weiches Gras“ unterliegt keinem Wahrheitsanspruch, denn das ist im semantischen Sinne keine Aussage, sondern eine Analogie. Analogien sind dazu da, eine Beschreibung zu illustrieren, haben aber mit der Wahrheit oder Realität gar nichts zu tun. Ähnliche Sätze findet man auch in „Bachs Musik ist schön“. Diesem Satz werden viele Menschen zustimmen, manchmal sogar mit den Worten: „Ja, das ist wahr“. Aber hier handelt es sich um ein Werturteil, und das hat mit Wahrheit auch nicht das Geringste zu tun. Ob ein Sonnuntergang oder ein Musikstück schön ist, ist eine Geschmacksfrage. Darüber zu streiten, wer Recht hat ist in diesem Fall Schwachsinn.

    Es ist wichtig dieser Aspekt zu betonen, denn uns werden häufig genug Werturteile, Weltanschauungen verkleidet als Moralgebote, Glaubensdogmen und ähnlichen Kram als Wahrheit verkündet, bzw. unterjubelt. Und es kann unter Umstände auch für die Mitmenschen sehr unangenehm sein, wenn einer sich in die Luft jagt in dem Glauben, irgendein Gott hätte es ihm als Wahrheit für die Rettung der Welt so ins Ohr geflüstert… (auf solche „Wahrheiten“ kann ich nur verzichten)

    Dass es verschiedene Meinungen auf der Welt gibt ist zwar schön aber man soll auch nicht Meinungen mit Wahrheiten verwechseln. Ich bin ein sehr (vielleicht manchmal zu-) pragmatischer Mensch. Ich vertrete die Ansicht, dass es doch Wahrheit gibt, manchmal kennen wir diese, manchmal aber nicht. Für mich ist es enorm wichtig, alles zu hinterfragen und sich nichts einfach unbegründet einreden lassen.
    Die Welt ist bekannterweise keine Scheibe, sondern ein Planet in etwas deformierter Kugelform. Früher hat man GEGLAUBT, die Erde sei eine Scheibe. Klar hatte man gute (aber falsche) Gründe dafür. Die Wissenschaft beschäftigt sich aber mit Fakten und hat bekannterweise belegt, dass das falsch sei. In diesem Punkt möchte ich hinzufügen, es gibt in diesem Fall wenig Platz für das Gegenargument „aber ich glaube trotzdem, dass die Erde eine Scheibe ist“ denn ich frage mich dann: was heißt denn hier, „andere Meinungen zu respektieren?“ Nach den elementaren Prinzipien der Vernunft, kann etwas nicht Wahr und Falsch gleichzeitig sein. Dan Barker sagt dazu auf lustiger Weise in seinem Buch „Losing Faith in Faith“:
    „Wahrheit verlangt keinen Glauben. Wissenschaftler reichen sich nicht die Hände jeden Sonntag und singen: „Ja, Gravitation existiert! Ich glaube an die Gravitation! Ich werde stark sein! Tief in meinem Herzen glaube ich, dass das, was hoch – hoch – hoch geht, auch wieder runter – runter – runter kommen muss! Amen!“ Wenn sie es doch täten, dann müssten wir denken, sie seien sich ganz schön unsicher darüber. „

    Wissenschaftler arbeiten mit Hypothesen, die prinzipiell falsifizierbar (verwerfbar) sind. Man nähert sich der Wahrheit, in dem man falsche Hypothesen eliminiert, dies nennt man „kritische Methode“. Nur wer die Welt ständig hinterfragt und falsche Hypothesen eliminiert nähert sich der Wahrheit.

    Mit einem anderen Aspekt dieser und ähnlicher Sätze beschäftigt sich die Semantik (eines meiner Lieblingsfächer im Studium) und insbesondere die sogenannte „fuzzy logic“. Nehmen wir zwei Aussagen:

    A – Eine Fledermaus ist ein Vogel
    Diese Aussage ist falsch, denn eine Fledermaus ist kein Vogel, sondern ein fliegendes Saugetier

    B – Ein Stein ist ein Vogel
    Diese Aussage ist bekannterweise ebenfalls Falsch

    Und trotzdem, wird die Aussage A als „näher an der Wahrheit“ empfunden als Aussage B, oder? (mein Kommentar dazu: aber beide Aussagen sind falsch!)

    Ich hoffe, es wird ein bisschen deutlich worauf ich hinaus wollte, ich weiß nicht, ob ich das verständlich geschrieben habe
    Schöne Grüße an alle
    Francisco

  7. Peter Roskothen

    Richtig und Falsch, Wahr und unwahr liegen meist so eng beieinander, daß sie kaum zu unterscheiden sind. Nur selten sind Sätze wie „Die Erde ist eine Scheibe“ so eindeutig wiederlegt. Die meisten Menschen würden sagen: „Die Erde ist eine Kugel.“. Das ist auch falsch.

    Für mich persönlich sind solche Dinge wichtig, die von hochgeschätzten und von mir so viel durchschnittlicher geschätzten Wissenschaftlern festgelegt werden. Nehmen wir die Richtwerte für Cholesterin. Die werden fast jedes Jahr gesenkt (übertrieben gesprochen). Das hat einen einfachen Grund: Man verdient mehr mit den Medikamenten.

    Grün ist eine Definition die festgelegt wurde. Man kann das tun, um klar zu machen, wann man über die grüne Fußgängerampel gehen kann. Leider übersieht man dabei, daß es Menschen gibt, die Dich mit dem Auto trotzdem überfahren, weil Du Dich auf das Grün verlassen hast, anstatt zu gucken. Definitionen sind also nur bedingt zu gebrauchen, denn wenn Du tod bist, hast Du zwar Recht gehabt, aber es hilft Dir nicht mehr.

    Was ich damit sagen will: Es gibt Definitionen die nur der Wissenschaft dienen. Es gibt darüber hinaus Wahrheiten, die für jeden anders sind. Die vier Blinden haben den Elefanten alle anders wahrgenommen und alle haben Recht. Es ist an uns zu erkennen, daß es mehr als eine Wahrheit gibt. Die Erde ist in jeder Sekunde anders, je nach Gravitation. Im nächsten Jahrhundert wird man vielleicht herausfinden, daß sie fast ein Quader ist. Na und?

    Worauf möchte ich also hinaus? Das Wichtigste sind nicht Naturwissenschaften oder Definitionen, sondern Tugenden und Werte. Die müssen ständig von uns angewandt werden. Und die sagen uns, daß wir uns weder wegen der Erde, noch wegen der Farbe Grün den Kopf einschlagen dürfen. Das ist es, worauf es wirklich ankommt. Das ist Aikido.

  8. Ich möchte den letzten Zeilen im Beitrag von Peter zustimmen. Denn das ist der Kern. Ich formuliere es für mich nur etwas anders. Ich hoffe wir meinen trotzdem das selbe.

    Die eigenen Tugenden und Werte sind am wichtigsten, für mich heißt das – die Arbeit an sich selbst ist am wichtigsten. Nur wenn einer sich ganzheitlich unter Kontrolle hat, kann er sich ein ernsthaftes Bild von der Welt machen. Solange jemand sich von Emotionen und Gefühlen lenken lässt wird alles was er wahrnimmt verzerrt wahrgenommen.
    Ich versuche es mal mit anderen Worten:

    Bevor wir mit einem Messgerät etwas messen, muss das Ding kalibriert und in Ordnung gebracht werden. Das einzige „Messgerät“ welches einem Menschen zur Verfügung steht ist der selbst. Sein Verstand, sein Bauchgefühl, seine Seele … nennt was ihr wollt und wie ihr es wollt, bringt es nur in Ordnung …

    Sowas macht aber so gut wie keiner. Ich höre nur ständig: Ich habs immer so gemacht, ich kann mich je nicht ändern, ich hatte ein Kindertrauma, ich bin zu temperamentvoll …

    und dann geht man auf die grosse Suche nach der Wahrheit. Es ist überhaupt kein Wunder, dass dabei nur leeres Gelaber rauskommt. Und die Welt ist voll davon.

    Liebe Grüße,
    Grigory

  9. Francisco

    Ich stimme auch Grigory und Peter zu wenn sie sagen, Tugende und Werte sind wichtig, man soll an sich ständig arbeiten und den richtigen WEG finden. Ich glaube, jeder von uns denkt genauso, das hat uns alle schließlich zu Aikido und zueinander geführt und darüber freue ich mich riesig.

    Allerdings verstehe ich einiges nicht; warum redet ihr als würden Tugende / Werte in Konflikt mit der (Natur-)Wissenschaft oder der Erkenntnis der Welt geraten? Dass wir überhaupt diese Diskussion führen verdanken wir der Erfindung der Elektronik. Ich finde fasnizierend, dass jemand herausgefunden hat, dass Sterne mit einer enormen Dichte in sich zusammenfallen und Schwarze Löcher im Universum bilden. Nachts ist es dunkel, weil die Erde in seiner Bahn der Sonne den Rücken kehrt. Newton entdeckte, dass der Apfel, der fällt und der Planet, der nicht fällt ein und dasselbe Phänomen ist. Es gibt Menschen, die sich mit der Erkenntnis unserer Welt befasst haben und sich ständig befassen… und das sagt überhaupt nichts über ihre moralischen Werte und Tugenden, ich kann mich beim besten Willen nicht vorstellen, was das eine mit dem anderen zu tun haben könnte… Selbst wenn Hitler behauptet 2+2=4 ist das nach Adams Riese wahr. Na und? Sicher, das hilft keinem mehr ist aber trotzdem eine mathematische Tatsache.

    Was ist am Wichtigsten? Das ist allerdings eine sehr schwierige Frage, die meines Erachtens jedem überlassen ist. Ohne die wissenschaftliche Erfindung der Chemotherapie wäre meine Frau vor 8 Jahren gestorben, meine Kinder würden jetzt nicht existieren. Allein deshalb habe ich großen Respekt vor Menschen, die ihr Leben für ähnliche Projekte opfern (zugegeben: lassen wir die Pharmakonzerne erstmal beiseite, mit denen habe ich auch tagtäglich zu tun). Für einen Sudanesen ist es sicherlich am Wichtigsten ein Stück Brot zu finden um über die Runde zu kommen und sich erstmal Gedanken über Tugende und Werte zu machen…

    Ich sage es noch mal, damit ich nicht missverstanden werde: ich bin auch für ein tugendhaftes Leben und die Suche nach den richtigen Werten aber in einer Welt, die wir ständig und redlich erforschen und verstehen können.

    Liebe Grüße an alle
    Francisco

  10. Hallo,
    ich habe die letzten Beiträge gelesen und ehrlich gesagt ist mir langsam aber sicher „die Hutschnur hochgegangen“. Zwar habe ich vorher zum Ausdruck gebracht, daß es zur Erfassung der gesamtem Wahrheit die Intuition notwendig ist. Aber dies bedeutet doch nicht, daß wir die Fortschritte in der Wissenschaft ignorieren können. Hier hat Francisco absolut recht!!!

    Ich selber wäre ohne den Mut, ohne die Kenntnisse und Fähigkeit eines Oldenburger Medizinprofessor vor 43 Jahre direkt nach der Geburt gestorben und meine Kinder hätte es nicht gegeben!!! Dies schreibe ich nicht!!! um damit zu protzen sondern um damit zum Ausdruck zu bringen, daß es nicht darum gehen kann, Wissenschaft gegen Tugend aus zu spielen, sondern darum ein von Tugend und inneren Werten bestimmtes Leben in kitischer Kenntnis und Anwendung von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu leben. Entschuldigt bitte den etwas rüden Ton, aber manchmal kann ich nicht anders. Dabei meine ich es nicht böse.

    Liebe Grüße
    Jörg

  11. Peter Roskothen

    Lieber Jörg,
    es ist völlig legitim, daß Du der Wissenschaft positiv gegenüber stehst. Es ist genauso legitim, wenn andere der Wissenschaft vorsichtiger begegnen.
    Was wir unbedingt vermeiden sollten – das lehrt eben genau die Geschichte „Die Wahrheit“ – ist Recht haben zu wollen. Vermutlich ist jeder von uns auf einem sehr guten Weg. Es ist aber immer der individuelle Weg. Ein Weg, der bei jedem anders ist. Damit ist nicht gesagt, daß wir nicht alle oben am Gipfel ankommen werden.

    Ob nicht auch Asiaten mit jahrtausende alter Kultur und Weisheit, Krankheiten wie die von Franciscos Frau heilen können, oder ob Du nicht auch in Asien gut zur Welt gekommen wärst, kann man vielleicht schwer beurteilen. Oder vielleicht kann man das sogar, aber darum geht es vielleicht nicht.

    Das was hier im „zivilisierten“ und „hochmodernen“ Deuschland passiert, ist eine relativ häufig unkritische Begegnung mit Wissenschaften und Richtlinien. Dabei wird viel manipuliert, weil es letztlich ganz oft um Geld geht. Auch in der Medizin geht es mir persönlich oft etwas zu viel um Geld. Auch sind viele Mediziner mit großen Scheuklappen ausgestattet, sonst würden Reiki, TCM und andere hervorragende Heilverfahren anerkannt und auch bezahlt. Da geht es wieder um Geld und nicht um Gesundheit oder den Menschen.

    Auch wird bei aller Behandlung ganz oft die Seele vergessen oder links liegen gelassen. Ich persönlich war jetzt ganz oft in Krankenhäusern und die eignen sich nur bedingt zum Gesundwerden. Zu wenig Zeit des Personals sind nur ein Grund.

    Was man aus der Geschichte ganz oben lernen kann, ist das viele Menschen richtig liegen können. Oder daß alle ein bisschen von der Wahrheit erfasst haben können. Was man auch daraus lernen kann, ist eben nicht aggressiv zu reagieren. Und daß es nicht nur Richtig und Falsch gibt. Nicht nur Schwarz und Weiss.

    Das ist nur meine Meinung, nicht aber der Weisheit letzter Schluß.

    Letztlich ist es diese Diskussion, die es ausmacht. Und der liebevolle Umgang miteinander. Das bedeutet Respekt, Höflichkeit und gleichzeitig auch Aufrichtigkeit und Toleranz. Eine ganz schwierige Gratwanderung ist das. Und eine wunderschöne Herausforderung, bei der die Tugenden uns den Weg weisen und helfen können.

    Was ich damit sagen will ist: es geht nicht darum, ob es in der Medizin Schwachstellen gibt. Oder in der Wissenschaft. Da wo der Mensch ist, ist immer auch Makel. Ob die Erde eine Scheibe ist oder eine Kugel ist nicht wirklich der Knackpunkt. Auch nicht ob die westliche Anschauung besser ist als die östliche. Ob Kapitalismus besser ist als Marxismus. Oder wie man die Farbe Grün definiert. Das ist doch quasi ein Unterfangen, welches uns dann an der Ampel töten kann, wenn wir es nicht hinterfragen oder uns auf Regeln/Definitionen einlassen, ohne sie vorsichtig zu betrachten.

    Es geht darum, einander zu respektieren, zu tolerieren, zu akzeptieren. Wir können nicht ohne einander. Der Mensch, der das Gras für die Definition von Grün hält, kann nicht ohne den, der die Musik für die Definition von Grün hält.

    Letztlich ist folgende Geschichte von Jorge Bucay vielleicht eine sinnvolle Ergänzung zur Diskussion:

    Die Wirklichkeit ist nicht so, wie ich sie gern hätte.
    Sie ist nicht so, wie sie sein sollte.
    Sie ist nicht so, wie man mir gesagt hat, daß sie sei.
    Sie ist nicht so, wie sie einmal war.
    Noch ist sie so, wie sie morgen sein wird.
    Die Wirklichkeit um mich herum ist, wie sie ist.

    Zitat Jorge Bucay, „Geschichten zum Nachdenken“

  12. Hallo zusammen,

    dem Jörg ist schon “die Hutschnur hochgegangen”, nun dem Blinden in der Geschichte auch, also herzlich willkommen im Club!
    Immer wieder lese ich hier, wie toll die Wissenschaft ist. Aber warum seht ihr nur die positive Seiten? Was ist mit der Atombombe? War diese Erfindung auch so toll? Oder warum wird die außer Acht gelassen? Nein meine Lieben, wenn schon denn schon. Wir müssen schon das Thema von allen Seiten betrachten, ansonsten kann man sich direkt einen Stein schnappen und damit die Diskussion beenden.
    Elektronik ist auch toll? Klar Internet ist ja so super, damit können wir hier im Blog so schön diskutieren. Friede, Freude, Eierkuchen. Aber was ist denn mit den anderen Auswirkungen von Internet? Was ist damit, dass die Jugend von heute nicht genug die eigene Sprache beherrscht, um in „Reallife“ zurechtzukommen dafür sich aber auf dem Handy-Markt bestens auskennt?
    Ich könnte noch endlos ähnliches aufführen, mache ich aber nicht. Es geht mir nicht darum zu beweisen, dass ich Recht habe. Ich kann wunderbar damit leben, dass meine Sicht der Dinger anders ist, als die von anderen Menschen. Solange diese anderen keinen Stein in der Hand haben ist alles in Ordnung.
    Ich möchte nur darauf hinweisen, dass das Leben viel zu komplex ist, dass man sich es erlauben kann, nur die Seiten rauszupicken die einem gefallen und daraus sich eine Basis fürs Leben zu bauen. Stabil wird es nicht sein. Und sobald jemand (wie Peter oder ich z.B.) daher kommt und paar Sachen sagt die dem widersprechen, kommt diese Basis ins Schwanken und schon geht einem die Hutschnur hoch.
    In diesem Sinne.

    Gruß,
    Grigory

  13. Hallo,
    ich denke, es wichtig die Sachen gut abzuwiegen. Natürlich hat der wissenschaftliche Fortschritt nicht nur Segen gebracht. Als „buddistischer Christ“ und als Reikilehrer weiß ich sehr wohl, daß es vielmehr zwischen Himmel und Erde gibt als wir mit unseren wisenschaftlichen Methoden erfassen können.

    Gruß
    Jörg

  14. Francisco

    Lieber Grigory,

    Es ist unglaublich, wie viele Beiträge Dein schöner Artikel hervorgebracht hat und es ist auch toll zu sehen, wie jeder von uns respektvoll seine eigenen Argumente darstellt. Ich finde, dass wir alle im Wesentlichen uns einig sind, trotz einiger Meinungsverschiedenheiten (das macht die Welt so bunt!). Die zentrale Botschaft deines Artikels hat sicherlich jeder im Sinne von Peters Beitrag auch verstanden: Respekt, Toleranz, Höflichkeit, nicht aggressiv reagieren wenn jemand andere Meinung vertritt, den Aikido-Sinn also…

    Jetzt kommt mein „aber“: ich lese deinen letzten Beitrag und versuche die Stellen zu finden wo einer von uns gesagt haben soll, die Wissenschaft sei sooo toll, finde ich aber nicht. Keine hat auch gesagt, man basiert sein Leben auf Wissenschaftlichen Wahrheiten, ich glaube, dass keiner von uns so simpel ist. Ich persönlich vertritt lediglich die Meinung, die Wissenschaft ist EIN geeignetes Instrument, um unsere Welt und sogar uns Menschen selber besser zu verstehen. Es ist wie alles im Leben, ein Instrument, das mal auch in den falschen Händen geraten kann. Und wohl bemerkt: nach deiner Argumentation könnte man sogar auch deren „schlechte Seiten“ relativieren: man könnte z.B. argumentieren, die Atombombe habe im Zweiten Weltkrieg für ein rasches Ende gesorgt, dass damit eventuell das Leben abertausender von Menschen gerettet hat, oder?. (bitte nicht missverstehen, das ist nur ein Beispiel und hat mit meiner Ansicht nichts zu tun) Tugenden bringen es? Wie ich auch oben erwähnt hatte, hält ein Selbstmordattentäter seine Akten auch für sehr tugendhaft. Selbst eine Aikido Technik könnte man unter Umständen anwenden, um unschuldige Menschen zu verletzten (zugegeben: sehr unwahrscheinlich für einen Aikidoka). Worauf will ich hinaus? Selbstverständlich kann man alles relativieren wenn man nur will aber, erstens: das ist sicherlich auch keine gute Basis fürs Leben und zweitens: sicher akzeptieren wir alle auch „pauschale“ Aussagen wenn ich z.B. in Sinne von Tautologien sage „Ein guter Mensch zu sein ist besser als ein schlechter Mensch zu sein“, oder?
    Glaub mir, wir alle (ich meine mindestens wir Freunde in diesem Blog) können auch wunderbar damit leben, wenn andere anders denken und ich weiß, du denkst diesbezüglich auch so (obwohl dein letzter Kommentar ehrlich gesagt für mich sich fast wie einen Vorwurf angehört hat…)

    Und damit ein weiterer Beitrag 😉
    Liebe Grüße
    Francisco

  15. Sebastian

    Ich weiß Ehrlich gesagt gar nicht wo ich anfangen soll , soviel wurde schon aufgrund einer so kurzen Geschichte geschrieben und gesagt.

    Ich denke es ist erstmal etwas sehr wichtiges zu erkennen wie unwissend wir sind und wie wenig wir die Welt um uns erkennen können. Wenn die beiden Blinden erkennen würden das sie so wenig darüber wissen wie Gras ist , wäre ihnen vielleicht bewusst geworden das beides was ihr Meister ihnen gesagt hat nicht unbedingt im Wiederspruch zueinander stehen muss.

    Natürlich sollte man immer danach streben so nah wie möglich an der Wahrheit zu kommen wie irgend möglich.
    Was ist am Wahrscheinlichsten ?

    Und was trübt unseren Blick ?
    Einmal wären da unsere eigenen Wünsche. Wünsche haben meines Erachtens einen sehr starken Einfluss auf unsere Entscheidungen.
    Auf der einen Seite können wir an Dinge. die wir gerne wahr haben wollen. leicht glauben, selbst entgegen rationaler Gründe. Auf der anderen Seite dinge ,die wir nicht wahr haben/sehen wollen, aufs bitterste abstreiten.

    Der zweite Punkt sind die Motive anderer von dehnen ich meine Informationen ,die meine Meinung mit bilden, beziehe. Die meisten Informationen die wir erhalten sind nicht neutral. Sie geben eine vorgefertigte Meinung wieder , die zum Beispiel auf Grund von wirtschaftlichen Interessen (Fleischindustrie) oder moralischer ( Vegetarier/Veganer ) bestehen.

    Aber um noch mal auf etwas viel näherliegendes zu kommen , die Umgebung die euch jetzt gerade umgibt , in diesem Moment. Könnt ihr mit Sicherheit sagen wie sie Wirklich ist ? Auch die Vorstellung von unserer Wirklichkeit wie wir sie täglich erleben entsteht erst in unserem Kopf , Ja unsere Sinneswahrnehmungen leisten einen großen teil dazu bei aber ein nicht unerheblicher Teil stammt aus der Bewertung dieser Informationen aufgrund unserer persönlichen Erfahrung. Ich beherrsche mich jetzt nicht in Richtung Kant abzuschleifen ^^

    Um auf die Wissenschaft zu sprechen zu kommen.
    Für mich ist die Wissenschaft auch ein streben nach Wahrheit , ergo etwas sehr gutes. Aber auch nur ein sehr kleiner Teil des großen ganzen.
    Das Problem ist das sie uns immer höher entwickelte Technik verschafft Und uns somit immer mehr macht über die Welt um uns herum erschafft.

    Waffen töten keine Menschen , es sind Menschen!
    aber Waffen verstärken die Folgen solcher negativer Tatet .
    Es Gilt natürlich ebenso für Gute Taten . Allerdings Zeigt sich das es technisch meistens viel leichter ist zu zerstören als zu erschaffen.

    Übrigens geht die Wissenschaft (zumindest Naturwissenschaften) in der Regel immer von „Modellen“ aus die nur einen Teil der Phänomene erklären können , ich wüsste nicht das sie jemals behauptet hätte die Wahrheit gefunden zu haben, im Gegenteil zur Philosophie oder Religion.

    Um noch mal aufs eigentliche Thema zu kommen.
    Ich denke das wichtigste ist sich nicht zu groß zu machen , bescheiden zu sein und sich im klaren sein das keiner von uns die Wahrheit gepachtet hat.

    „Vertraue jenem, der Wahrheit sucht, aber misstraue dem, der sie gefunden hat“ André Gide

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte eingeben um Spam zu verhindern*: * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Scroll Up