Graduierungen und ihr Unterschied zur wahren Stärke

Ich würden diesen kleinen Aufsatz, den ich schreibe um meine Gedanken zu reflektieren, und damit gleichzeitig weiter zu geben, gerne mit dem Zitat anfangen, dass mich überhaupt erst zum Nachdenken angeregt hat, und schließlich dazu, diesen kleinen Artikel zu schreiben.

„In judo, a dan (rank) is awarded to the practitioner by other people. True power, however, comes from within.

Do not seek the acquirement of dan alone; rather pursue your true power. Your progression through the dan grades will follow”*

Mifune Kyuzo , Judan (10th Dan) Kodokan Judo**

Und nochmal in Deutsch:

“Im Judo wird der Dan dem Übenden von einer anderen Person verliehen. Wahre Stärke kommt jedoch von innen.

Strebe niemals nach deiner Dan-Graduierung als einziges Ziel; versuche vielmehr deine wahre, innere Stärke zu finden. Das Voranschreiten deiner Dan Graduierungen wird deinem Streben nach innerer Stärke von alleine folgen“

Mifune Kyuzo , Judan (10. Dan) Kodokan Judo

Zunächst sei dazu gesagt, dass sich dieses Zitat natürlich NICHT nur auf Judo beschränkt. Die Formulierung dieses Zitates begründet sich lediglich in der Funktion Mifunes als Judo Lehrer, der diesen Satz an seine Schüler richtete. Ersetzen wir dieses Wort schlicht und einfach durch den Begriff Budo, was den Sinn in keiner Weise verändert.

In diesem Zitat lässt sich erkennen, dass Mifune zweifelsohne die Problematik, die hinter dem Graduierungssystem steckt durchschaute. Dennoch würde ich ihn nicht als Gegner des Dansystems bezeichnen. Die Problematik, die er indirekt mit diesen Worten beschreibt, liegt in der Tatsache, dass man als engagierter Schüler mit großer Wahrscheinlichkeit beginnt Prüfung nach Prüfung zu absolvieren und darüber vergisst, was das Ziel seines Trainings ist. Da dieses Ziel jenseits von Technik und Auszeichnung durch Graduierungen liegt, ist es nicht im Sinne des Übenden lediglich eine immer höhere Graduierung anzustreben.

Obwohl Werner Lind ausführt, dass die Überwindung des eigenen Ichs erst ab Sandan, also dem dritten Dan stattfinden kann, da dem Kampf gegen das eigene Ich eine tiefes Verständnis von Technik und Hintergründen vorausgehen muss, werde ich seine These als Beleg für dieses Interpretationsweise anführen. Die Form kann laut Lind mit Inhalt, also mit dem Kampf gegen das Ich gefüllt werden, wenn das technische Verständnis und die Disziplin sich eingestellt haben***. Lind knüpft diese These an das Graduierungssystem an, da er sagt der Kampf gegen das ich kann erst ab Sandan beginnen. Sie Widerspricht der Auffassung Mifunes jedoch nicht im Geringsten. Im Gegenteil, diese Thesen sind durchaus komplementär verständlich. In dieser These wird nämlich nicht deutlich, dass Werner Lind den Dan als Auszeichnung versteht. Vielmehr macht er sehr deutlich, dass der Dan, mit höherer Graduierung, den Träger mit immer mehr Pflichten erfüllt.

Genau so verhält es sich mit dem Tragen des Hakama, der keine Auszeichnung und auch keine Ehrerbietung sondern eine Aufgabe, Pflicht, ja sogar Bürde, ist.

Ebenso sieht dies Mifune, der im Dan kein Zeichen von Größe sieht, sondern ein Zeichen der Verantwortung, die der jeweilige Bugeisha**** trägt.Die Argumentationskette, die Mifune in dem obigen Zitat verfolgt ist also folgende: Der Dan ist Zeichen der Verantwortung. Die Verantwortung wächst mit der Erfahrung und der Perfektion der Technik*****, die ein Bugeisha hat. Die Erfahrung und Perfektion der Technik ist Produkt von Zeit und Engagement. Also wird derjenige, der sich über lange Zeit in der Kampfkunst engagiert zwangsläufig mit einer hohen Graduierung Konfrontiert sehn, was allerdings bei Betrachtung der vielen weiteren positiven Aspekte, die einem das Training bringt, nebensächlich ist. Die Existenz des Dan ist jedoch nicht unbegründet. Er hat eine höchst wichtige und nicht zu unterschätzende Aufgabe: Er erinnert seinen Träger stets, zu jeder Minute, an die soziale und pädagogische Pflicht, die dieser seinen Schülern, Lehrern und allen, die er irgendwie helfen kann, schuldig ist.

* Zitat: Kyuzo Mifune, Judo no Shinzui: Michi to Jutsu, Kodansha-Verlag, Tokyo, 1965

**Kodokan Judo: Bezeichnung für den traditionellen Judo-Stil, der von Jigoro Kano begründet wurde.

***Zitat: Werner Lind, Budo Der Geistige Weg der Kampfkünste, O.W. Barth, o.O, o.J

****Bugeisha: Dieser Begriff wurde durch Dave Lowry geprägt, der ihn in seinem Buch Pinsel und Schwert als Oberbegriff für alle Kampfkunstübenden aller Kampfkünste in allen Stilen jeder Epoche gebraucht.

*****Auf den Aspekt der Technik bin ich in dem Aufsatz nicht weiter eingegangen, da es vermutlich den Rahmen gesprengt hätte. Überall, wo jedoch Begriffe wie Erfahrung und Verantwortung auftauchen spielt auch die Technik als Erzieherin zur Disziplin eine wichtige Rolle.

10 Kommentare

  1. Peter Roskothen

    Lieber Tobi, danke für den schönen Artikel und die Ansichten zur Graduierung.

    Ich persönlich sehe nicht die Notwendigkeit von Kyus und Dans, um ein soziales Engagement zu fördern. Diejenigen, die länger Budo machen, werden sich umstellen, im Leben, im eigenen Wertesystem, in der Moral und vielen anderen Bereichen. Dazu wird folgerichtig auch soziales Engagement kommen. Das funktioniert unabhängig von Graduierungen.
    Prüfungen sind wichtig und können losgelöst von Graduierungen abgelegt werden. Sie dienen dem Bewußtwerden, dem Lernen unter Stress und dem Wissen um die eigenen Möglichkeiten. Dazu bedarf es ebenfalls keiner Graduierungen.
    Fraglich ist, ob sich Stress einstellt, wenn es kein Papierchen und keinen Gürtel nach der Prüfung gibt. Fraglich auch, ob der Mensch ohne solche irren (meine Meinung) Sachbezüge in der Lage ist, einen Anreiz im Budo zu finden. Ich finde den Anreiz auch ohne Graduierungen und es macht mich sehr glücklich mit Dir und allen anderen zu trainieren.

    Es geht darum zu verstehen, daß man dem Budo, dem Aikido oder anderen Künsten verpflichtet ist. Daß man den anderen Menschen verpflichtet ist, nicht sich selbst. Graduierungen sind aber für das Ego gedacht. Das ist ein Widerspruch.

    Mir ist völlig egal welche Graduierung Du hast oder Reynosa-Sensei hat. Mir ist wichtig die Aufrichtigkeit, die Mitmenschlichkeit und das Engagement zu sehen. Das ist mein persönliches Wertesystem um einschätzen zu können, ob es sich lohnt mit jemandem zu trainieren. Graduierungen sind Schall und Rauch. Wenn jemand den x-ten Dan hat und sich kein bisschen mehr um Budo oder seine Mitmeschen kümmert, wofür also hat er dann einen Gürtel? Er hat nicht mal im Ansatz verstanden, warum er ihn bekommen hat, sondern ihn nur zur Schau getragen. Das passiert ständig. Was auch passiert, ist daß Menschen aufhören zu trainieren, wenn sie einen bestimmten Dan bekommen. Die haben auch nichts verstanden von der Verpflichtung der Dan-Graduierung gegen andere Schüler und gegen den Lehrer, gegen Aikido/Budo/Judo/….

    Ich will überhaupt nicht behaupten, daß graduierte Schüler und Budoka nicht auch ebenso gut mit der Graduierung umgehen können. Die meisten jedoch haben wenig von der Graduierung verstanden und sind überheblich. Sie schaffen es kaum die gute Etikette vorzuleben, die mit der Graduierung selbstverständlich ist, kennen nicht einmal die Bedeutung der Hakamafalten. Dabei sind Fehler menschlich, nicht aber grundsätzliche Überheblichkeit und ein Streben nach Gürteln. Soche Menschen sollten besser nicht graduiert werden. Leider wird heute quasi jeder graduiert. Also wozu dann Graduierungen?

    Das Graduierungssystem ist ein großes Mißverständnis. Vielleicht eines der größten im Budo. Es verhindert wahres Budo mehr als es ihm zuträglich ist. Mir sind Lehrer und Schüler wie Du wichtig, die sich kümmern, mit Liebe und Eifer im Leben stehen und die dabei auch noch Spaß haben. Dazu benötigen wir alle keine Graduierungen.
    Meine Meinung.

  2. Hallo Peter,

    vielen Dank für das schnelle Feedback. Ich kann mit diner Meinung sehr viel Anfangen und ich sehe genau das Problem, vondem du sprichst bei vielen hoch graduierten Menschen. Ich wollte auch eigentlich nicht die Existenz eines Kyu Dan Systems rechtfertigen (ich hoffe, dass es nicht den Eindruck gemacht hat, da ich damit das Ziel meines eigenen Artikels verfhelt hätte), sondern eine Art des vernünftigen Umgangs mit diesem System darstellen. Diesen richtigen Umgang mit dem System sah ich im oben vorgestellten Zitat.

    Ich bin mir sicher, dass ich weniger von dem System halten würde, wenn ich niemals einen wahren Meister kennengelernt hätte, der weiß seine Graduierung richtig zu interpretieren. Da ich haber mittlerweile mehr als eine sehr positive Erfahrung mit Menschen gemacht habe, die eine hohe Graduierung haben, und mit dieser sehr akkurat umzugehen weiß, hielt ich es für angebracht über diese richtige Interpretation einer Graduierung zu informieren.

    In erster Linie, damit Anfänger (Leute die eh schon ihre Glorifizierende Meinung zu Danträgern haben wird dieser Artikel nämlich nicht interessieren), die kaum Erfahrungen mit Budo haben einen hoch Graduierten Menschen nicht für jemanden halten, der weit von einem Weg ist, sondern dass man diesen lediglich als normalen Menschen mit hoher Verantwortung sehen muss. Ein Arzt ist schließlich auch kein Übermensch, sondern lediglich jemand der viel Verantwortung trägt. Natürlich geht dem viel Erfahrung und Können voraus, wie im Budo auch, was ihn aber nicht zu einem Weltfernen Menschen macht, bzw. machen sollte.

    Natrülich gibt es überhebliche Ärzte wie auch überhebliche Budoka(die dann natürlich keine wirklichen mehr sind), jedoch wollte ich (um zu meinem Ziel zurück zu kommen) nur zu einen vernünftigen Umgang mit dem System anregen.

    Ich hoffe mal, dass das, was ich in dem Kommentar beschrieben habe auch der Eindruck ist, den man beim Lesen des Artikel bekommt, da ich ansonsten beim Schreiben des Aufsatzes einige stilistische und argumentative Fehler gemacht haben müsste, was ich nicht hoffe, da dies gefährlich für unbedarfte Leser sein könnte.

    liebe Grüße an alle und ich hoffe der Artikel verfehlt sein Ziel nicht.

    Schöne Pfingsttage

  3. Oh mein Gott. Was für ein fieser Schreibfehler den ich mir da geleistet habe. Es heißt natürlich nicht „Das Werner Lind den Dan als Auszeichnung versthet“, sondern das Werner Lind den Dan NICHT als Auszeichnung versteht“

  4. Grigory

    Hallo Leute!

    Danke an Tobias für den Beitrag, für mich als Anfänger sind die Informationen dieser Art immer nützlich.

    Ich persönlich sehe in Graduierungen weder was schlimmes noch was gutes. Ich denke, es kommt auf den Menschen an, der die trägt.

    Sicherlich gibt es Menschen, die durch ihre Graduierung an ihre Pflichten erinnert werden. Es gibt aber auch sicherlich Menschen, die durch Graduierungen nur verdorben werden, weil sie dann hochnäsig und arrogant werden (obwohl dafür reichen manchen schon paar Monate Training). Ob eine Graduierung bei jemanden etwas positives oder negatives bewirkt entscheidet der jenige selbst.

    Somit muss ich auch Peter-Sensei recht geben, Graduierungen sind Schall und Rauch. Wenn ich jemanden treffe, der den sechsten Dan hat, dann heißt es für mich nur eins: der Typ hat den sechsten Dan. Diese Tatsache sagt mir weder etwas über seine Budo-Fähigkeiten noch über seine menschliche Fähigkeiten.

    Gruß,
    Grigory

  5. Francisco

    Hallo an alle!

    Zunächst einmal möchte ich auch Tobi für den schönen und lehrreichen Beitrag danken. Wie Grigory schon sagte, bin ich auch als Anfänger für alle möglichen Informationen und Beiträge diesbezüglich dankbar. Und dieses eine mal bin ich mit Euch allen einverstanden.

    Ich finde, jeder Beitrag widerspricht nicht den vorherigen, sondern ergänzt ihn aus einer anderen Perspektive. Zu der von Peter sehr berechtigten Frage „wozu dient dann eine Graduierung“ bittet der Beitrag von Tobi eine schöne Antwort: soziales Engagement. Grigory sagt, es sei jedem überlassen, was er mit seiner Graduierung anfängt, und da hat er auch recht. Allerdings, und von meiner Ignoranz gesehen, finde ich, dass jemand, der über ein 3. Dan und höhere Graduierung verfügt, auf etwas mehr als auf seine Technikfähigkeiten geprüft worden sein soll. Damit sei der Weg zu z.B. Überheblichkeit, Arroganz, o.Ä ausgeschlossen, vermutlich ist es aber in der Praxis nicht so… (?).

    Grüße an alle
    Francisco

  6. Hi Francisco,

    In der Tat ist es auch so, dass ab einer gewissen Graduierung Menschen über ihre Technik hinaus „Können“ beweisen müssen. Ich habe in Köln vor einiger Zeit eine Dan Prüfung gesehn, dort war ein Prüfling, der ich glaube zum 4ten Dan geprüft worden ist, und der dann über alle möglichen moralischen technischen didaktischen und historischen Hintergründe Fragen beantworten musste, nachdem er die Technik vorgeführt hatte. Dabei raus kam ein Gespräch auf sehr hohem Niveau zwischen Prüfling und Prüfer, auch wenn man von der Tribüne aus nicht genau hören konnte, was gesagt wurde. Aber es war wirklich spannend zu sehn, wie derjenige mit den Fragen umging…

    An dieser Stelle vllt mal die Frage. Ich arbeite grade an einer etwas längeren Arbeit über die Entiwicklung des Budo.. also Wo das alles herkommt, und welche kampfsystematischen entwicklungen dem voraus gegangen sind. Würdet ihr wollen, dass ich das veröffentliche (naja ich denk ich tus so oder so) bzw. würdet ihr dabei auch gerne wissen wie zum beispiel die koreanischen und vietnamesischen Kampfkünste damit zusammenhängen, obwohl sie keine „direkten“ bezug zum japanischen haben, wohl aber dieselbe wurzel. ich würde mich freuen, wenn ihr mir sagtet, in welchem umnfang ihr gerne informationen dazu hättet, den die entwicklung von den japanischen Kampfkünsten bis zu den ursprüngen der ersten systematisierten Kampftechniken habe ich schon nachvollzogen. aber wenn ihr wollt, dann wert ich noch quellen aus, die andere kulturkreise umfassen.
    danke fürs feedback

    Tobi

  7. Francisco

    Hallo Tobi,

    Das ist ja hochinteressant, was Du vorhast. Und auch eine Mammutarbeit (kann man so was sagen?). Ich werde auf jeden Fall einer deiner Fans bzw. Leser sein. Im Spanischen Kreisen (auf den Kanarischen Inseln) gibt es eine traditionelle und sehr verbreitete Kampfkunst, die heißt „lucha canaria“ (zu Deutsch: „Kanarischer Kampf“) deren Ähnlichkeiten mit Sumo verblüffend sind. Wenn ich Brasilianische „capoeira“ sehe und die Mischung von Kampf, Akrobatik und Tanz bewundere, frage ich mich auch immer, was für vermischte Wurzeln das haben könnte… sind das in deiner Arbeit mitberücksichtigt oder „beschränkst“ Du dich auf Asiatisches Budo?
    Eine umfassende Arbeit über verschiedene Kampfkünste auf der Welt und deren Verbindungen wäre bestimmt ein Fall für eine Doktorarbeit.

    Liebe Grüße
    Francisco

  8. Hallo Tobi,

    für Deine Arbeit an der Entstehung der Kampfkünste könnte auch der folgende Link von Interesse sein:
    tenshukaku.de.
    Schau doch mal rein. Dort gibt es etliche Artikel über die Kampfkünste.

    Liebe Grüße
    Jörg

  9. Cool danke für euer Feedback.

    also eigentlich hatte ich vor mich auf asiatische kampfkünste zu beschränken, aber ich stelle mich gerne deiner herausvorderung etwas über lucha canaria und capoeira herauszufinden…
    jörg danke für deine hilfe mit quellen
    sehr nett von euch. allerdings werde ich etwas mehr zeit als geplant benötigen, wenn ich mein thema noch ausweite.

    also dann ich halt euch über den fortschritt auf den laufenden.

    danke und tschüss

    PS: natürlich wird jede kampfkunst nur kurz angerissen, da jedes thema für sich mehrere hundert seiten füllen könnte. es geht mir aber mehr um den zusammenhang und die entstehnung als die philosophie jeder einzelnen kunst

  10. Peter Roskothen

    Graduierungen sind ein großes Thema im Kampfsport (!). Viele Menschen sind im Unterbewußtsein doch sehr interessiert daran. Dabei sollte man immer daran denken, was Budo für sich und andere bringt. Wenn Ihr ein gutes Beispiel für den gelungen Umgang mit Graduierungen möchtet, dann guckt Euch unseren Mitschüler Fujita-san an. Fujita-san kümmert sich nicht um die Gürtelfarbe, stellt sich auf jeden Mitschüler ein, kümmert sich um alles, sieht alles, trainiert immer fast ausschließlich mit Anfängern und ist auch sonst sehr selbstlos, voller Respekt und Demut. Ob das aber mit der Graduierung zu tun hat? Wenn man Budo richtig versteht, dann kümmert man sich um andere und stellt sein Ego in den Hintergrund. Das gilt nicht nur auf der Matte, sondern auch draußen.
    Aber so wie es Spiritualität ohne Religion gibt (sehr gut sogar im Aikido), so gibt es auch Selbstlosigkeit ohne Urkunde. In der Regel sollen Graduierungen wohl nur Anreiz zum weiteren Training bieten. Viele Lehrer vergeben Graduierungen auch wegen des Gelds, welches jede Prüfung bringt.
    Dann gibt es natürlich genau auch das Gegenteil: Lehrer die Graduierungen nur vergeben mit der Bedingung, sich im Leben zu kümmern, an sich zu arbeiten. Eine Graduierung hat unmittelbar mit dem Lehrer zu tun, der sie vergeben hat. Wenn man den Lehrer kennt, dann weiß man, was die Graduierung bedeutet.
    Mich persönlich reizen solche Urkunden oder Gürtelfarben überhaupt nicht und ich bin schon ein paar Jahre dabei. Meine Motivation sind die Mitschüler, deren Fortschritte, die wunderbaren Menschen die man auf der Matte findet. Geraldine trainiert aus ebensolchen Gründen. Uns ist es völlig wurscht welche Graduierung jemand hat. Wenn derjenige sich nicht kümmert, dann ist klar, daß der Lehrer desjenigen versagt hat, als er/sie dem Schüler eine Graduierung verliehen hat. Viele Lehrer sind schon mit Graduierungen auf die Nase gefallen, haben sich im Schüler geirrt. Alles das ist menschlich.

    In jedem Falle werden Graduierungen von guten Lehrern nur unter Berücksichtigung der Umstände vergeben. Meine Erfahrung ist, daß keiner mit dem 4. Dan ohne Engagement rumläuft. Sehr oft verbergen sich hinter solch graduierten Menschen auch sehr gute Menschen.

    Aber guckt Euch mal auf Seminaren um: Ihr werdet feststellen, daß ausgerechnet Hakama-Träger und Schwarzgurte ganz oft nicht mit den Gi-Trägern trainieren, sich nicht korrekt verbeugen etc.. Das führt zu meiner Schlussfolgerung, daß die Graduierungen oft (nicht immer) falsch vergeben werden. Und gerade deshalb ist das System für mich inakzeptabel. Ohne Kritik an unserem Sensei. Da darf jeder seine Meinung haben.
    Lange Rede, kurzer Sinn (Grigory hat es ähnlich formuliert): lasst Euch nicht von Äußerlichkeiten und Hüllen täuschen. Betrachtet immer den Menschen, den Charakter und fragt immer Euren Bauch.

    Tobi, Dein Beitrag zur Herkunft der Kampfkünste ist hochwillkommen, in welchem Umfang auch immer.

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