Der Hakama – eine Verpflichtung im Leben

Der Hakama (Hosenrock) ist ein wirklich schönes Kleidungsstück. Es verführt immer wieder die Menschen genauer hinzusehen und sich von dieser Äußerlichkeit beeindrucken zu lassen. Das ist aus unserer persönlichen Sicht in Ordnung, wenn der Mensch der drinsteckt weiß, warum er getragen wird und wie der Hakama zu tragen, zu falten und zu respektieren ist.

Historisch gesehen ist der Hakama zunächst ab etwa dem Jahr 1600 in Japan ein Kleidungsstück der Samurai, welches dazu diente die Beine zu schützen sowie die Füße und Techniken der Beine zu verdecken. Es ist schwierig unter dem Hakama zu erkennen, welches Bein, welcher Fuß wo steht und welche Bewegung die nächste sein wird. Auch deshalb ist es wichtig, daß der Hakama nicht zu hoch gebunden wird.
In der Folge wurde der Hakama, den es als Rock und Hosenrock (joba hakama) gab, auch von Japanern anderer Schichten getragen. Es gab viele Ausführungen und viele Farben von Hakamas. Dazu gehörten auch teure Schmuckstücke aus Seide, die sicherlich mehr zu wichtigen Anläßen getragen wurden, als zum täglichen Leben.
Der Hosenrock (joba hakama = übersetzt etwa “Reitkleidung in die man hineinsteigt”) wurde meist zu Pferde getragen. Es gab zwei weitere Versionen ohne “Beine”. Das waren Hakama die relativ eng waren, sich in der Länge unterschieden und nur als Rock zu übersetzen sind. Diese wurden zu wichtigen Anlässen wie dem Besuch beim Shogun getragen und verhinderten durch das enge Anliegen, daß Waffen verborgen werden konnten.
Heute wird der Hakama in Japan noch zu zeremoniellen Anlässen und beim japanischen Tanz getragen. Im Budo ist er in der Hosenrockversion nicht nur im Aikido, sondern auch im Kendo, Kyudo und Iaido (Schwertkunst) anzutreffen. Traditionell sieht man den Hakama in schwarzen und dunkelblauen Versionen, ganz selten in weiß bei Senseis. Weiß wird selten getragen, weil der Hakama, wenn er im Aikido getragen wird, schnell dreckig werden kann. Das hat auch mit den “Shikko” Bewegungen (Laufen auf den Knien) zu tun, welche im Aikido geübt werden. Diese wiederum waren in Japan immer dann erforderlich, wenn man Personen in hohen Stellungen begegnete, die Respekt verlangten. Dann nämlich wollte und mußte man niedriger sitzen und laufen als diese Respektsperson und es war üblich das in Shikko zu tun. Allerdings ist Shikko durchaus auch eine tolle Fortbewegungsart, wenn man keine Zeit hatte aufzustehen und angegriffen wird. Ursprünglich hat das wieder viel mit dem japanischen Sitzen (Seiza) zu tun.
O´Sensei (Morihei Ueshiba) forderte in seinen Dojos alle Übenden zum Tragen des Hakama auf. Das galt bei O´Sensei als wirklich wichtig zur Etikette dazugehörig. Dazu kann man erklären, daß der Gi in Japan in Wirklichkeit nur die “Unterwäsche” darstellt.

Aus Sicht unserer ehemaligen Lehrer war das Tragen des Hakama erst sinnvoll, wenn die grundlegenden Basistechniken und Tenkan-Bewegungen erlernt waren. Diese Auffassung teilen Geraldine und ich, denn es ist für die Schüler sehr schwer selbst die Bewegungen wie Taino-Henko, Taino-Tenkan oder Tenkan zu erlernen, wenn man die Füße des Lehrers und die der Mitübenden nicht beobachten kann. Wie schwierig wäre es also für die Lehrer und Mitschüler zu sehen, ob es beim Anfänger funktioniert. Ohne Hakama kann man selber besser erkennen, welche Verbesserungen und Hilfen nötig sind.

Für Lehrer (Senseis) kann es durchaus auch einmal interessant sein den Hakama abzulegen, denn für seine Schüler ist es wesentlich einfacher die Schritte zu sehen, wenn der Lehrer den Hakama nicht trägt oder wenigstens für diesen Fall hochbindet. In fremden Dojos ist man oft durchaus sehr willkommen mitzutrainieren. In solchen Gastrollen ist es nur mehr anständig zu fragen, ob man mit oder ohne Hakama trainieren soll und auch sofort eine Mattengebühr anzubieten. Gute Dojos schenken einem als Gast oft solche Mattengebühren, was eine tolle Etikette der Lehrer zeigt. Es kann der Psyche eines langjährigen Aikidokas sicher nicht abträglich sein, sich immer wieder auf den Level des Anfängers zu begeben. Dazu ist auch das Ablegen des Hakama eine gute Übung.

Hakama im Aikido: eine Verpflichtung im Leben (sieben Tugenden)Wirklich wichtig ist der Respekt, den man dem Hakama zollt. Viele Anfänger haben das Ziel möglichst bald einen Hakama zu tragen. Das ändert sich spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem man erkennt, welche Pflichten ein fortgeschrittener Schüler hat. Da ist zum einen die Aufgabe Budo nicht mehr nur für sein Ego zu üben, sondern es zu vermitteln. Zum anderen der Respekt vor den ethischen Werten im Leben. Die Haltung eines Schülers, der einen Hakama trägt sollte in unseren Augen auch die sieben Falten des Hakama wiederspiegeln. Die fünf Falten auf der Vorderseite und zwei Falten auf der Rückseite des Hakama haben folgende Bedeutung:

  • Jin (Güte)
  • Gi (Ehrgefühl, Pflichtbewußtsein)
  • Rei (gutes Benehmen / Etikette, Respekt)
  • Chi (Weisheit und Intelligenz)
  • Shin (Aufrichtigkeit)
  • Chu (Loyalität)
  • Koh (Pietät)

Im Grunde haben die Samurai uns diese Tugenden mit dem Hakama übermittelt. Budo oder Bushido (zu deutsch der “Weg des Kriegers”, übersetzt heute etwa “Das Bemühen etwas Gutes zu bewirken.”) versuchen durch die dauernde Übung auch außerhalb des Dojos diese Tugenden zu perfektionieren.

Die Begriffe und Tugenden werden bei uns im Aikido weiter erläutert und mit Beispielen angereichert. Es sind sicherlich wirklich wichtige und gute Tugenden fürs Leben, die durch Aikido entweder vermittelt oder katalysiert werden. Dabei bereitet Aikido sehr viel Spaß und ist dennoch ernsthaft in seiner Zielsetzung etwas Gutes zu bewirken.

Anleitung: Wie man den Hakama faltet >>

2 Kommentare

  1. Carsten Ringe

    Da möchte ich doch auch gleich etwas beitragen: In meinem Schrank hängt ein weißer Hakama, obwohl ich weit vom Sensei entfernt bin. Das war bei uns im DAB so üblich, dort trugen (früher – wie es heute ist, weiß ich nicht) nur die Senseis schwarz.

    Ich würde auch fast sagen, dass ein schwarzer Hakama genauso schnell schmutzig wird, wie ein weißer.

  2. Weißer Hakama, wenn ich das schon wieder sehe. Jeder Mensch der sich mit der Geschichte und Philosophie Japans und des traditionellen Aikido befasst hat, der
    müsste bei so was laut los schreien. Ich schrei übrigens immer noch. Ein weißer Hakama galt – und gilt im Shinto immer noch – als Zeichen höchster Reinheit und Vollkommenheit und ist somit von der allgemeinen Verwendung ausgeschlossen. Zumindest für jeden der wie O-Sensei und Morihiro Saito Sensei das traditionelle
    Aikido leben und weitergeben will.

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  1. Aikido-Blog.de -image- Ehrgeiz - woher kommt denn der Begriff? - [...] Wenn man sich dagegen die Hakamafalten noch einmal ansieht, wird man diese Begriffe dort nicht wiederfinden. Trotzdem hält die ...

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