Klostergeschichten
Nachdem ich für eine lange Zeit pausiert habe, hatte ich vor, einen Artikel zu schreiben über “keine Artikel schreiben”, bzw. die Gründe erläutern, warum ich etwas skeptisch bin, was meine Beteiligung am Blog angeht. Solch einen Artikel werde ich auf jeden Fall noch schreiben aber am Freitag habe ich eine Geschichte erzählt bekommen, die ich gerne mit Euch allen teilen möchte, denn ich denke, es hat viel mit Aikido Ansichten zu tun.
Die Geschichte hat mir meine chinesische Kollegin erzählt, mit der ich seit 8 Jahren die Ehre habe, zusammen zu arbeiten und von der ich jeden Tag etwas neues (nicht unbedingt beruflich bezogen) lerne. Yuzhu lebt buddhistish, bezeichnet sich selber aber nicht als solche, denn sie sagt, Buddhismus sei schlicht eine Lebensphilosophie und keine Religion, wie viele Leute noch denken.
Es geht dabei um eine Geschichte mit Moral, die Interpretation sei aber jedem überlassen, wie es nicht anders sein könnte. Und wie es auch nichts anders sein könnte, spielt die Geschichte in einem Kloster, wo Schüler und Meister die Hauptfiguren sind. Ich versuche, diese Geschichte so wiederzugeben, wie sie mir erzählt hat:
Ein Meister sitzt im Kloster und meditiert, als er laute Schreie von seinen Schülern hört. Es geht zu ihnen und fragt, was das Problem sei. Einer der Schüler sagt:
-”Verzeiht Meister, aber wir haben diesen Schüler hier beim Klauen erwischt. Er bringt dabei die Harmonie des Klosters durcheinander und erschwert unser Leben und Euren Unterricht. Wir möchten Euch bitten, ihn vom Kloster zu verweisen, andernfalls werden wir gezwungen sein, selber das Kloster zu verlassen.”
Nach ein paar Sekunden erwidert der Meister:
-”ich werde ihn nicht verweisen. Ihr könnt alle gehen, wenn ihr möchtet”
-”aber warum?” fragt der Schüler verdutzt . “Wir verstehen es nicht!”
-”Sein Verhalten ist sicherlich verwerflich. Aber ihr habt bereits gelernt, Gut vom Böse zu unterscheiden und seid dadurch soweit, das Kloster verlassen zu können. Er aber, hat das noch zu lernen. Wenn ich ihn jetzt ausschließe, wie könnte er das jemals lernen..?”
An dieser Stelle möchte ich nichts hinzufügen. Auf Eure Kommentare freue ich mich.
Schöne Grüße

Schöne kleine Geschichte mit einem gesunden Kern.
Wenn ich jetzt aber weiter denke (und ja das tue ich) ist die Entscheidung (den Dieb nicht rauszuschmeißen) taktisch falsch.
Denn es im Kloster sicherlich auch Schüler dabei sind, die eben nicht “fertig” sind und gerade die können dann klauen lernen, sprich vom Weg abkommen.
Es sei denn der Meister ist sich seiner sicher. Oder der Meister geht davon aus, dass die jenigen, die lernen können eh nicht vom Weg abkommen. Und wenn welche vom Weg abkommen – wären die eh nicht auf dem Weg geblieben.
Meister sein ist schwierig.