Mord und Totschlag

Wir dürfen nie vergessen, wie mächtig Aikido als Hilfe im Leben ist, wenn jemand uns töten, vergewaltigen oder berauben will. Erst in den letzten Tagen konnten wir wieder von einer Krefelderin lesen, die nur durch sofortige Hilfe mehrerer couragierter Menschen gerettet werden konnte.

Die Frau wurde laut Zeitungsberichten von einem Mann angesprochen mit den Worten „Du kommst jetzt mit.“. Als die Frau weglaufen wollte, stach der Mann auf Sie ein und verletzte sie schwer in Hals und Brust. Nur durch zu Hilfe eilende, mutige Menschen konnte der Mann davon abgehalten werden die Frau zu ermorden. Außerdem war einer der Feuerwehrleute so gut drauf, die blutende Wunde am Hals not zu verarzten, so daß die Frau überlebte.

Der Täter wurde später gestellt und verhaftet. Man fand am Tatort Handschellen und Klebeband. Vermutlich war der Mann ein Serientäter, der die Frau verschleppen und vergewaltigen wollte. Vielleicht hatte er außerdem vor, sie danach zu ermorden.

Diese und andere Gewalttaten werden von Menschen jeden Tag begangen. Es ist nur eine Frage der Fügung, des Zeitpunktes und des Ortes, ob es jemand bei Ihnen oder uns versucht. Draußen laufen Bestien herum, die durch welche Umstände auch immer, zu dem wurden, was sie besser nicht wären. Böse Zutaten lauern in den Tiefen jedes Menschen. Es ist nur die Frage der Kontrolle, der Erziehung und der Arbeit an sich selber, ob sie herauskommen.

Seien wir ehrlich: wer hat nicht schon mal laut gedacht: den Typen hätte ich gerne mal mit einem Knüppel vor mir. Tatsächlich hatte die Polizei Mühe, den Täter aus den Fängen der Männer zu befreien, die ihn verfolgten und stellten. Man darf annehmen, daß er nicht überlebt hätte.

Aikido hat zwei Zutaten, die helfen können:

  1. Selbstverteidigung
  2. Die Arbeit an seinem Charakter

Die Selbstverteidigung ist nicht zu unterschätzen. Jeder der Aikido macht, hat einen Vorteil in Bezug auf Aufmerksamkeit, Schnelligkeit, Techniken und Charakter. Was bedeutet in diesem Zusammenhang Aufmerksamkeit? Warum ist jemand der Aikido macht aufmerksamer als andere Menschen?

Egal welche sportliche, musikalische oder ähnlich konzentrierte Tätigkeit Sie betreiben, Sie werden aufmerksamer, wacher und werden Dinge bemerken, die andere nicht bemerken. Aikido und ähnliche Budoarten/Kampfkünste haben die Eigenschaft hohe Konzentration und Rundumblick zu schulen. Sie werden schon nach kurzer Zeit im Alltag merken, wie sich Dinge verändern. Sie bemerken Dinge, die Sie vorher nicht wahrgenommen haben. Das liegt zum einen an der Sicht der Dinge, der Veränderung Ihrer Wertvorstellungen, zum anderen an der Art wie man Dinge wahrnimmt. Es kann sein, daß Sie herunterfallende Dinge in der Luft auffangen kurz bevor sie auf den Boden aufschlagen, es kann sein, daß Sie Dinge weit im voraus erahnen. Möglich auch daß Sie an einem Stauende einen großen Sicherheitsabstand zum voraus stehenden Auto einhalten, um eine Art Notfallreaktionszeit zu haben. Wie auch immer, Sie werden Dinge anders bewerten und handeln, nicht in Regungsstarre oder Angststarre verfallen.
Eine junge Schülerin hat in diesen Seiten geschrieben, wie sie dank Aikido nicht überfahren wurde. Kein Beweis, aber eine sehr gute und ehrliche Meinung, die ich teile.

Darüber hinaus weckt Aikido Intuitionen, die sie als Kind gehabt haben und die mit dem Glauben an den Verstand im harten Alltag verloren gingen. Solche Intuitionen werden von Aikidoka anders gewertet, weil sie in hohem Maße verbindlich sind, aber oft durch den Verstand ausgeschaltet werden.

Aikido hilft also auch Situationen zu vermeiden, die Straßenseite zu wechseln, im Zweifel schon früher Alarm zu schlagen, keine Opferhaltung zu signalisieren und sich im Notfall sogar erfolgreicher zur Wehr zu setzen.

Deshalb ist Aikido weder Spiel noch Sport. Es hat deutlich sportliche Noten, schult den Körper und die Ausdauer hervorragend, macht den Körper wesentlich beweglicher und gesünder, ist aber in erster Linie eine verdammt ernste Angelegenheit die auch noch Spaß bereitet. Wie das zusammen passt muß man machen. Nicht probieren, sondern machen. Die Menschen die Aikido trainieren haben viele Gründe für ihr Kommen. Mögliche Gründe:

  • Ich möchte das Können
  • Ich habe Spaß daran
  • Ich möchte mich selbstverteidigen können
  • Ich möchte an mir arbeiten
  • Ich möchte etwas tun, was anderen hilft

Die ersten drei Punkte sind oft anzutreffen und werden bei längerem Training mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durch die letzten beiden Gründe ergänzt. Vorausgesetzt die letzten beiden Gründe waren nicht sowieso schon von Anfang an mit dabei.

Ich zweifle persönlich nicht daran, daß ausgerechnet Feuerwehrmänner eine erhöhte Aufmerksamkeit besitzen und sehr viel eher Gefahren erkennen. Sie sind fast täglich in Situationen die sie trotz hohem Stress mit gleichzeitiger Konzentration und Gelassenheit bewältigen müssen. Sie sehen Dinge früher, erahnen Dinge, sehen Momente und Geschehnisse voraus. Vielleicht ist das einer der Gründe warum die Frau gerettet werden konnte. Ich bin darüber sehr glücklich und denke daß sich solche Courage immer auszahlt. Meine Hochachtung vor allen Helfern.

Aber seien wir nicht naiv: es gibt sie die Totschläger, Mörder, Vergewaltiger und Irren. Direkt in unserer Nachbarschaft. Überall auf der Welt, sogar in uns selbst. Bewahren Sie eine gesunde Skepsis. Nicht Mißtrauen und auch nicht Angst, sondern Skepsis.

P.S.: Ich möchte Aikidoka nicht als Helden und unverletzlich darstellen. Was ich außerdem nicht möchte, ist andere Kampfkünste oder Künste ausgrenzen. Ich möchte nur behaupten, daß mit Aikido die Chancen erheblich besser sind. Nicht nur im Notfall, sondern auch in alltäglichen Situationen.

Machen wir uns aber nichts vor: Aikido bedeutet extrem harte Arbeit, Überwindung, Durchhaltevermögen, Schmerzen sowohl physischer, als auch geistiger Natur. Es ist einfach kein Kindergeburtstag, sondern eine verdammt harte Angelegenheit. Respekt und Hochachtung vor unseren Mitschülern!

Link zu einem Artikel der WZ >>

Folge mir

Peter Roskothen

Fotograf, Mediedesigner und Trainer Fotokurse bei Peter Roskothen Fotokunst & Design
Ich bin beruflich Fotograf und Mediendesigner, aber auch Journalist und Trainer von Fotokursen.

Zum Aikido kam ich 2001 zusammen mit meiner Frau Geraldine. Seit 2006 unterrichten wir Aikido für einen kleinen Kreis von Teilnehmern.
Aikido ist deshalb so gut, weil man es in jedem Alter anfangen kann. Es hält fit, macht gesund und hilft dem Selbstbewusstsein. Man muss nur einen offenen Kopf haben und es wollen.

Mein Motto: Etwas mehr Menschlichkeit
Folge mir

Letzte Artikel von Peter Roskothen (Alle anzeigen)

14 Kommentare

  1. Grigory

    Hallo Peter.
    Dein Artikel wirft in mir sehr viele Fragen auf. Das ist gut. Ich stimme Dir in vielen Punkten zu. Ich bin nun (wie wir gestern festgestellt haben) erst seit 4 Monaten dabei in Shingen-Aikido-Dojo zu lernen. Es ist sehr wenig, es ist gar nichts. Dennoch … diese Beschäftigung bereichert mein Leben sehr und macht es manchmal auch sehr anstrengend. Als Bereicherung, sehe persönlich an erster Stelle die Charakterbildung. Die physischen Aspekte sind für mich, zumindest momentan, eher Beiwerk. Die körperliche Anstrengung ist für mich auch nicht relevant. Ich behaupte nach wie vor, lass dein Körper es einfach machen und der macht es schon.

    Viel wichtiger ist für mich die moralische, geistige und mystische Seite davon, was wir Montags, Mittwochs und Freitags machen. Jemand, der Aikido macht, ist auf jeden Fall besser vorbereitet, was Überraschungen dieses Lebens angeht. Ich denke, wir lernen es in Hier und Jetzt zu sein. Und jemand, der in Hier und Jetzt ist, der ist nicht so einfach zu überraschen und klein zu kriegen. Die Voraussetzung ist natürlich, dass man auch mit richtigen Gründen auf die Matte geht. Geht man auf die Matte, um sein Ego aufzupolieren – wird man nichts lernen, man wird sich vielleicht für paar Minuten toll fühlen, aber sein Ki kriegt man bestimmt dadurch nicht unter Kontrolle. Und ich stelle allmählich fest, dass Ki bei Aikido (wie auch im Leben) das A und O ist. Nur Ki macht Irimi zu Irimi – das ist meine persönliche Erfahrung. Je besser ich mein Ki unter Kontrolle habe, desto kleiner wird die Wahrscheinlichkeit, dass ich überhaupt angegriffen werde und mich verteidigen muss.

    Ich sehe in dem Artikel Andeutungen auf die Selbstjustiz. Da bin ich ambivalent. Einerseits würde ich nicht die Hand ins Feuer dafür legen, dass ich selbst in einem oder anderem Fall, sehr gerne mit einem Baseball-Schläger irgendeinen miesen Typen … ihr wisst schon. Natürlich, ich habe das Recht mein Leben zu verteidigen. Aber ich habe absolut kein Recht über die anderen zu richten, egal wie abartig die sind. Denn wenn ich das machen würde, würde ich gleichzeitig behaupten, ich wäre besser als die. Und das geht nicht.

  2. Francisco

    Hallo an alle,

    Ich habe Peters und Grigorys Kommentare mit großer Begeisterung gelesen. Es sind Meinungen geäußert worden, die ich absolut teile. Ich meine auch Aikido hat etwas in sich, und sei es nur, dass es ähnlich denkende Menschen zusammenbringt und allein das finde ich schon faszinierend.

    Ich habe allerdings meine Zweifeln, Grigorys letzten Satz richtig verstanden zu haben. Es wird behauptet, Du hast überhaupt kein Recht, über die anderen zu richten, denn das würde bedeuten, du denkst du seiest besser als sie. Meinst Du damit, Du Grigory Fishilevich oder der Mensch Grigory im Allgemeinen? Wenn Du das erste meinst kann ich dazu nichts sagen. Wenn du aber das zweite meinen solltest bin ich persönlich einer anderen Meinung. Denn wenn wir Menschen nicht über andere richten, wer denn sonst? An einen Gott, der die Bösen in die Hölle wirft und die Guten zum Himmel einlädt glaube ich nicht. Wenn jemand eine Frau mit einem Messer attackiert und tödlich verletzt, bleibt uns nicht mehr übrig als über ihn zu richten. Ich bin sogar froh darüber, wenn er vor Gericht gestellt wird und dafür ins Gefängnis kommt. Ob die Staatsanwaltschaft behauptet, deswegen besser als der Täter zu sein sei dahin gestellt und ist m.E. trivial. Es sind die Regeln einer zivilisierten Gesellschaft, dass Menschen über anderen Menschen richten (müssen!). Ansonsten kann ich mir beim Besten Willen nicht vorstellen, wie das Ganze funktionieren sollte…

    P.S. Bitte entschuldige mich, falls ich Deinen Beitrag missverstanden habe

    Liebe Grüße
    Francisco

  3. Grigory

    Hi Francisco,

    ich bin da erstens wie gesagt etwas ambivalent, und zweitens meinte ich nur mich persönlich. Ich selbst sehe bei mir kein Recht über andere zu richten. Ich darf mich verteidigen, ich darf jemanden nicht mögen, ich darf jemanden meiden oder sogar im Notfall jemanden umbringen. Nur richten darf ich nicht.
    Es ist meine persönliche Meinung, die wie du siehst auch nur mich betrifft. Jeder kann das sehen wie er mag.
    Ich will niemanden was einreden und ich möchte auch dass mir nix eingeredet wird 😉

    Tja, und „wie das Ganze funktionieren sollte…“ … das weiß ich auch nicht. Funktioniert es denn jetzt?

  4. Grigory

    Noch ein kleiner Nachtrag an Francisco:
    Ich denke wir verstehen den Begriff „richten“ unterschiedlich. Genau erklären kann ich das aber nicht 😎

  5. Francisco

    Hallo Grigory,

    Wie ich sehe, meintest Du damit Dich selbst. Dazu habe ich oben gesagt, ich kann (und möchte) nichts dazu sagen (denn ich will über deine Meinung zu Dir selbst nicht „richten“ 😉
    Keine Panik, ich persönlich möchte Dir auch nix einreden, ich schreibe auch lediglich meine Meinung. Aber übrigens: habe ich von Dir nicht irgendwo gelesen, man soll immer im Leben „offen“ bleiben? Warum nicht auch für andere Meinungen? Du hörst dich gerade so an, als hättest Du eine in Dir fest gewurzelte Meinung und nichts auf der Welt könnte Dich davon abbringen, so zu denken…, aber das ist wieder (m-)eine Meinung.

    Jemand kommt mit einem Messer und attackiert Dich, daraufhin sagst Du, Du würdest ihn unter Umstände sogar umbringen, behauptest aber dabei Du würdest über ihn nicht richten, worauf basiert denn deine Entscheidung, dass er den Tod durch Dich verdient? In der Tat glaube ich, dass wir das Wort „richten“ etwas andere verstehen, vielleicht liegt es an meinem Sprachverständnis (ich werde das Wort nachschlagen).

    Einer versucht jemanden zu ermorden, er wird gefasst, verhaftet, vor Gericht gestellt und kommt ins Gefängnis. Bei einem Banküberfall kommt man auch nicht unbestraft davon, jemand, der seine Tochter 27 Jahre lang im Keller versteckt hält und vergewaltigt auch nicht. Also, ja, das System funktioniert, wenn Du mich fragst. Ist das ein ideales System, funktioniert es PERFEKT? Natürlich nicht, jedes System, wie jeder Mensch, hat auch seine Lücken, man sollte aber weder ein System noch einen Menschen deswegen verwerfen, bzw. verachten.

    Gruß
    Francisco

  6. Grigory

    Hi Francisco,

    sind wir mal wieder hier zu zweit am diskutieren, die anderen trauen sich wohl nicht 😛

    Also wenn jemand auf mich mit einem Messer zukommt und ich den umlege, dann ist das für mich kein Richten, denn ich mache mir keine Gedanken darüber warum er das macht, ob das richtig oder falsch ist etc. Das was ich mache – ich verteidige mein Leben. Die Frage, ob er den Tod verdient stellt sich gar nicht, es geht um mich und nicht um ihn. Ich habe das Recht zu überleben – was muss ich dafür tun?

    Kannst Du damit was anfangen?

    Gruß,
    Grigory

  7. Francisco

    Hi Grigory,

    Ja, die üblichen Verdächtigen wohl…
    Ich kann mit Deiner Erklärung viel anfangen. Ich verstehe schon was Du meinst und teile deine Meinung. Trotzdem bleibt bei mir eine Frage offen: gerade bei Aikido lernen wir, dass wir immer eine Wahl haben. Wenn Dir nichts anderes übrig bleibt, um Dein Leben zu bewahren teile ich 100% deinen Kommentar. Wenn du aber die Wahl hast zwischen z.B. ihn umlegen oder einfach festhalten, bzw. zum Teil verletzen und entscheidest Dich für das eine, meinst Du diese Entscheidung ist nur reflexartig? (Ich gebe es zu, vielleicht schon, vermutlich kann man sich in solch eine Situation in der Theorie viel einfacher versetzten aber im Realleben läuft es bestimmt ganz anderes (?)

    Ist einer von Euch jemals in so eine ähnliche Situation geraten? Ich hatte schon ein paar schlimme Erlebnisse aber ich glaube nicht so extrem…

    Gruß
    Francisco
    P.S. wo seid ihr alle??

  8. Grigory

    Hallo Francisco,

    also ich will nicht mutmaßen, eine reale Situation … ich weiß einfach nicht was ich da genau tun würde. Es gibt da zu viele Faktoren und ich stand noch nie vor einer solchen Entscheidung.

    Was Reflexe angeht, es ist ja nichts, was aus dem Nichts kommt. Ich denke wir können unsere Reflexe auch verändern, durch Do eben. Ich denke, es ist die Frage der Moral von einem, ob er nur verletzt oder tötet.

    Was Richten angeht, es ist für mich nicht an das Handeln gebunden. Es geht eher darum, dass Du z.B. schreibst Du glaubst nicht an Gott, der welche in Hölle oder Himmel schickt. Ich schon, vielleicht nicht direkt so, aber irgendwie schon. Und in diesem Fall darf ich nicht über Dich richten und mir selbst oder Dir sagen: Was für eine Scheiße .. blah blah blahh …
    Weil das eben Deine Sache ist. Solange Du nicht zu mir sagst: Was für ein Schwachsinn … blah blah blah…

    Ok?

  9. Hi Francisco,

    du hast nach einer Rückbindung an eine reale Situation gefragt. Die kriegst du: Ich war mit ein paar Freunden in Bruessel. Als wir abends auf dem heimweg, also zu einer Freundin, bei der wir für 3 Tage gewohnt haben, waren, kamen uns zwei Männer entgegen. Wir waren fünf. Es war ein hell erleuchteter Platz, weil einer meiner vier Freunde und ich mit unserer arg vorsichtigen Art darauf plädiert hatten, dunkle Wege zu meiden, obwohl wir 5 waren. Soweitsogut. Die zwei Männer sprachen uns an. Da wir alle 5 im französischen relative Sprachkrüppel sind, haben wir nicht viel verstanden, undobligatorisch ein Feuerzeug gezückt, weil wir schon von einigen Passanten nach Feuer gefragt worden waren. Das Interesse am Feuerzeug meines Freundes war verschwindet gering. Er griff zwar zu, und steckte es sich in die Tasche aber rasch folgten Sätze wie „C´est notre quartier“ also „das hier ist unser revier“ etc. Das verstanden wir, doch bevor wir uns vor den beiden, sehr betrunkenen Männern flüchten konnten, nahm der größere eine leere Martiniflasche, die dort auf dem Boden lag und zerschmetterte sie auf dem Boden, wobei er zugegebener Maßen nur arg knapp meinen Kopf verfehlt hatte. Und dann ging alles ganz schnell. Die Fäußste flogen, und da ganze lößte sich in 2 Zweikämpfe auf. wir drei andern standen völig perplex da und es dauerte bestimmt 10 Sekunden, bis uns einviel, wir könnten ja mal helfen. Ich wollte einen der Beiden von hinten angreifen, da er sehr mit einem meiner Freunde beschäftigt war, und nichts mehr bemerkte, weil er so betrunken war. Doch da spürte ich eine Hand auf meiner Schulter und ich wirbelte herum. Dort stand der zweite mit einer der Martinischerben und hielt mir diese unter die Nase. an der Stelle STOP.

    Hätte ich das Recht gehabt diesen Menschen in dieser Situation zu töten? Vielleicht ja, denn es bestand kaum ein anderer Ausweg für mich. Die zwei waren so betrunken, dass sie nichts mehr spürten. Einer von denen hatte von einem meiner Freunde, der ein sehr guter TaeKwonDo Kämpfer ist mehrere Tritte vor den Kopf kassiert. Ich weiß wie diese Tritte sich anfühlen, und ich bin auch schon mal durch so einen beim Training zu Boden gegangen. Aber die merkten wirklich nichts mehr. Außerdem hatte er eine Scherbe. Er wollte mich zumindest schwer verletzten wenn nciht sogar töten. Hätte ich das recht gehabt? Vielleicht ja.

    Wie dem auch sei ich bin froh, dass sich meine Instinkte anders entschieden. Ich verpasste dem Typen einen einzigen aber mit aller verzweifelten Kraft einen Tritt. Fragt mich nciht wohin ich erinnere mich nicht ich war vollgepumpt mit adrenalin. Und danach rannte ich. ich traute mich kaum mich nach meinen Freunden umzusehen. Ich weiß das war assozial aber ich hatte Todesanst. Für mich galt in diesem Moment „erst das Fressen, dann die Moral“. Das Fressen war in diesem Moment die Flucht vor dieser Scherbe. Die Moral meine Freunde. Glücklicherweise bemerkte ich irgendwann, dass alle vier ohne größere Verletzungen hinter mir liefen.

    Ich weiß nicht, ob das falsch von mir war. Manchmal wünsche ich, ich hätte meinen Freunden besser geholfen. Aber ich kann nichts dran ändern und letztendlich ist ja niemandem was passiert. Aber seine Reflexe zu verändern Grigory und da bin ich bei deinem letzen Beitrag. Das bedarf der Überwindung deiner Menschlichen Natur. Dafür wirst du bis zu deinem Tode brauchen. Ich habe erlebt, wie wenige Optionen man in so einer Situation hat. 2 Kämpfen oder Rennen. Und wenn du dich fürs Kämpfen entscheidest musst du das Konsequent durchziehen. Konsequenz in deiner entscheidung ist essentiell. Wenn du kämpst, kämpfe mit allem was du hast. Wenn du rennst, renne mit allem was du hast. Es hat keinen Sinn zu Kämpfen, und nach einigen eingesteckten Treffern sich fürs Rennen zu entscheiden. Du bist schon zu müde.

    Ich hätte mich damals entweder fürs direkt rennen oder fürs fertig machen des Kerls entscheiden müssen (falls ich das überhaupt geschafft hätte). Was nun richtig ist steht zur Debatte. Doch das was ich gemacht habe, war auf jeden Fall falsch.

    viele dank und bis denn

  10. Peter Roskothen

    Was-wäre-wenn-Situationen sind nicht lösbar. Sie sind in der Zukunft oder Vergangenheit. Insofern sind Eure Überlegungen alle nicht lösbar. Solche Wenn-Situationen waren schon bei Kriegsdienstgegnern verhaßt.

    Hilfreich sind Erfahrungen wie die von Tobi und es ist auch hilfreich zu analysieren, was man tun kann. Es ist immer eine gute Option zu rennen, denn oft sind Angreifer übermächtig. Den Helden zu spielen ist nur im Kopf wirklich einfach und meist gar keine gute Lösung. Insofern hast Du sicher alles richtig gemacht Tobi.

    Alkoholiker und andere drogenabhängige Angreifer sind nicht zu bändigen, weil sie oft keinen Schmerz fühlen. Dafür können sie eventuell nicht so schnell laufen.

    Um auf die Dame in Krefeld zurück zu kommen: die hat zwei Dinge sehr richtig gemacht: sie ist weggelaufen und hat um Hilfe geschien. Das hat ihr vermutlich das Leben gerettet.

    Beides kann man lernen. Und beides ist verdammt schwierig. Wie man sieht, wenn man jemanden auffordert so laut er kann zu rufen oder zu schreien. Klappt meist nicht. Auch das kann man beim Budo lernen.

    Kommen wir also auf die Tatami zurück und üben was das Zeug hält.

  11. Grigory

    Was Änderung der Reflexe angeht, sehe ich das auch so wie Tobias. Es ist nicht an einem Tag und nicht in 10 Jahren getan. Aber es geht, da bin ich mir sicher. Heidenarbeit, ja, aber machbar.
    Und die Was-wäre-wenn-Fragen sind in der Tät so theoretisch wie auch deren Lösungen.

  12. Francisco

    Hallo Tobi,

    Das ist eine sehr beeindruckende Geschichte und ich bin wirklich sehr froh, dass es für Dich gut ausgegangen ist. Ich finde, dass Du das einzig richtig gemacht hast, was man da machen konnte. Natürlich ist jede was-wäre-wenn Situation unlösbar, meine Frage (?) war insofern rein rhetorisch um etliche Gedanken ins Spiel zu bringen, ich erwarte keine richtige Antwort, denn die gibt es nicht.
    Von meinen eigenen Erfahrungen kann ich Euch erzählen, ich bin in Spanien mehrmals überfallen, bzw. angegriffen worden, mit Messern, Stöcke u.Ä. Meine Reaktionen damals waren, bevor ich vor lauter Angst anfangen konnte zu rennen und meine Schwäche gezeigt (ich dachte, dann bekomme ich richtig Ärger), mich mit den Angreiffern zunächst verbal konfrontieren und so tun, als könnte ich mich sogar wehren. Das hat sie immer offensichtig verunsichert, so dass es immer für mich gut gegangen ist. Das kann natürlich auch ein schwerer Fehler sein, wenn man blufft und der gegenüber ein richtig böser Bube ist, aber wie Tobi schon sehr richtig sagte, daran lässt sich nichts mehr ändern. Ein Mal in Ägypten um 4 Uhr nachts haben mir drei Soldaten einen Kalatschnikow vor der Nase gehalten nachdem einer meine damalige Freundin packen wollte und uns aufgefordert, ihnen zu folgen. Da hilft weder bluffen noch sich wehren, also hatten wir das Glück, als sie eine Sekunde nicht aufgepasst hatten, ganz schnell in ein zum Glück geöffnetes Hotel hineinzurennen, wo sie sich nicht mehr getraut haben…
    Ich hatte andere unschöne Erfahrungen aber das wäre vielleicht Stoff für einen neuen Artikel über uns alle.

    Soviel zum Thema Realleben. Ich denke auch, keiner weiß genau, wie man auf eine bestimmte ungewöhnte Gewaltsituation reagiert (vielleicht Polizisten, Türsteher, usw. ausgenommen). Ich bleibe beim Peters Satz: vieles kann man in Budo lernen und Kommen wir also auf die Tatami zurück und üben was das Zeug hält. Ich bin dabei!

    In diesem Sinne
    Bis später!!

    Grüß

  13. Hallo zusammen,

    zum Thema Realleben kann ich auch einige Stories beitragen, in denen ich während meiner nächtlichen LKW-Fahrten – unter anderem auch im Frankfurter Rotlichtviertel- mich verteidigen mußte. In einer solchen Situation funktionieren die Reflexe ganz gut und man kann handeln ohne großes Nachdenken. Mein damaliger Lehrer (Karate-Do)vertrat die Ansicht, daß wenn man schon gezwungen wurde zu kämpfen, dann muß man dies auch mit aller Konsequenz zu Ende bringen. Und so sehe ich es auch.
    Doch dies ist nun 15 Jahre her und die körperliche Fitniss ist zurück und das Körpergewicht leider rauf gegangen. Daher denke ich, daß hier Aikido als eine der wenigen Kampfkünste die Möglichkeit bietet, durch Aufmerksamkeit und Technik solche Situationen zu überstehen. Und wenn dabei auch die Finger oder andere Gelenke des Angreifers gebrochen werden, dann ist das eben so. Ich hätte da keine Gewissensbisse. Aber bitte nicht falsch verstehen: Lieber die nächsten 20 Jahre Aikido trainiert und es passiert nichts als daß durch fehlende Aufmerksamkeit gleich morgen der Bär tanzt.

    In diesem Sinne bis heute abend auf der Matte
    LG Jörg

  14. Guter Artikel, leider erst jetzt gefunden. Wir hören das auch immer wieder. Das grösste Problem ist aber, dass Frauen nicht wirklich nein sagen können… So richtig NEIN sagen braucht etwas, ein bisschen aus sich heraus gehen, aggressiv wirken… das fehlt leider auch bei den meisten Anbietern im Programm, die geistige Seite und die Theorie.

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte eingeben um Spam zu verhindern*: * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Scroll Up