Offener Geist
Peter Roskothen | 29. April 2008 Enttäuschungen sind nur dann möglich, wenn wir Erwartungen haben. Davon hat der Mensch reichlich: an den Partner, an die Umwelt, die Arbeit, sogar an das Fernsehen und ganz selten sogar an sich selbst. Immer wieder wird der Mensch vermeintlich enttäuscht. Beobachte das Gesicht Deines Gegenübers als sei es in Zeitlupe und es wird die Wahrheit sprechen.
Dabei ist das Ego ein großer Bestandteil von Enttäuschungen, denn es dreht sich am liebsten um sich selber. Das Ego ist gleichzeitig eines der Dinge, welches uns wenig vom Tier unterscheidet und bei näherem Hinsehen wohl zu der Überzeugung führen kann, daß der Mensch nur eine Art Gattung der Tiere ist. Auch ein Pferd kümmert sich in erster Linie um sich selbst, seine Nahrung, Bewegung, sein Liebesleben. Dann interessiert sich das Pferd für andere Pferde und nur ganz am Rande um den Menschen, der es glaubt zu besitzen. Auch kümmert es sich wenig um die Ameise unter seinem Huf.
Auch das etwas andere Tier erwartet immer wieder dasselbe, deshalb fährt er zig Male an denselben Ort in Urlaub und wechselt nur ungern seine Arbeitgeber. Viel hat das sicher auch mit Ängsten zu tun. Nur wer im Jetzt lebt und einen offenen Geist schafft, wird aus neuen Situationen auch positive Dinge gewinnen. Vermeintliche Enttäuschungen sind dann dazu da, eine neue Richtung zu gehen, etwas besser zu machen, etwas zu erleben und zu entdecken. So kann ein anderer Lehrer, eine andere Umgebung, ein anderer Arbeitgeber doch immer eine neue positive Erfahrung sein.
Verantwortung mit anderen ist allerdings der Grund sich nicht mutwillig auf Neues einzulassen. Allerdings wird jeder zugeben, daß jenes, was man erwartet, nie eintrifft, es nie so ist, wie man es erwartet oder wie es sein sollte oder könnte. Immer ist es auch ein Täuschung und Nichts ist so wie es scheint. Es sind zu viele Menschen, die einen anlächeln und hinter deren Fassade eine Zerstörung steckt. Zu viele Anscheine, die uns etwas vorgaukeln und die von einer anderen Richtung besehen, einen ganz anderen Eindruck hinterlassen. Wo ist die Wahrheit? Sie ist ständig eine andere. Sich darauf einzulassen ist ungemein schwierig, noch schwieriger ist es bewusst auf sie zu zu gehen und sie anzupacken. Diesen Vorgang kann man vermutlich auch gut als Aikido bezeichnen. Es gibt sogar einen japanischen Ausdruck dafür.
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