Grundlagen des Aikidos
1. Ki – Lebensenergie
Ki – die kosmische Lebensenergie – funktioniert ungefähr wie der Atem, man kann es beschreiben als Atem vor dem Atem, die eigentliche lebensspendende Essenz. Wenn wir atmen, sind der Sauerstoff, den wir aufnehmen und das Kohlendioxid, das wir abgeben in einem ständigen, lebensnotwendigen Kreislauf. Der Sauerstoff verbirgt sich in der Luft. Ähnlich ist auch das Ki versteckt, vor und außerhalb der Luft die wir atmen.
Man wusste früher nichts von der Existenz und Funktion des Sauerstoffs, aber man konnte natürlich die lebenswichtige Bedeutung des Atems erkennen. Es war plausibel sich eine verborgene Essenz in der Luft vorzustellen, eine Lebenskraft, die ständig durch uns fließen muss, damit wir uns am Leben erhalten können. Und doch ist das weit entfernt von allem, was Ki aus der asiatischen Perspektive darstellt. Für das Ki existieren nicht die Begrenzungen, die für den Sauerstoff gelten. Zum Beispiel muss das Ki nicht dem Weg der Luft durch Nase oder Mund in die Lungen folgen, um dann wie Sauerstoff im Körper verteilt zu werden. Vielmehr kann Ki durch den Menschen in jede Richtung fließen – hinein durch die Fußsohlen und Handflächen, hinaus durch die Fingerspitzen oder die Stirn oder den Brustkorb. Ki bündelt alle Wahrnehmungen der Sinne in einem Strahl von Aufmerksamkeit.
MehrJoshin Kokyû-hô
Joshin Kokyû-hô
(Der geistreinigende Atem, gesprochen: [joschin-kokju-ho:])
- Es wird durch die Nase eingeatmet, und gleichzeitig visualisiert, wie das Ki durch das Kronen-Chakra an der Kopf-Oberseite hereinströmt.
- Geatmet wird bis in den Tanden (von dem chinesischen Wort Tantien, kurz unterhalb des Nabels).
- Eine kurze Pause, in der sich die Energie im Körper ausbreitet…
… um dann beim Ausatmen an den Hand- und Fuß-Chakren wieder hinauszuströmen.
Das korrekte Atmen ist eine sehr mächtige Methode, um die Energie zu verstärken und stellt die Basis aller Aikidotechniken dar. Sofort strömt das Ki stärker und harmonischer und der Geist ist in der Lage sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wir sind es leider viel zu sehr gewohnt, nur flach und kaum sichtbar im Brustbereich zu atmen, so dass es am Anfang eine sehr bewusste Achtsamkeit erfordert, Joshin Kokyû-hô korrekt auszuführen. Aber dafür ist die spontane Wirkung ist um so wohltutender. Am angenehmsten und am energetisch förderlichsten ist die Übung, wenn der Mund leicht geöffnet bleibt und nur die Zunge die Regulation des Luftweges übernimmt: beim durch-die-Nase-atmen legt man sie an die Gaumendecke, wodurch sich auch der energetische Kreislauf schließt, beim Ausatmen fällt sie in ihre normale Position zurück.Da das Bewusstsein die Energie lenkt, ist die besprochene Visualisierung sehr wichtig, denn nur so kann diese Methode ihre volle Wirkung entfalten. Die Atmung sollte sich nicht verkrampfen, es ist kein gewaltsames, tiefes Atmen oder eine Veränderung des Rhythmus notwendig. Es ist auch nicht nötig zu übertreiben und die Pause zwischen den Atemzügen zu verlängern oder übermäßig zu regulieren. Die Luft und das Ki werden lediglich in die richtigen Bahnen gelenkt. Gerade Anfänger begeistern sich schnell für Joshin Kokyû-hô, da Ki durch die zunehmende Intensität wesentlich besser für sie zu erfühlen ist und außerdem wird das Ego dadurch ein wenig gebremst, was für die Ausübung von Aikido von entscheidener Bedeutung ist.
