Budo vs. Gala

So genannte Budogalas sind Vorführungen, auf denen so genannte Meister Ihre Kampfsportarten darbieten. Es wird gesprungen, getreten, und vorgeführt bis zum Umfallen. Auch Waffentechniken werden präsentiert. Viele der Kampfsportler zeigen große Gelenkigkeit und Geschick bei diesen Vorführungen. Es werden interessante Techniken gezeigt und gepost bis zum Abwinken.

Die teils wirklich großartigen Sportler haben dabei aber mit Sicherheit nichts mit Budo zu tun. Der Begriff Budogala ist ein Widerspruch in sich. Ein Budoka würde niemals versuchen gut auszusehen um seinem Ego etwas Gutes zu tun. Einem wirklichen Budoka ist es nicht wichtig nach außen gut auszusehen, sondern zu sich selber zu finden und anderen zu helfen.

Ich möchte jetzt nicht behaupten, daß viele Vereine nicht einfach ohne bösen Vorsatz einen Tag der offenen Türe als “Budogala” bezeichnen, um Ihre Kampfkünste oder Kampfsportarten zu präsentieren und auf dise Art und Weise transparent zu machen. Die Zuschauer sehen allerdings meist mit großen Augen zu und würden es nicht im Traume wagen, das Training auch nur zu beginnen, denn sie fürchten sich vor den Sprüngen, den Rollen und vor allem davor schlecht auszusehen. Und natürlich ist nach einem langen Arbeitstag und viel Familie auch Ruhe auf der Couch angesagt.

Es ist gut, die Kampfkünste oder Kampfsportarten den Menschen näher zu bringen, um anderen Menschen eine Option für Sport, Meditation, Kampfkunst und sogar für Budo zu geben. Es aber Budogala zu nennen ist ein großes Mißverständnis des Begriffes “Budo”.

Wahre Budoka sind demütig und bescheiden, eben ganz anders als viele populäre Knochenbrecher und Kickboxer im Fernsehen. Tatsächlich ist Budo ein Weg des Friedens, der Kampfvermeidung und dient dazu, aus mir selber einen besseren Menschen zu machen. Das bedeutet: einen Menschen mit weniger Angst aber mit viel Respekt aus mir zu machen. Einen Menschen aus mir zu machen, der nicht Geiz geil findet, sondern der gerne gibt und nichts deshalb zurück erwartet. Einen Menschen aus mir zu machen, der wenige Erwartungen hat und damit auch weniger Enttäuschungen erleben kann. Einen Menschen, der Mitgefühl nicht mit Mitleid verwechselt und die Würde anderer respektiert.

Das alles ist ein weit verbreitetes Wissen, aber wer handelt danach und wer lebt es vor? Und wer geht schon regelmäßig über Jahre hinweg zum Training, quält sich selber durch Techniken ohne Erwartungen? Wer hat das Vertrauen in seine Senseis, ihr/ihm von Herzen das Richtige beizubringen?

Wir leben zur Zeit in einer Gesellschaft, die sich in großen Teilen nicht mehr um Güte, sondern um maximalen egoistischen Profit kümmert. Und danach zur Kirche geht, um die Absolution zu erhalten und nicht in der Hölle zu landen.

Dagegen gibt es neben anderen Möglichkeiten ein Mittel: Budo mit Menschen, die sich aufmachen und zu geben bereit sind. Es ist allerdings ein harter, langer Weg, den kaum jemand durchhält und zu gehen bereit ist. Es sind nur wenige Schüler, die eine harte Schule lange durchhalten, die Demut fordert und Respekt und Mitgefühl und Loyalität und lauter so “altmodische Dinge”.

Wer sich nie vor einer Kamiza verbeugt hat und nicht weiß, warum man Respekt vor Dingen, Tieren und Menschen haben sollte, der wird sich niemals im Budo wiederfinden, sondern maximal in einem Kampfsport. Der Kampfsport kann gutes Seiten haben, das möchte keiner bestreiten. Aber es ist deutlich zu spüren, daß die Menschen sich wieder sehnen ihre Mitte zu finden, mehr als Bewegungen und Techniken zur Selbstverteiligung zu erfahren (die Budo auch bereit stellt), sowie über die Dinge im Leben nachzudenken und zum Einklang zu kommen.

Um es zum Schluss dieser Worte noch einmal zu betonen: ich denke nichts Schlechtes über Kampfsport, Wettkämpfe oder Shows. Auch nicht über Menschen, die lieber auf der Couch sitzen. Das ist jedermans Sache und Entscheidung. Die Begriffe “Budo” und “Gala” jedoch passen so gar nicht zusammen.

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Aikido ist kein Sport

Aikido mit “Sport” oder “Kampfsport” zu bezeichnen ist falsch. Budo (der Oberbegriff für Wegkünste) war und ist in seiner wahren Form niemals Sport, sondern hat lediglich einen sportlichen Anteil.

Schon O´Sensei (der Erfinder von Aikido) hat festgestellt, daß es im Bujitsu (daraus entstand dann später Budo) immer um das Leben und den Tod ging, nicht jedoch um Zeitvertreib. Sport ist eine Jubelveranstaltung, eine Veranstaltung um zu gewinnen, um das Ego zu befriedigen. Sport hat mit Wettbewerb zu tun, mit Beckerfaust mit Kampf und Siegen. Deshalb gibt es dort auch so viele Verlierer, die nicht auf das Verlieren vorbereitet wurden.

Aikido oder auch Tai-Chi und ähnliche Künste als Sport zu bezeichnen ist einfach falsch verstanden. Im Aikido wie in allen echten Wegkünsten geht es um Tugenden, Respekt, Mitgefühl, Liebe, Frieden, Meditation, Konzentration, Ki-Fluß, Spiritualität, das Miteinander und vieles mehr. Es geht um Friedfertigkeit und Selbstbeherschung. All das sind oft (nicht immer) die Gegenteile von Wettkampf-Sport. Die Verirrungen in der Sprache sind schlimm und verwirrend, denn so werden auch Sportarten wie Kickboxen in eine Schublade mit Budo geschoben, obwohl sie dort (je nach Intention und Lehrer) überhaupt nicht hingehören. Die vielleicht schönste knappe Beschreibung von Aikido oder Budo ist “Kampfvermeidungskunst“. Man kann sicher Bücher über die genauen Bezeichnungen schreiben, am besten jedoch macht man Aikido und lernt so was es wirklich ist: das Arbeiten an sich selber.

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