Aikido – “moving Zen”?
Wenn man im Internet unter dem Stichwort “Aikido” surft, so findet man immer wieder Text-Passagen, die Aikido lediglich als eine Mediationsform in Bewegung darstellen. Im folgenden wird versucht, die Gemeinsamkeiten aber auch die Unterschiede zwischen Aikido und Zen zu beschreiben.
1. Zen ist der weglose Weg, das torlose Tor.
1.1.Lehre
Oft wird gesagt, dass Zen „nichts“ biete: keine Lehre, kein Geheimnis, keine Antworten. Es bedeutet, das Leben zu leben – in seiner ganzen Fülle. Der unmittelbare Zugang zu diesem Einfachsten ist dem Verstandeswesen Mensch jedoch versperrt – es scheint so, als ob die niemals schweigende Stimme der Gedanken ihn durch hartnäckige Ideen und urteilende Vorstellungen blockiere. Die permanente Beschäftigung mit sich selbst, die schützende Ich-Bezogenheit jedes einzelnen verursacht immer wieder nur neues Leiden (Dukkha). Zen kann diese Verwirrung lösen – zuletzt vermag man sogar zu essen, wenn man hungrig ist, zu schlafen, wenn man müde ist. Zen zielt immer auf die Erfahrung und das Handeln im gegenwärtigen Augenblick, und umfaßt auf diese Weise die ganze Palette der menschlichen Existenz: Gefühl, Denken, Empfinden usw..
Zen besitzt aber auch philosophisch-religiöse Aspekte und historisch gewachsene Lehren, wie etwa in der Sōtō- bzw. Rinzai-Richtung. Diese kann man – wenn sie auch zur subjektiven Erfahrung des Zen nicht unbedingt notwendig sind – selbstverständlich mit Worten beschreiben.
MehrAikido ist kein Sport
Aikido mit “Sport” oder “Kampfsport” zu bezeichnen ist falsch. Budo (der Oberbegriff für Wegkünste) war und ist in seiner wahren Form niemals Sport, sondern hat lediglich einen sportlichen Anteil.
Schon O´Sensei (der Erfinder von Aikido) hat festgestellt, daß es im Bujitsu (daraus entstand dann später Budo) immer um das Leben und den Tod ging, nicht jedoch um Zeitvertreib. Sport ist eine Jubelveranstaltung, eine Veranstaltung um zu gewinnen, um das Ego zu befriedigen. Sport hat mit Wettbewerb zu tun, mit Beckerfaust mit Kampf und Siegen. Deshalb gibt es dort auch so viele Verlierer, die nicht auf das Verlieren vorbereitet wurden.
Aikido oder auch Tai-Chi und ähnliche Künste als Sport zu bezeichnen ist einfach falsch verstanden. Im Aikido wie in allen echten Wegkünsten geht es um Tugenden, Respekt, Mitgefühl, Liebe, Frieden, Meditation, Konzentration, Ki-Fluß, Spiritualität, das Miteinander und vieles mehr. Es geht um Friedfertigkeit und Selbstbeherschung. All das sind oft (nicht immer) die Gegenteile von Wettkampf-Sport. Die Verirrungen in der Sprache sind schlimm und verwirrend, denn so werden auch Sportarten wie Kickboxen in eine Schublade mit Budo geschoben, obwohl sie dort (je nach Intention und Lehrer) überhaupt nicht hingehören. Die vielleicht schönste knappe Beschreibung von Aikido oder Budo ist “Kampfvermeidungskunst“. Man kann sicher Bücher über die genauen Bezeichnungen schreiben, am besten jedoch macht man Aikido und lernt so was es wirklich ist: das Arbeiten an sich selber.
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