Rei – Die Höflichkeit in den Kampfkünsten als Weg zur inneren Stärke

Was bedeutet Rei in den Kampfkünsten? Zumeist wird dieses japanische Ideogramm mit „Höflichkeit“, „Etikette“, „Respekt“ oder „Ehrerbietung“ übersetzt. Dies ist terminologisch sicher richtig, bezeichnet jedoch nicht korrekt die Bedeutung in seiner Gesamtheit.

Wozu verbeugt man sich im Training einer Weglehre (Budo) vor dem Stilgründer und seinen Mittrainierenden denn? Dieser Verbeugungen, Shihan – ni – rei und Otagi – ni – rei, zeigen mehr als nur den Respekt voreinander, wie in „sportifizierten“ Budokünsten, wie der heute oft als Wettkampfsport ausgelegten ehemaligen „Weglehre der Sanftheit“, besser bekannt unter dem Namen „Judo“.

Grade das Shihan – ni – rei, dass nach außen wie eine nebensächliche, routineartige und nur in der Tradition begründete Ehrerbietung dem Stilbegründer gegenüber aussieht, ist tatsächlich eine im Budo grundlegende Übung zur Demut. Allein das demütige Verhalten und der ernst gemeinte Respekt kann im Budo zur richtigen inneren Haltung führen, die jeder zur erlernenden Technik voraus gehen muss, da eine formvollendete Technik ohne richtige Haltung zur gefährlichen Waffe gegenüber dem Umfeld des Übenden wird, wenn er das Erlernen einer schadenanrichtenden Technik über das Erlernen der rechten Haltung, die die Technik bändigen muss, stellt.

Ohne den ehrlichen Respekt ausgedrückt durch die Verbeugung also das Rei kann also kein ernsthafter Kampfkunstübender trainieren, da ohne Respekt keine Kampfkunst als Kampfvermeidungskunst und Weglehre existieren kann.

Der okinawaische Karate-Do Großmeister Funakoshi stellte daher an die erste Stelle seiner Shoto – niju – kun also die 20 Regeln des von ihm begründeten Shoto – kan – ryu – karate – do die Formulierung „ Karate – do beginnt mit Respekt und endet mit Respekt“.

Mit diesen Worten drückt Meister Funakoshi gleichzeitig die grundsätzliche Philosophie aus, die sch im Aikido durch die Silbe „Ai“ (jap. für „Liebe“, „Harmonie“) manifestiert.

Ohne den hier ausgedrückten Respekt kann kein Fortschritt erreicht werden, da man zu jedwedem Angreifer eine Verbindung herstellen muss (Zanshin) um ihn verstehen zu können, damit eine Verteidigung im Sinne des Aikido stattfinden kann.

Nicht Zerstörung sondern Zan-shin führt zum Ende des Konflikts. Die Einsicht stoppt den Angreifer, da das Gewissen die letztendliche Instanz jedes Entscheidungsprozesses ist.

Demut und Respekt führen allein zur liebenden Macht, die jeden Konflikt im Keim erstickt.

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Zanshin & Mushin

Angela hat in Ihrem Artikel den Begriff “Zanshin” schon einmal erläutert. Hier ist noch einmal ein Versuch Zanshin zu erläutern und gegen Mushin abzugrenzen:

Liest man bei Sensei Phong Thong Dang und Lynn Seiser nach, so erfährt man folgendes (übersetzt aus dem Englischen):

“Zanshin ist die bleibende Verbindung, die noch lange nach der Ausführung der Technik besteht. Zanshin ist die Fähigkeit eine Verbindung einzugehen und zu halten. Zanshin ist das, was man als Leser dieses Buches hinterher mitnimmt.”

Es ist wohl genau das, was auch bei einer Teezeremonie statt findet und während und nach einem Aikido-Training da sein sollte: daß man sich verbindet mit seinem Gegenüber, daß es kein abruptes Ende nimmt, sondern daß man verbunden bleibt und sich weiter mit seinem Gast oder Meister (Teezeremonie) bzw. seinen Mitschülern und Lehrern (Aikido) verbunden hält. Nur mit der Verbindung funktionieren auch die Techniken am besten und man bleibt beim Partner/Gegner auch nach der Technik. Das hat auch den Grund des Bewachens, des Überprüfens, ob der Parnter/Gegner wieder angreift. Aber auch den Grund des Respektes.

Im Film “Der letzte Samurai” wird Tom Cruise in einer dunklen Straße von vier oder fünf Schwerkämpfern überrascht. Er tötet alle bis auf einen sofort und ist hinterher noch in Gedanken bei Ihnen. Er erinnert sich an die gesamte Szene. Eine Art Respekt und Verbindung. Ich vermute, daß die Szene Zanshin vermitteln möchte. Einer der Angreifer lebt noch und erhebt sich wieder und Tom Cruise merkt dies auch mit zugewandtem Rücken durch die Verbindung – Zanshin.

Ebenfalls ist eine Deutung von Mushin ist in dem Film vertreten bei einer Kampfszene mit bokken (Holzschwert). Dort sagt der junge Mann (der in Wirklichkeit ein sehr guter Budoka ist) zu Tom Cruise:
“No mind.” Er deutet auf die Umstehenden und sagt er solle alles um ihn herum vergessen, um die Technik perfekt auszuführen.

Mushin bedeutet leerer Geist, sich zu vergessen, sich zu leeren. Das ist vergleichbar mit der Teezeremonie (Chado). Auch dort versucht man den sehr schwierigen Zustand von Mushin zu erreichen. Und auch dort spielt Zanshin eine große Rolle. Es gibt viele Arten von DO, die alle diese Begriffe und Inhalte vermitteln und mit ihnen leben: Bu-do, Cha-do, Ken-do, Karate-do, Kyu-do, Ai-ki-do und etliche Künste mehr, wenn sie gut ausgeführt werden und nicht dem Wettkampf, Gürtelfarben oder Punkten dienen.

Bei der Recherche hat uns Akiko-san sehr geholfen. Akiko-san ist Meisterin der Edosenke-Teezeremonie und wir bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen!

Sollten wir hier etwas falsch erläutert haben, oder Sie haben beim Lesen Ergänzungen gefunden, wären wir sehr dankbar für Kommentare. Danke!

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Budogala Juni 2007 – Aikido Videos

Das Aikido-Shingen-Dojo im TV-Vorst ist eine sehr junge Aikido-Schule. Alle Schüler sind Anfänger und haben in wenigen Monaten viel gelernt. Am Anfang werden bei uns im Aikido spezifische Gymnastik zum Warmmachen, Rollen und Basistechniken gelernt. Diese können auch schon als sehr effektive Selbstverteidigung dienen.
Was anfangs ausschließlich nach Selbstverteidigung aussieht, schult aber vor allem auch die Wahrnehmung, die Ethik, die Aufmerksamkeit, die Toleranz, das Miteinander und die Disziplin und Etikette der Teilnehmer. Diese helfen im gesamten alltäglichen Leben bei Aufgaben wie der Arbeitssuche, jeder Aufgabenbewältigung, einer Krankheit und sogar anderen schwierigen Herausforderungen.
Aikido ist für alle Menschen – Kinder, Frauen, Männer – ab 6 Jahren geeignet. Ein Einstieg auch in späteren Jahren ohne Vorkenntnisse ist jederzeit möglich. Die Trainer Geraldine und Peter haben mit 36 und 38 Jahren mit Aikido begonnen. Der Erfinder des Aikido Morihei Ueshiba war mit etwa 60 Jahren auf der Höhe seiner Fähigkeiten.
Aikido ist eine rein defensive Kampfvermeidungskunst. Es ist kein Sport, denn es dient nicht dem Spaß oder dem Wettkampf. Es gibt beim Aikido keine Wettkämpfe und im Shingen-Dojo wird auch auf Graduierungen verzichtet. Um Graduierungen und Urkunden geht es beim Aikido aber überhaupt nicht.

Das Aikido-Shingen-Dojo zeigte auf der Budogala einen Ausschnitt aus dem ganz normalen Trainingsalltag. Hierbei werden die Übungen durch die Trainer gezeigt und von den Schülern geübt. Alle haben sich vor der Vorführung ausgiebig zusammen warm gemacht:

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Waffentraining im Aikido

Im Aikido sind neben dem waffenlosen Training (Taijutsu), auch Aikijo (Training mit dem jo) und Aikiken (Training mit dem bokken) Trainingsinhalte. Wir trainieren in Vorst diese und weitere Waffen (tanto, iaito) regelmäßig. Das Üben mit bokken (Holzschwert) und dem jo (Holzstock) trägt viel zum Verständnis des waffenlosen Taijutsu bei, denn hier kann sehr gut das richtige Timing und der richtige Abstand (maiai) geübt werden. Viele der Bewegungen helfen dem Verständnis für den Bewegungsablauf im waffenlosen Training. Manch einer der sich mit Techniken des Taijutsu schwer tut, kann durch Aikijo oder Aikiken dazulernen.

Gelernt werden kihon (Grundtechniken) katas; eine Bewegungsabfolge von Angriffen und Abwehren. Beides sieht von außen nach Show oder Choreographie aus, ist aber vor allem im partnerschaftlichen Umgang des Trainings eine Notwendigkeit, weil ein freies Training selbst bei sehr erfahrenen Aikidoka ein großes Verletzungsrisiko böte.

Alle Waffen genießen im Aikido größtmöglichen Respekt. Wer die Grundregeln der Etikette nicht lernt und diese nicht in sein Herz einschließt, wird sich oder andere unweigerlich verletzen und großen Schaden zufügen. Die Etikette ist nicht nur im Aikido die Form, ohne die Inhalte nicht gelernt werden kann. Allerdings ist in unserer Überzeugung nur eine echte Etikette, die von Herzen kommt, in der Lage die Aufnahmefähigkeit für die Inhalte zu erlangen. Im gesamten Waffentraining geht es nicht um die Befriedigung des Egos durch Angriffe oder ein Siegen, sondern um ganz andere Werte, die sich jedem erschließen, der genau aufpasst. In guten Akidoschulen wird nur im verantwortlichen Miteinander gelernt. Die soziale Komponente steht ganz weit vorne. Ohne die nötige Ethik und die Wertevorstellungen ist kein Waffentraining möglich, welches sowieso erst von fortgeschritteneren Schülern erlernt werden darf.

bokken jo aikijo aikiken

Es geht wie im waffenlosen Training bei beiden Waffenübungen immer um das Schleifen des Charakters und nie um Zerstörung. Vorraussetzung für alle Waffenübungen sind größtmögliche Konzentration und Zanshin, beides tolle Fähigkeiten auch für das Leben insgesamt, die auch durch Aikijo und Aikiken erlernt werden. Verantwortlichkeit, welche in der heutigen Gesellschaft kaum noch vorkommt, wird vor allem auch beim Umgang mit Waffen vorausgesetzt und gelehrt.

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