Zanshin (“der Geist, der unbeweglich bleibt”)

Das Leben im Allgemeinen lässt sich mit dem Improvisationstheater vergleichen. Der Schauspieler steht auf der Bühne, nicht wissend, was er tun oder sagen wird. Alles hängt von der Zusammenarbeit der Darsteller ab. Erwartet unser Protagonist eine Aktion von seinem Gegenüber und diese bleibt aus, so ist die Pointe futsch.
Dieses Bild kann auf alle Lebenssituationen übertragen werden. Und immer wieder wird sich das gleiche Problem einstellen. Etwas nicht erwartetes geschieht und unser Verstand versucht zu reagieren, was in den meisten Fällen viel zu viel Zeit in Anspruch nimmt.
Aber was macht den Samurai, den wir aus Filmen kennen so “überlegen”? Er scheint wie ein Hellseher die Dinge vorauszuahnen. Nach außen hin wirkt er ruhig und ausgeglichen, das ist die körperliche Komponente von zanshin. Denn keiner könnte es aushalten über längere Zeit in Kamae zu verharren, bis eventuell ein Angriff kommen könnte – Kraftverschwendung.
Genauso gelassen wie der Körper ist auch der Geist. Man ist so aufmerksam und konzentriert, dass einen nichts mehr überraschen kann. Kein Gedanke hat die Macht einen zu fesseln, so dass man nicht mit einer bestimmten Absicht reagiert, sondern mit den Ereignissen agiert.
Zanshin ist also eine Art Werkzeug für das Leben. Aber wie lernt man das?
Budo im Allgemeinen und Aikido in Besonderen geben Hilfestellung beim Impro-Stück, genannt “Leben”. Im Dojo gibt es die Möglichkeit, unter kontrollierten Bedingungen zanshin zu finden.
Zuerst ist ganze Konzentration beim Beobachten und Anwenden der Techniken oder der Etikette von Nöten. Dies lässt im Laufe des Trainings auch keinen Platz mehr für andere Gedanken. Der Geist wird nach und nach leer; zuerst verschwinden die Alltagsgedanken und nach einiger Übung auch das Nachdenken über die erlernte Technik. Zu diesem Zeitpunkt ist der Budoka schon sehr weit. Übt er weiter und verfeinert das Erlernte, wird seine Aufmerksamkeit so weit reifen, dass ihn weder beim Randori, noch im Leben etwas hilflos oder mundtot machen kann.
Also steckt in uns allen irgendwo ein Samurai, auch wenn der Weg zu ihm weit und beschwerlich ist.

1 Kommentar

  1. zanshin wird im dem augenblick perfekt wenn die ich -illusion aufgelöst wird. dann ist kein anhaften an irgendetwas mehr vorhanden, weder an technik noch am körper. niemand ist mehr da, der überhaupt getroffen werden könnte und der geist ist weit, offen und unbegrenzt.

    „offene weite, nichts von heilig“ Bodhidharma

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