Aikido-Training beenden

Es ist für einen Lehrer klar zu erkennen, wer sich im Aikido/Budo Mühe gibt und wer nicht. Dabei kann jeder lernen, der offen ist für neue Ideen, der sich lösen kann von Konventionen und bereit ist, viel Arbeit zu investieren, denn Budo ist hart. Sehr hart sogar und deshalb sind auch nur wenige Schüler im Budo zu finden (wir reden hier nicht von Kampfsport). Auch zu erkennen ist, wer in Kürze aufhört zu trainieren (man kann als Lehrer fast den Tag vorhersagen) und wer weitermacht. Oft ist es nur ein Gefühl, ein sechster Sinn, welcher mir sagt: dieser Artikel, dieses Gespräch ist ein Ende des gemeinsamen Weges. Das ist natürlich überhaupt nicht schlimm, wenn der Mit-Schüler nur nicht bei jedem Aufhören anfangen würde Fehler zu machen. Ein Hauptfehler ist es zu provozieren, um dann einen Grund zu erhalten, warum man aufhört. Das ist für einen Lehrer ziemlich langweilig und durchsichtig, weil es in aller Regelmäßigkeit passiert. Und es ist unnötig, weil man bei uns prima aufhören kann, ohne irgendwelche negativen Kritiken erwarten zu müssen. Weder live noch hintenherum. Wir halten alle Türen offen, für jeden der gerne bei uns mittrainieren möchte und bereit ist, sich einzubringen. Das gilt  für Ehemalige und vor allem für solche, die etwas Vermissen, jenen Menschen, denen nach dem Aufhören des aktiven Trainings etwas Entscheidendes fehlt.

Von unserer Seite her gibt es keine Verständnisschwierigkeiten, denn jeder hat andere Prioritäten, ein anderes Herangehen, andere Umgebungsvariablen, ein anderes Leben, eine andere Wahrheit. Zu viel Reden und Nachdenken bringt uns oft ab von dem wirklichen Weg, der mit der Liebe anfängt und mit der Liebe aufhört. Liebe bedeutet eben auch Toleranz zu leben.

Es ist manchmal schwieriger Aufzuhören, als Weiterzumachen. Viele Menschen tun sich schwer mit einem Wechsel der Lebenssituationen. Ganz besonders schwierig ist es mit einem Budo-Training aufzuhören. Man kennt viele der Mittrainierenden seit langer Zeit und wird sie vermissen. Man merkt beim Aufhören sogar oft schmerzlich, wie sehr einem das Training fehlt und wie schnell man nicht mehr fit ist. Am meisten fehlt einem eventuell der Ausgleich zum Arbeitsleben oder der körperliche Anteil von Budo. Gerade vor wenigen Tagen erzählten uns ehemalige Schüler, die in einem anderen Dojo wieder anfingen zu Trainieren, daß die Aufmerksamkeit schnell nachgelassen hatte. Man kann viele der Techniken, die vorne gezeigt werden, nicht mehr so schnell und in der Fülle erfassen, wie man es früher einmal konnte.

Und trotzdem trennt man sich manch einmal von seinem alten Dojo. Das hat gute Gründe. Eventuell gefällt es einem dort einfach nicht mehr. Oder man kommt in eine Art Budo-Unabhängigkeit, die einem sagt man müsse nun seinen ganz eigenen Weg gehen. Oder man kann die Prioritäten nicht mehr genügend zu Gunsten von Aikido verschieben, man hat neue Prioritäten oder Hobbies.

In jedem Falle muß man vor allen Schülern des Budo, die Aufhören zu Trainieren immer den allergrößten Respekt haben, genau wie für alle anderen Menschen und Kreaturen dieser Erde. Für einen Lehrer gilt: es sind die eigenen Schüler, die gehen. Man hat diesen sehr wertvollen Menschen das Beste mitgegeben, was man konnte (vorausgesetzt man versteht Budo richtig). Es sind wundervolle Menschen die Ihrer Wege ziehen, egal aus welcher Situation heraus.

Für einen Lehrer ist es oft extrem schwierig zu verstehen, warum jemand aufhört mitzutrainieren. Ganz einfach ist das nur dann, wenn es leicht verständliche äußere Gründe wie einen Umzug oder ein Studium gibt. Aber ganz oft sagen Schüler nicht einmal Auf Wiedersehen oder sie verabschieden sich unter Angabe von Gründen, die nicht die Wahren sind oder einfach nicht genügend wirkliche Hinweise geben. Und ich persönlich vermisse jeden, mit dem ich Aikido trainiert habe in irgend einer Art und Weise. Es trifft jeden Lehrer wenn er Loslassen muß von einem wundervollen Menschen, aus welchen Gründen auch immer. Das ist unser ganz persönliches Lehrer-Shugio – eine sehr schwierige Übung.

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