Budo und Notwehr (Rechtsgrundlagen)

Wer eine der Kampfkünste trainiert, wird sich irgendwann auch mit den Notwehrparagraphen beschäftigen müssen, um in einer entsprechenden Situation zu wissen, wie weit er gehen kann.

An diesem Punkt sei, wie auch schon in anderen Artikeln dieses Blogs erwähnt, dass es in einer physischen Auseinandersetzung keinen Sieger geben kann. Wer also kämpft hat den Kampf verloren weil er kämpft. Wenn es irgendeine Möglichkeit gibt, den Kampf zu vermeiden, dann vermeide ihn und sei es, dass du wegrennst….am besten mit 80 km/h…;-))).

Zu Deutsch:

„Krieg ist Bullshit und stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin…..yeahhh“

Es ist mir im Laufe meines Lebens in jeder Situation gelungen den Kampf zu vermeiden. Eine Situation, die mir dabei gut im Gedächtnis geblieben ist, vollzog sich während meiner Ausbildung zum Kommunikationselektroniker. Es gab dort die Situation in der ein Interessenkonflikt zwischen mir und einem anderen Auszubildenden dazu führte, dass er sich vor mich stellte und seine Fäuste erhob. Was dann bei mir automatisch ohne mein Zutun ablief hat mich bis heute nachhaltig beeindruckt. Üblicherweise spannt sich in einer solchen Situation der ganze Körper an und geht in Verteidigungshaltung. Ebenso dramatisch steigt der Adrenalinspiegel an und man wird von einer selbsterhaltenden Aggression gepackt. Bei mir passierte in diesem Augenblick seltsamerweise genau das Gegenteil (vielleicht auch aus Angst). Es war als würde sich in meinem Kopf ein Schalter umlegen, der es vermochte, dass jegliche Aggression sich im Sekundenbruchteil abschaltete und ich völlig entspannt ohne Aggression vor meinem vermeintlichen Angreifer stand. Der guckte daraufhin völlig überrascht, senkte seine Fäuste und meinte nur zu mir „Man bist du cool“. Nur das ich mich selber überhaupt nicht als cool empfunden habe sonder eher als soft. Seither versuche ich in entsprechenden Situationen einfach soft zu sein, ruhig zu bleiben und mich nicht aufzuregen. Bisher hatte ich damit immer Erfolg. Und was ich mir wirklich Wünsche ist, dass ich nie in eine Situation komme, in der ich Budo wirklich anwenden muss.

Dennoch gibt es dafür keine Garantie und zu wissen wie sich Budo rechtlich darstellt, scheint für mich ein wesentlicher Bestandteil des Budotrainings zu sein. Insofern anbei die Notwehrparagraphen und deren Deutung an Stellen, die man auch nach mehrmaligem Lesen kaum oder gar nicht versteht. Dafür war einige Recherche erforderlich.



NOTWEHRPARAGRAPHEN:

§ 32 StGB – Notwehr

  1. Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.
  2. Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.

Bedeutung:

Die entscheidenden Worte hier sind „gegenwärtig“ und „rechtswidrig“.
Man darf sich in dem Moment (gegenwärtig) verteidigen wenn der Angriff (rechtswidrig) erkennbar ist (mit der Faust ausholen, Drehbewegung der Hüfte, Heben eines Armes). Dabei darf ich nicht nur mich, sondern auch einen Dritten verteidigen.


§ 33 StGB
– Notwehrüberschreitung

Überschreitet der Täter die Grenzen der Notwehr aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken, so wird er nicht bestraft.

Bedeutung:

Als Täter ist hier der sich Verteidigende gemeint.
Wenn ich in einer Notwehrsituation meinen Gegner unangemessen stark verletze weil ich überrascht, voller Angst oder Schrecken war, werde ich nicht bestraft.


§ 34 StGB
– Rechtfertigender Notstand

Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Tat begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig, wenn bei Abwägung der widerstreitenden Interessen, namentlich der betroffenen Rechtsgüter und des Grades der ihnen drohenden Gefahren, das geschützte Interesse das beeinträchtigt wesentlich überwiegt. Dies gilt jedoch nur, soweit die Tat ein angemessenes Mittel ist, die Gefahr abzuwenden.

Bedeutung:

Ein erstes Beispiel dafür wie man Umstände so beschreibt, dass ein normaler Mensch sie auch nach mehrmaligem Lesen immer noch nicht versteht. (Die spinnen die Römer…).
Also…man darf sowohl sein eigenes Leben, seine Freiheit und sein Eigentum schützen. Dabei soll man eine Abwägung treffen, ob das geschützte Interesse (also das eigene Leben, die eigene Freiheit etc.) das beeinträchtigt wird wesentlich überwiegt.
Wenn mich also jemand umbringen will (und davon gehe ich aus, wenn mich jemand mit einem Messer angreift) dann überwiegt in diesem Fall der Schutz meines Lebens durch einen Akt der Selbstverteidigung. Dabei muß die Wahl der Selbstverteidigung aber angemessen sein. Wenn mir also jemand eine Ohrfeige verpassen möchte, dann sollte ich ihn nicht durch einen Kehlkopfschlag ins Jenseits befördern.


§ 35 StGB – Entschuldigender Notstand

  1. Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib oder Freiheit eine rechtswidrige Tat begeht, um die Gefahr von sich, einem Angehörigen oder einer anderen ihm nahestehenden Person abzuwenden, handelt ohne Schuld. Dies gilt nicht, soweit dem Täter nach den Umständen, namentlich weil er die Gefahr selbst verursacht hat oder weil er in einem besonderen Rechtsverhältnis stand, zugemutet werden konnte, die Gefahr hinzunehmen; jedoch kann die Strafe nach 49 Abs. 1 gemildert werden, wenn der Täter nicht mit Rücksicht auf ein besonderes Rechtsverhältnis die Gefahr hinzunehmen hatte.
  2. Nimmt der Täter bei Begehung der Tat irrig Umstände an, welche ihn nach Absatz 1 entschuldigen würden, so wird er nur dann bestraft, wenn er den Irrtum vermeiden konnte. Die Strafe ist nach § 49 Abs. 1 zu mildern.

Bedeutung:

Der erste Satz in Absatz 1 ist, denke ich klar.
Der zweite Satz im Absatz  1 weist darauf hin, das ich mich nicht zwingend verteidigen darf, wenn ich den Angriff selbst verschuldet habe (z.b. durch Provokation) oder wenn der Angriff aus rechtlichen Gründen erfolgt (die Polizei verdächtigt mich zu unrecht und will mich festnehmen – in diesem Fall darf ich mich nicht verteidigen). Wenn ich provoziere und ein Angriff erfolgt gegen den ich mich verteidige, dann handle ich rechtswidrig wobei hier jedoch mildernde Umstände geltend gemacht werden können. Auch hier gibt es wieder Ausnahmen, soll heißen, wenn ich provoziere und der Provozierte will mich töten, dann darf ich mich natürlich verteidigen. Im Falle des Widersetzens gegen eine, wenn auch unberechtigte Festnahme durch die Polizei, können keine mildernden Umstände geltend gemacht werden.

Absatz 2 meint das Folgende:
Fehlt dem Täter (also dem sich Verteigenden) bei Begehung der Tat die Einsicht, Unrecht zu tun, so handelt er ohne Schuld, wenn er diesen Irrtum nicht vermeiden konnte. Konnte der Täter den Irrtum vermeiden, so kann die Strafe nach § 49 Abs. 1 gemildert werden.

Beispiel: Spaziergang in einem dunklen Park. Ein Mann kommt auf mich zu und hebt seinen Spazierstock. Ich glaube das er mich angreifen will und reagiere mit einem Fauststoß. Was der Mann eigentlich wollte, war, seinen Kumpel zu grüßen, der 10m hinter mir war. Da ich das nicht registriert habe, hatte ich das Recht mich zu verteidigen. Wenn ich den Mann hinter mir aber registriert hätte, dann hätte ich zumindest theoretisch die Möglichkeit gehabt, vielleicht zu ahnen, dass der Mann mit dem Stock seinen Kumpel grüßen wollte und somit wäre mein Irrtum vermeidbar gewesen. In diesem Fall würden sich auf die  rechtswidrige Verteidigungshandlung dennoch mildernde Umstände auswirken.

Zu deutsch:

„Alles gar nicht so einfach…;-)))“

Natürlich erhebt dieser kurze Auszug keinen Anspruch auf Vollständigkeit und es gibt noch den ein oder anderen Paragraphen der Sonderfälle regelt, aber zumindest bekommt man einen grundsätzlichen Eindruck davon was man darf und was nicht.

In diesem Sinne……

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