Nachlese zur Budogala in Vorst

Was bringt so eine Budogala wirklich?
Das haben wir uns als Aikido-Verantwortliche im TV-Vorst vor der Budogala im Juni 2007 gefragt:

Der Tag war spannend. Wir hatten das Glück, daß Susanne und Lothar und einige andere sehr gute Vorarbeiten geleistet hatten und wir uns mit unseren Schülern somit ganz dem Warmmachen (jumbi-taiso) und der Veranstaltung widmen konnten. In der angrenzenden Nebenhalle machten wir uns gewissenhaft warm, übten noch einmal die Basics, die wir später vorführten und stellten fest, daß die sechsjährige Tabea großes Interesse an Aikido fand. Sie machte zunächst das Jumbitaiso mit, dann die Techniken und zu guter Letzt hat sie sogar bei der Gala mitgemacht. Alles zum ersten Mal! Noch dazu bekam sie dann auch noch einen Szenenapplaus!

Das war mehr Mut als so mancher Zuschauer hatte, denn die waren bei der Möglichkeit den rechten Arm nach vorne und den linken nach hinten zu drehen nur zu etwa fünf Personen im Boot. Die Zurückhaltung hat sicher aber damit zu tun, daß Erwachsene ständig damit beschäftigt sind: Wie sehe ich aus, welchen Eindruck mache ich? Ist das peinlich? Kann ich das oder lachen die mich aus? Alles Dinge, die viele Erwachsenen von der Teilnahme am Training abhalten. Und lassen Sie sich versichern: im Budo lacht niemand jemanden aus. Alle haben ganz von vorne begonnen, es zu lernen und lernen ständig immer wieder dieselben kleinen und großen Dinge. Peinlich ist dabei gar nichts. Es hat nur mit mangelndem Mut und Angst zu tun. Damit sind wir schon beim Kern von Aikido und anderen Kampfvermeidungskünsten: die Überwindung von Ängsten, Zwiefeln, Grenzen, Denkbeschränkungen und bei der Überwindung der Ausgrenzung anderer.

Und so sind es vielleicht auch nur fünf Prozent der Bevölkerung, die Budo beim Schopfe packen. Dafür ist dann eine „Budogala“ gemacht: daß sich Interessierte ansehen können, was sie selbst machen können. Und nur ganz wenige „Erwachsene“ sind dann mit dabei. Teilnehmer sind immer Menschen, die offen sind, sich etwas trauen, etwas aus sich machen wollen.

Wir haben also bei der Budogala mitgemacht, damit sich mehr Menschen trauen beim Aikido und den anderen Budoarten mitzumachen. Auch haben wir mitgemacht, weil unsere Budoarten alle das gleiche Ziel haben und man sich untereinander im Geist und Ziel sehr nahe steht. Alle Schüler konnten so die anderen kennen lernen: Karateka, Judoka, Ju-Jutsuka, Kendoka, Tai-Chi-Übende und Aikidoka. Das war das Ziel.

Was haben wir erreicht?
„Budo“ und „Gala“ schließen sich aus. Budo ist kein Spiel und kein Sport. Man macht es nicht um zu konsumieren, sondern um den Charakter zu schleifen. Und wegen zehntauschend anderer guter Gründe, die man im Laufe des Trainings herausfindet. Gala bedeutet hingegen zur Schau stellen. Das sind schlichtweg Gegensätze.

Trotzdem ist das Resultat der Budovorführung verblüffend gut:

  1. Die Schüler und Lehrer haben gelernt mit dem Stress einer Vorführung umzugehen und nicht zu übertreiben. Wir haben mit Absicht Basics gezeigt, die uns alle nicht „über“-forderten. Damit haben wir aus der Vergangenheit gelernt. Aus übertriebenen Aktionen von Lehrern, die zu beinahe-Verletzungen führten.
  2. Die Zuschauer haben viel gesehen von Aikido und allen anderen Vorführungen. Damit sind auch die Verwandten und Eltern der Teilnehmer, dem so wichtigen Thema der Teilnehmer näher gekommen.
  3. Die Budoka unter sich hatten ein großes Gemeinschaftsgefühl und sind sich näher gekommen, haben sich kennen gelernt. Normaler Weise trainieren wir nebeneinander, wissen aber nicht viel über einander. Das hat sich sehr positiv geändert. Aber daran arbeiten wir sicher weiter.
  4. Die Veranstalter haben eine tolle Arbeit geleistet für den TV-Vorst. Das Ganze hat einige tolle Menschen zum Mitmachen veranlasst. Wir haben schon wieder neue Teilnehmer.

Insgesamt war die Budogala ein Riesenerfolg für uns alle. Deshalb gilt unser Dank besonders Susanne und Lothar Neumann als unkomplizierten und wundervollen Menschen, die die Grundlage für unser Shingen-Aikido geschaffen haben. Allen Schülern und deren Verwandten für die Teilnahme und wahnsinnige Unterstützung. Den anderen Budoka für den Respekt, die Wahrnehmung, das Kennenlernen, Verstehen, die Akzeptanz und die gemeinsame Teilnahme. Vor allem auch einen Riesendank an die Kendoka aus Willich/Anrath und an die Kung-Fu-Schule aus Tönisvorst.
Lieben Gruß auch an das befreundete Aikido-Zanshin -Dojo aus Willich. An Marion und Jens und alle Übenden dort. Marion und Jens: Euer Besuch war eine große Freude! Schön Euch wiederzusehen.

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