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Die Kehrseite der Medaille

Am vergangenen Donnerstag 28.02 ist mir folgendes vorgefallen: Nach Feierabend im Düsseldorf Hbf; ich stand am Gleis 12 und wartete auf die S-Bahn 8 nach Mönchengladbach. Am Gleis 11 nebenan hörte ich eine Frau den Lokführer schreien, ob jene Bahn über Bilk fahre. Kurz darauf war sie neben mir und schaute auf den Fahrplan. Daher entschloss ich mich, auf sie zu gehen und sagte: „wenn Sie nach Bilk möchten können Sie gleich die S-Bahn 8 nehmen, die fährt gleich von diesem Gleis“

Daraufhin fing die Frau an, mich anzubrüllen: „was haben Sie dabei gedacht, glauben Sie, ich komme nicht zurecht? Ich fahre schon seit 30 Jahren Bahn, Sie brauchen mir nicht hinterher zu rennen, ich brauche Ihre Hilfe nicht“
Ich entschuldigte mich und ging. Sie lief mir aber hinterher noch lauter schreiend.
Die Frau saß auf einem Rollstuhl
Sie dachte, dass ich ihr deswegen helfen wollte, nur weil sie auf einem Rollstuhl saß…

Als Leute anfingen, sich zu nähern, musste ich ihr erklären, sie brauche mir nicht so was zu unterstellen, ich bin nämlich so und ihr Rollstuhl hat für mich keine Rolle gespielt. Alles zwecklos, sie schrie auf mich weiter und lauter. Ich fügte hinzu, sie kenne mich nicht, und was sie gerade mache, sei Leute zu vorurteilen und das sei nicht fair.
Alle verstanden sofort, was passiert war und haben mich leidenschaftlich „verteidigt” (klingt fast ironisch…)

Meine Lehre daraus: es ist traurig hin und wieder festzustellen, dass Leute denken, es muss ein Grund geben, warum einem geholfen wird (Interesse, Mitleid, Geld) und es fällt heutzutage immer schwieriger zu akzeptieren, dass es einfach so sein kann. Ich meinerseits werde meinen Charakter deswegen nicht ändern (bin schon zu alt dafür) und werde weiter das machen, was ich für richtig halte.

Im Übrigen, im Bezug auf Eure Aikido-Lehre habe ich festgestellt, dass ich die ganze Zeit ganz ruhig und wachsam blieb und mich nicht von der Situation hinreißen lies. Danach habe ich weiter mit ein paar nette Fahrgäste gesprochen (das hatte auch seine positiven Seiten!).

Diese Erfahrung wollte ich mit Euch teilen

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Ich bin am 7. April 1972 in Oviedo (Spanien) zufällig geboren, wie alles im Leben. Nach Deutschland kam ich direkt nach meinem Studium am 22.03.1997, um meinen Traumjob (Lehrer für Literatur und Spanisch als Fremdsprache) zu suchen. Es ist seitdem vieles passiert, ich habe überall gearbeitet und traf immer wunderbare Leute. Abgesehen von ein paar unglücklichen Momenten kann ich mich über mein Glück überhaupt nicht beschwerden. Ich bin seit 01.12.2000 verheiratet und habe zwei tolle Kinder (na ja, da bin ich sicherlich nicht objektiv genug): Carla (3 ½) und Nico (20 Monate). Ich mache gerne Sport, reise, lese und fotografiere gerne. Ich bin ehr der ruhige Typ, ich mag keine Menschenmengen oder laute Geräusche. Momentan habe ich das große Glück, für ein (recht bunt) Japanisches Chemieunternehmen in Düsseldorf zu arbeiten, wo jeder Kollege jeden Tag von den Erfahrungen der anderen lernt und profitiert. Meinen Traum Aikido zu lernen habe ich seit Anfang Februar 2008 auch verwirklicht. Ich fühlte mich durch die Seite von Geraldine und Peter sehr angesprochen und wurde sehr freundlich von Ihnen empfangen.

2 Kommentare

  1. Tobias sagt

    hallo francisco…
    ich kenne solche situationen nur zu gut und kann mir sehr gut vorstellen, wie es dir ergangen sein muss. eine sache muss ich in meiner naivität aber hinzufügen “zu alt um dich zu ändern”? ich kann mir das nicht vorstellen… aber wahrscheinlich bin ich einfach zu jung um zu verstehn was du damit meinst.
    in diesem sinne
    liebe grüße
    tobi

  2. Francisco sagt

    Hallo Tobias,

    Danke für deine Kommentare
    Ich denke nicht, dass gerade Du zu jung bist um etwas zu verstehen oder sogar naiv bist(von Dir kann man sogar behaupten, dass Du für dein Alter ausgesprochen reif und erwachsen bist) eher habe ich mich nicht richtig oder nicht genau ausgedrückt.
    Ich wollte damit sagen, es gibt gewisse Eigenschaften eines Menschen, die mit 36 bereits in dem Charakter so tief verwurzelt sind, dass man sie nur sehr schwer ändern können, und das im positiven Sinne (ich glaube nicht, dass aus mir je ein aggressiver Mensch wird) oder im negativen Sinne (ich bin vergesslich, egal wir ich mich bemühe). Ich meinte damit nicht z.B. ich sei zu alt, neue Sachen zu probieren bzw. zu lernen (sonst hätte ich mit 35 kein Aikido angefangen) denn ich hoffe, in diesem Sinne ewig jung zu bleiben. Ich hoffe, diesmal ist es etwas klarer geschrieben (?)

    Gruß

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