Ein Überblick über die Geschichte und Entwicklung der Kampfkünste

Ich würde mit diesem etwas längeren, zeitlich einnehmenderen und auch ausführlicherem Artikel gerne die Entstehung der verschiedenen Kampfkünste bzw. Systeme auf den verschiedenen Kontinenten reflektieren, da man als engagierter Kampfkunstschüler ja wissen möchte, wo das vorgebetete herkommt. Damit es nicht vorgebetet bleibt, sondern verstanden wird, halte ich persönlich eine historische Reflexion für wichtig, da man in der historischen Entwicklung oft auch technische und philosophische Konzepte und deren Wurzeln wiederfindet, und man nur so bewerten kann, ob das gelernte überhaupt tieferen Sinn und Zweck, und wenn ja, welchen Sinn und Zweck es hat.

Es werden in dem Artikel natürlich nicht alle Kampfkünste behandelt, sondern exemplarisch einige Kampfkünste für jeden Kontinent und einige Kulturkreise vorgestellt.

Vor allem der Zusammenhang und der Ursprung der verschiedenen Kampfkünste soll in den Vordergrund gestellt werden und nicht die Philosophie und das Konzept jeder einzelnen Kampfkunst. Die generelle Tendenz der Kampfkünste in den einzelnen Kulturkreisen ist das, was dem Leser dieses Artikels nahegelegt werden soll..

Im übrigen enthält dieser Artikel mit Nichten irgendeine Wertung welche Kampfkunst die bessere sei. Auch wenn ein leichter Fokus auf den japanischen Kampfkünsten entstanden sein könnte dadurch, dass ich selbst Judo und Aikido trainiere, und dies in erster Linie eine Reflexion für mich selbst ist, um zu verstehen wo das herkommt, was ich tue. Ich hoffe aber, dass dies eurem Interesse an diesem Artikel keinen Abbruch tut und ihr gerne lest.

In diesem Sinne.

Asien und Europa

Die Bedeutung Indiens

Wie auch in Sprache und Religion ist das Bindeglied zwischen der Asien und Europa Indien. Die indische Sprache hat das Deutsche maßgeblich beeinflusst, genau so wie die indische Sprache und damit das Sanskrit den Buddhismus in China und von dort aus auch in Korea und auf den japanischen Inseln verbreitet hat. Neben den Aspekten der Sprache und der Religion, ist auch in der Kampfkunst, die wir an dieser Stelle einfach als systematisiertes Kampfsystem definieren, Indien die Verknüpfung europäischer und asiatischer Kultur.

Kalarippayat und Vajra Mushti

In Indien hatten sich bis etwa 1000 v.Chr. zwei sehr verwandte Kampfsysteme entwickelt. Das Kalarippayat und das Vajra Mushti. Man kann bei diesen Beiden Kampfkünsten davon ausgehen, dass sie rein Indischen Ursprungs sind, da keine ältere Kampfkunst mit ähnlichen Bewegungsabläufen überliefert ist. Außerdem erinnern die Bewegungen und Techniken dieser beiden Kampfkünste stark an traditionelle Indische Tänze, was ebenfalls für die Originalität von Kalarippayat und Vajra Mushti spricht.

Der Zweck zu dem Kalarippayat entwickelt worden war, war der, dass man ein systematisiertes Zweikampfsystem benötigte, um Stellvertreterkämpfe im Kriegsfall durchführen zu können, um unnötige Vergeudung von Menschenleben zu vermeiden. Die beiden besten Kalarippayat Kämpfer der sich bekriegenden Heere trugen also einen Zweikampf aus, um über den Ausgang der kriegerischen Auseinandersetzung zu entscheiden.

Das in Technik und Ausführung dem Kalarippayat ähnliche Vajra Mushti ist ebenfalls ein Zweikampfsystem, was aber aus einer anderen Notwendigkeit heraus entstand. Die Kaste der Kshatriya, war die Kriegerkaste Indiens, die dafür zuständig war die Maharajas zu beschützen, und die Wahrheit zu bewahren. Wahrscheinlich wurde auch dieses System den traditionellen indischen Tänzen entlehnt, was die Ähnlichkeit zum Kalarippayat erklärt.

Pankration

648 v. Chr. tauchte zum ersten Mal bei den 33. Olympischen Spielen in Griechenland das Pankration auf. Dies ist ein griechisches unbewaffnetes Zweikampfsystem, dessen Name sich vom griechischen „pan“ = „alles“ und „kratos“ = „kraft“ ableitet, was also soviel wie „Allkampf“ bedeutet. Laut einer Legende geht das Pankration auf den griechischen Mythenhelden Theseus zurück, der es erfand, um den Minotaurus von Knossos zu besiegen. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass durch die in Griechenland geltende allgemeine Wehrpflicht ein systematisiertes Nahkampfsystem benötigt wurde, da die Meisten sich keine teuren Waffen und Rüstungen leisten konnten. Erlaubt waren Tritte, Schläge, Knie- und Ellenbogenstöße, sowie Hebel-, Wurf-, und Würgetechniken. Das Pankration ist auch als eine Mischung aus Boxen und Ringen (Pygme und Pale) zu interpretieren. Einzig das Eindrücken der Augen und das Beißen des Gegners war verboten. Kraft war bei diesem Kampfsystem entscheidend.

Zwischen den indischen und griechischen Kämpfern entstand ein reger Austausch über die Kampfkünste und die Systeme bereicherten sich gegenseitig.

Bodhidharmas China Reise

Das Kuttu Varisai soll eine der Kampfkünste sein, die aus diesem Austausch entstanden sind, und der sich die Kshatriya Krieger Kaste bedient haben soll. Belege dafür, dass das Kuttu Varisai Produkt aus indischer und griechischer Kampfkunst sei, ist unter anderem der Gebrauch von Schlagringen, der im griechischen Boxen (Pygme) alltäglich war, wobei die Schlagringe beim Pygme in die Handbandagen eingebunden waren, und häufig zum Tod eines der Kontrahenten führten.

Ebenfalls trainiert im Kuttu Varisai war der indisch buddhistische Mönch Bodhidharma, der als Gründer des Zen- Buddhismus angesehen wird.

Auf seiner China- Reise, die 480 n.Chr. begann ließ er sich 523 n.Chr. in der Provinz Henan nieder, wo das sagenumwobene Shaolin- Kloster liegt.

Die Shaolin Mönche wurden in dieser Zeit oft von umherstreifenden Räuberbanden bedroht. Bodhidharma brachte den Shaolin Mönchen also das Kuttu Varisai bei, um sich verteidigen zu können. Dies war allerdings nicht die einzige Motivation. Die Bewegungsabläufe wurden auch als Meditationsübung gelehrt. So differenzierte man die Inneren- Stile, die sich durch langsame Bewegungsabläufe auszeichnen und zur Meditation dienen, wie zum Beispiel T´ai Chi. Die äußeren Stile waren zum direkten Kampf Mann gegen Mann gedacht. So zum Beispiel Wing Chun.

Mit der Zeit verbreiteten sich diese Kampfstile über ganz China und die Shaolin Mönche fügten einen wichtigen Aspekt hinzu. Sie analysierten das Kampfverhalten von Tieren, und fügten dem von ihnen praktizierten System tierähnliche Bewegungen hinzu, da man diese als besonders natürlich und effizient ansah. Außerdem wurde der wichtige Aspekt des Ch´i (jap. Ki) hinzugefügt, dessen Bedeutung zu erklären jedoch wieder den Rahmen sprengen würde. So entwickelte sich das „Shaolin Quanfa“.

Verschiedenste Stile und Weiterentwicklungen verbreiteten sich über ganz China, doch sämtliche dieser Stile basierten weitestgehend auf kraftintensiven Techniken, wobei es durchaus schon Würfe und Hebel gab.

Von Japan nach China

Okinawa Karate

Die chinesischen Kampfkünste gerieten dann auf zwei Wegen zu den japanischen Inseln. 1683 kam Sappushi Wanshu als chinesischer Gesandter nach Japan um dort Quanfa zu lehren. Das Quanfa diente also als direktes Vorbild für das Okinawa Karate. Dies lässt sich vor allem daran erkennen, dass die von Wanshu gelehrte Kata auch heute noch im Karate existiert. Die Schriftzeichen für Wanshu werden in der japanischen Sprache Empi ausgesprochen, was soviel wie „Flug der Schwalbe“ bedeutet.

Auch Meister Funakoshi Gichin übernahm die Empi-Kata in sein Shotokan- Karate- Do, doch dazu später mehr.

Yawara in Japan

Der zweite Weg, über den die chinesischen Kampfkünste nach Japan kamen wurde durch die Reise eines Arztes aus Nagasaki, Akiyama Shirobei Yoshitoki, geebnet, der im 16. Jahrhundert nach China reiste, um dort etwas über chinesische Heilkunde und Medizin zu lernen. In den Klöstern der medizinisch bewanderten Mönche erhielt er auch Unterricht im waffenlosen Nahkampf. Der Stil, den man ihn lehrte hieß „Baida“ oder „Hakuda“.

Als Akiyama Shirobei Yoshitoki nach Nagasaki zurückkehrte, eröffnete er seine Hakuda Schule. Viele seiner Schüler beendeten das Training jedoch nachdem sie erkannten, dass das von Akiyama nach Japan gebrachte System zu kraftaufwendig war und man trotz vielseitiger Technik einem größeren Gegner mit oder ohne Hakuda gleichermaßen ausgesetzt war.

Laut der Legende saß Akiyama eines kalten Wintertages in seinem Garten und grübelte darüber, wie er seine Kampfkunstschule retten konnte. Er sah ins dichte Schneegestöber und beobachtete, wie die starren Äste einer alten großen Kiefer unter dem schweren Gewicht des Schnees brachen, während die dünnen biegsamen Zweige einer jungen kleinen Weide sich einfach so weit bogen, bis der Schnee abglitt und sich dann wieder unversehrt aufrichteten.

Das Prinzip von „Ju“ oder „Yawara“, was übersetzt so viel wie „geschmeidig“ oder „nachgiebig heißt, war geboren. Akiyama nannte seine Schule fortann „Yoshin-Ryu“ („Weiden-Schule“), in der die Techniken des Baida oder Hakuda mit wissenschaftlichen Studien über Gleichgewicht, Drehmoment und verschiedensten physikalischen Gesetzen kombiniert wurde.

Der Begriff „Yawara“ tauchte in Wahrheit jedoch erst später auf. Akiyama hatte ihn nicht verwendet. Yawara nannte man zunächst das Sammelsurium von Techniken, dass die Samurai, die wichtigste Kriegerklasse im feudalen Japan, für den Fall, dass man auf dem Schlachtfeld seine Waffen verlor, weiter entwickelt hatte. Dieses System nannte man später Ju- Jutsu, also die Kunst der Nachgiebigkeit.

Dies war der revolutionäre Aspekt, den die japanischen Krieger den Kampfkünsten hinzufügten. Die Geschmeidigkeit.

Nutzung der Energie, die im Angriff des Gegners steckt, um ihn zu Boden zu bringen und zu kontrollieren bzw. zu töten, anstatt seine bloße Kraft einer eventuell größeren Kraft entgegenzusetzen.

Allerdings ist es wahrscheinlicher, dass statt der oben vorgestellten Legende ein rein praktisches Faktum zur Entwicklung der „Wissenschaft der Nachgiebigkeit“ führten. Die Rüstungen, die von den Samurai getragen wurden, wogen nicht selten mehr als 30 kg, was eine „effiziente Nutzung von Kraft und Geist“, wie Meister Kano Jigoro es später formulierte, notwendig machte.

Auch die Fokussierung auf Würfe, Würger und Hebeltechniken liegt bei der Nutzung solch dicker Rüstungen nahe, da Tritte und Schläge bei einer dicken ledernen Rüstungen kaum bis zum Träger hindurchdringen können.

Nichtsdestotrotz scheint das Prinzip der Nachgiebigkeit und dem Begegnen von Kraft mit Technik japanische Innovation zu sein.

Von Yawara zu Budo

Aikido, Karate-do, Judo, Kendo, Kyudo, Iaido, das sind nur die Namen einiger weniger Kampfkünste Japans, die sich unter dem Begriff Budo zusammenfassen lassen.

Genau genommen ist die Übersetzung Kampfkunst nicht richtig, da die Silbe „Do“, je nach Lesung auch „Michi“, besser mit „geistiger Weg“ oder „Prinzip“ übersetzt wird. Die Bedeutung dieser Silbe zu erklären würde eines eigenen Artikels bedürfen. Zunächst reicht es den Begriff „Do“ gegen den Begriff „Jutsu“ abzugrenzen, was soviel wie „Kunstfertigkeit“ oder „Technik“ bedeutet. Ich bitte jedoch dennoch darum dem Begriff „Jutsu“ kein Unrecht zu tun und den durchaus vorhandenen philosophischen Aspekt dieses Begriffes zu unterschätzen. Bezeichnen wir Budo einfach besser als „Wege des Kampfes“, um die Besonderheit des Budo herauszustellen, die sich in der Geschichte der Entwicklung der Kampfkünste herausstellen lassen.

Vom Yawara bzw. Ju Jutsu ist es zum modernen Budo nicht mehr weit. Heutzutage werden die 3 folgenden Japaner als die historisch bedeutendsten angesehen. In der chronologischen Reihenfolge: Meister Kano Jigoro, Meister Funakoshi Gichin und Meister Ueshiba Morihei.

Kano Jigoro und Judo

Kano Jigoro hatte in seiner Jugend bei vielen Ju Jutsu Meistern gelernt und bemerkte nach einiger Zeit, dass jeder Meister ein Sammelsurium von Techniken lehrte, welches letzen Endes jedoch auf demselben Prinzip zu beruhen schien. Dies war das „wiederentdeckte“ Prinzip der Geschmeidigkeit also „Ju“.

Also wurden alle Techniken, die diesem Prinzip nicht unterlagen ersatzlos gestrichen, ebenso wie gefährliche Techniken, damit die Kampfkunst, die er später Judo nannte problemlos auf Vollkontakt als „ganzheitliche Körperertüchtigung“ praktiziert werden konnte.

Da Kano Professor an der Universität von Tokyo war und er bei seinen Schülern vermehrt Fettleibigkeit feststellte, sollte Judo weder Sport (Training einer bestimmten Muskelgruppe zum Ziel der Optimierung einer bestimmten Disziplin), noch Gymnastik (Training des gesamten Körpers ohne Sinn in der Übung), nämlich die Kombination aus Beidem (Training des gesamten Körpers mit Sinn, also gleichzeitiger Übung des Geistes, da ein intellektueller Anspruch bestehen sollte) sein.

Der Aspekt des Kampfes und der Selbstverteidigung sollte komplett im Hintergrund stehen, obwohl sich Judo als Selbstverteidigungskonzept ohne Zweifel anwenden lässt. Judo zu erlernen um Kämpfen zu erlernen ist demnach falsch, da man Judo erlernt um das maximale aus Körper und Geist herauszuholen.

Funakoshi Gichin und Karate

Funakoshi Gichin trainierte als Jugendlicher Okinawa Karate bei verschiedenen Meistern. Nachdem er sich entschlossen hatte Karate zu seinem Lebensweg zu machen, begann er damit dem erlernten Karate, dass er noch immer im Geheimen trainierte seine eigenen persönlichen Aspekte hinzuzufügen, um es so zu vervollkommnen. Dabei betrachtete er Karate nicht wie seine Meister als Kunst der Selbstverteidigung, sondern ähnlich wie Kano als Art Körper und Geist zu vervollkommnen. Die Form des Karate erziehe den Karateka lediglich zur Disziplin und habe nichts Kämpferisches im Sinne von Gewaltanwendung an sich.

Nachdem er die Kampfkunst auf Okinawa verbreitet hatte, ging er nach Japan, um es auch dort zu verbreiten. Dabei lernten Kano und Funakoshi sich kennen, die beide viel voneinander lernten und sich gegenseitigen Unterricht in Judo und Karate do erteilten.

Ueshiba Morihei und Aikido

Ueshiba Morihei lernte verschiedene Kampfkünste, darunter Sumo, Bajonettkampf, Judo, Kenjutsu (Schwertkampf) u.v.a.

Nachdem er am russisch-japanischen Krieg als freiwilliger Soldat teilgenommen hatte, wobei er viel Leiden und Tod erlebt hatte, beschloss er von nun an einen pazifistischen Lebensweg zu gehen, den er in der Kampfkunst sah. Aus den gelernten Kampfkünsten nahm er die sinnvollsten Techniken, die er dem Prinzip des Aiki (ähnlich dem des „Ju“) näher brachte. Nach und nach entstand Aikido, zunächst Aiki-Jutsu genannt, dann allerdings dem philosophischen Weg näher gebracht. Die Philosophie des Aikido besteht in Harmonie und Pazifismus. Ein Konflikt soll im besten Falle im Keim erstickt werden, und nur im äußersten Notfall ist Aikido kämpferisch zu gebrauchen. Selbst in der Technik manifestiert sich dieses Prinzip von Pazifismus. Es gibt keinerlei Technik, die zum Angriff gebrauchen zu wäre, was dazu führt, dass Aikido in diesem Sinne kaum als Angriffskampfkunst zu gebrauchen ist.

Wie so oft ist die Technik Spiegel des Inneren und so sieht auch Ueshiba Aikido als Weg der inneren Vervollkommnung.

Die Besonderheit der Budokampfwege, hier exemplarisch Judo, Karate und Aikido, ist das Prinzip von „Ju“ bzw. „Aiki“, und des Grundgedankens der inneren und äußeren Vervollkommnung, da keine dieser drei Kampfkünste in erster Linie als Konzept der Selbstverteidigung zu verstehen ist.

Von Japan nach Korea

Die heutzutage populärste Kampfkunst Koreas ist wohl das moderne Taekwondo, was von Tae: „Fuß“ oder „treten“; Kwon: „Faust“ oder „schlagen“; und Do „Weg“ oder „Prinzip“ kommt.

Das moderne Taekwondo hat sich wahrscheinlich aus dem japanischen Karate entwickelt, oder zumindest starke Einflüsse durch dieses erfahren. Dies lässt sich darin erkennen, dass viele in den „Pumsae“ (jap. „Kata“ dt. „Form“) vorkommenden Techniken, den Techniken des Karate stark ähneln.

Ein weiterer Anhaltspunkt für die Entwicklung des Taekwondo aus dem Karate (also letztendlich aus dem Quanfa und somit aus den indischen Kampfkünsten) ist, dass die fünf Gründerväter, deren Schulen man problemlos als direkte Vorfahren des modernen Taekwondo ansehen kann, allesamt Karate trainiert hatten. Zwei von ihnen sogar bei Meister Funakoshi Gichin. Diese beiden waren Lee Won-Kuk und Ro Byung-Jik. Hwang Ki, Yoon Byung-In und Chun Sang-Sup waren die andern drei.

Die fünf hatten im Ausland gelernt, da es den Koreanern wegen japanischer Besatzung bis 1943 verboten war Kampfkünste zu erlernen. 1945 hatten alle fünf ihre eigenständigen Schulen in Korea etabliert.

Sehr oft wird das Taekgyeon, das eine weitaus ältere Geschichte aufweist, als Vorläufer des Taekwondo erwähnt, um es aufgrund der langjährigen Tradition des Taekgyeon genuin koreanisch wirken zu lassen. Tatsächlich kann davon ausgegangen werden, dass das moderne Taekwondo nicht durch das traditionelle Taekgyeon beeinflusst wurde, da sie sich in Technik und Ausführung wenig ähneln.

Die Geschichte des Taekgyeon ist schwer nachzuvollziehen, da es erstmals 1790 in koreanischer Schrift namentlich erwähnt wird. Bis 1790 ist die einzige schriftlich dokumentierte Kampfkunst Koreas das Subak, was darauf hindeutet, dass es mehr ein Oberbegriff für die koreanischen Kampfkünste ist. Das Problem, dass sich stellt ist, dass Subak immer in chinesischen Schriftzeichen geschrieben wird, Subak aber ein koreanisches Wort ist. Dies beweist sich darin, dass die Zeichen für Subak im Chinesischen „shou bo“, was etwa „Faustkampf“ bedeutet ausgesprochen worden. Das koreanische Buchstabenalphabet Hangeul etablierte sich in Korea im 15 Jahrhundert. Subak wird jedoch immer in chinesischen Schriftzeichen geschrieben. Man hätte Subak mit den neuen Hangeul, die ideal an die phonetischen Gegebenheiten der koreanischen Sprache angepasst sind, also einfach als Subak schreiben können. Stattdessen wurde der Begriff weiterhin mit chinesischen Schriftzeichen geschrieben und erst 350 Jahre nach Etablierung der Hangeul taucht die koreanische Kampfkunst Taekgyeon in der antiken koreanischen Literatur auf. Daher ist es schwer nachzuvollziehen, ob es ein Nachfahre des Subak ist, oder einfach eine der Kampfkünste ist, die unter dem Begriff Subak zusammengefasst wurden.

Man geht allerdings trotz nicht geklärten Alters und Herkunft der Kampfkunst davon aus, dass es eine genuin koreanische Kampfkunst ist, da die tänzerischen Elemente des Taekgyeon sich in keiner anderen asiatischen Kampfkunst finden lassen. Tritte dominieren. Dennoch werden auch Würfe und Schläge, dann aber nur mit offener Hand, ausgeführt. Bodenkampf wird nicht trainiert. Taekgyeon wird heutzutage in Korea noch trainiert und ist die einzige offiziell anerkannte nationale Kampfkunst Koreas.

Eine sehr alte in Korea praktizierte Kampfkunst ist das Kwon-Beop, das wahrscheinlich ab 1598 gelehrt wurde. Es ist bei dieser Kampfkunst aber auf jeden Fall davon auszugehen, dass es sich um nicht anderes als das chinesische „Quanfa“ (jap. Kempo) handelt, da Kwon-Beop die direkte Übersetzung dieses Begriffes ist. Jeglicher Einfluss auf das Taekgyeon ist technisch und historisch auszuschließen, was das potentielle Alter des Taekgyeon erhöht.

Die Koreanische Kampfsystemlandschaft ist somit eine Mischung aus genuinen und importierten Stilen. Auffallend ist lediglich die Tatsache, dass in fast allen Stilen Tritte den Großteil der Techniken ausmachen, wofür sich allerdings schwer ein Grund finden lässt.

Von kriegerischen Künsten zur Selbstverteidigung der Bauern

Darüber hinaus gibt und gab es in Asien natürlich weit mehr Kampfkünste als die hier aufgeführten. Diese alle zu behandeln wäre jedoch ein schier unmögliches Unterfangen. Generell lässt sich eine Welle von Entstehungen in der Zeit feststellen, als sich die europäischen Kolonialmächte Portugal und Frankreich Asien kolonialisierten. Demnach soll Ferdinand Magellan, Portugiese, der unter spanischer Flagge die Philippinen erobern wollte, von einem Eskrima Meister enthauptet worden sein.

Auch in den verschiedenen innerasiatischen militärischen Konflikten wie zum Beispiel dem chinesisch-vietnamesischen Krieg entstanden die verschiedensten Kampfkünste, entweder für den Fall, dass man im Feld die Waffen verlor, oder aber für die Soldaten, die sich keine Ausrüstung leisten konnten. Aber auch als bäuerliche Selbstverteidigungssysteme gegen umherstreifende Räuberbanden oder ungnädige Steuereintreiber. So entstand zum Beispiel die Waffe „Nunchaku“ also ein zweigliedriger Stock, aus einem schlichten Dreschflegel, den die Bauern lernten effektiv als Waffe einzusetzen.

Von Asien nach Europa

Die Entwicklung verschiedener Kampfsysteme in Europa ist eine gänzlich andere. Hier entwickelten sich die verschiedenen Stile vor allem aus zwei Gründen. Während in Asien die Systeme vor allem zur Selbstverteidigung und Verfeinerung des Geistes und Charakters, und nur zum Teil für den Krieg, entwickelt wurden, waren die Beweggründe in Europa vermehrt der Gebrauch im Feld oder Duell und der sportliche Vergleich.

Dies beginnt schon beim Boxen, Ringen und Fechten, welche die wohl ältesten Kampfkünste Europas sind. Boxen und Ringen waren in Europa seit spätestens den olympischen Spielen 688. v Chr. Wettkampfsportarten, während das heutige Fechten eine Weiterentwicklung des historischen Fechtens mit filigraneren Waffen ist, da aufgrund der Verbreitung des Schießpulvers die Kunst ein Schwert im Feld zu führen nutzlos wurde. Das Fechten mit filigranen Waffen wie dem Rapier, Florett, Säbel und Degen, wurde zunächst als Kunst für das Duell betrachtet. Heutzutage ist das Fechten vor allem ein Kampfsport, der mit Florett Säbel und Degen ausgetragen werden kann.

Das Boxen ist die älteste Form des sportlichen Vergleichs. Vor allem bei den Gladiatorenspielen war es eine beliebte Disziplin. Bei den olympischen Spielen in Griechenland war es eine Disziplin des Fünfkampfes. Zwar führten die Kämpfe, bei denen in die Handbandagen Schlagringe eingewickelt wurden, oft zum Tod eines oder beider Kontrahenten, aber das Ehrgefühl über die Teilnahme an den olympischen Spielen, oder die Ehre, die einem durch den Sieg zuteil wurde, überschattete den Tod. Diese Haltung ähnelt in gewissen Grundzügen denen der Samurai im Japan.

Das Ringen ist ebenfalls eine griechische Kampfsportart, welche sich im antiken Fünfkampf wiederfindet. Auch hier kann man nicht von Kriegskunst sprechen, sondern es ist eine Techniksammlung, das einem Regelwerk unterliegt, damit ein sportlicher fairer Vergleich möglich ist.

Aus diesen drei Grunddisziplinen entwickelten sich verschiedene Kampfsysteme in ganz Europa. Unter anderem das Jogo do pau, Juego de Palo, Schwingen, die Deutsche Fechtschule, Glima, Bâton français, Ranggeln, Zipota, Singlestick u.v.a.

Viele der europäischen Systeme sind Variationen aus des Ringen und Boxen. Aus dem Fechten haben sich vor allem verschiedene Stockkampfsysteme entwickelt.

Das Savate aus Frankreich ist eine Ausnahme in der Entwicklung der europäischen Kampfkünste. Es entwickelte sich nach der Französischen Revolution vor allem in Marseille, auf dessen Straßen es sehr blutig und kriminell zuging. Damals waren es vor allem Hafenarbeiter und Seeleute, die diese, durch gleichmäßig viele Tritte und Schläge gekennzeichnete, Kampfart prägten. Noch heute Tragen die Kontrahenten bei den Wettkämpfen Schuhe, um daran zu erinnern, dass es einst eine brutale Straßenkampfkunst war.

Von Europa nach Afrika

Um die Zusammenhänge zwischen den europäischen und afrikanischen Kampfkünsten zu verstehen, ist es interessant sich die „lucha canaria“, zu deutsch den „Kanarischen Kampf“, zu Gemüt zu führen.

Spanien und die Kanarischen Inseln sind seit der spanischen reconquista (ab 800 n. Chr.) Bindeglied zwischen der europäisch christlichen und nordafrikanisch islamischen Kultur.

Die lucha canaria wurde von den kanarischen Ureinwohnern erfunden. Ursprünglich wahrscheinlich um Streitigkeiten um Landbesitz beizulegen. Beeinflusst wurde diese Kampfkunst später durch die nordafrikanischen Mauren und später auch den Spaniern.

Dies dürfte der interkontinentale Ansatzpunkt sein, an dem sich Afrikanische und Europäische Kampfkunst am ehesten begegnet sind.

Das Ziel der lucha canaria ist den Gegner zu Boden zu bringen, wobei Tritten und Schläge verboten sind. Gute Kämpfer machen sich die Kraft ihres Gegners zu Nutze und Weichen einem kräftigeren stark drückendem Gegner aus und stellen ihm ggf. ein Bein um ihn zu Boden zu bringen.

Die kanarischen Inseln sind somit die Verknüpfung von europäischen und Afrikanischen Kampfsystemen.

In Nordafrika war ähnlich wie in Griechenland seit langer Zeit das Boxen ein beliebter Kampfsport. Doch je weiter man innerhalb Afrikas nach Süden geht, um so mehr entwickeln sich die Kampfsysteme vom Sport weg, hin zu religiösen Kampfkünsten, die wahrscheinlich dadurch entstanden waren, dass man Stammeskämpfe über Stellvertreterkämpfe entschied. Bis heute werden diese traditionellen Kampfkünste weitergeführt, wobei manche auch heute noch im ehrenvollen Tode der Kontrahenten enden. Einige Beispiele für afrikanische

Kampfsysteme sind El Matreg, das Gambische Wrestling, das Duala-Ringen und der Ägyptische Stockkampf. Über die alten Stammeskünste ist wenig bekannt. El Matreg ist, wie am Namen erkennbar, direkt mit den Spanischen Kampfkünsten verwandt, und beim Ägyptischen Stockkampf ist davon auszugehen, dass das moderne Fechten seinen Anteil dazu beigetragen hat.

Da es unter europäischer Kolonialherrschaft vielen Stämmen Afrikas verboten worden war Kampfkünste zu erlernen, wurden viele dieser alten Stammeskämpfe akrobatisiert um sie als Tänze zu tarnen. Bei den meisten führten dies allerdings nicht dazu, dass diese Kampfkünste weniger tödlich wurden, sondern dass, ganz im Gegenteil, durch das nun viel größere Drehmoment in Schlägen und Tritten für mehr Effektivität im Kampf sorgte.

(An dieser Stelle möchte ich mich gerne dafür entschuldigen, dass der Teil über die Afrikanischen Kampfkünste sehr knapp geworden ist, da mir Quellen fehlen, und ich kaum Informationen dazu finde. Außerdem soll diese Arbeit ja auch nur einen kurzen Aufriss der Geschichte darstellen).

Von Afrika nach Südamerika

In Brasilien gab es viele schwarze Sklaven aus Afrika, die sich immer wieder den Misshandlungen seitens ihrer Herren gegenüber sahen. Daher praktizierten sie in Gefangenschaft weiterhin ihre stammesgebräuchlichen Kampfkünste, was ihnen jedoch nach kurzer Zeit verboten wurde. Dieses Verbot führte zu einer weiteren Akrobatisierung der Kampfkünste und das Capoeira wurde erfunden. Im Capoeira sind akrobatische Tritte die Regel. Schläge mit geschlossener Faust sind verboten. In vielen Capoeira-Rodas (also Kreisen, in denen Capoeira gespielt wird), wird komplett ohne Kontakt gekämpft. Es sieht daher so aus, als würden die Kontrahenten lediglich tanzen, was sich darin begründet, dass der Kampf den schwarzen Sklaven zu lernen untersagt war. Daher benutzt man auch im portugiesischen die Redewendung „Jogar a Capoeira“ (dt.: Capoeira spielen), was jedoch nicht dazu führen sollte, dass man Capoeira als Spiel oder Tanz ansieht. Es ist eine tödliche Waffe, was dazu führte, dass es in Brasilien einige Jahrzehnte lang verboten wurde. Musik und Religion gehören zum Capoeira ebenso dazu wie dynamische Bewegungen und Tritte. Um die Beiden Spieler wird ein Kreis gebildet und dazu gesungen und Musik gespielt, was zum einen der Tarnung des Kampfes diente, und zum andern Teil der alten Afrikanischen Kultur war.

Eine wichtige Person für das Capoeira war Mestre Bimba, da er das erste Regelwerk für Capoeira erstellte und darüber hinaus ähnliche philosophische Überlegungen anstellte, wie etwa zur gleichen Zeit in Japan Kano, Funakoshi und Ueshiba. Sein Kampfweg sieht lediglich anders aus, beinhaltet aber sehr ähnliche Konzepte.

Schlusswort

Natürlich gibt es über die paar hier aufgeführten Kampfkünste, Sportarten und Systeme hinaus noch viele weiter, die man hätte beleuchten können. Jedoch sollte dies bloß ein kurzer Aufriss der Geschichte der Kampfkünste sein, weshalb auch moderne, rein zur Selbstverteidigung, und von jedweder Kultur unabhängige Kampfkünste, wie zum Beispiel Krav Maga, Sambo oder American Kempo, hier nicht aufgeführt sind.

Ich hoffe jedoch, dass es eurem Verständnis von Kampfkünsten ein wenig weiter hilft, und ihr nun alles etwas besser einordnen könnt. Wenn ihr noch weiter Fragen zu hier aufgeführten oder auch anderen Kampfkünsten und deren Hintergrund oder Technischer Grundlage habt, so beantworte ich sie euch sehr gerne, und suche ggf. Material dazu heraus.

Ich hoffe vor allen Dingen, das deutlich geworden ist, dass man jede Kampfkunst immer vor deren historischen Hintergrund betrachten muss um zu verstehen wie sie in ihren Grundzügen funktioniert, und warum sie so aussieht wie sie aussieht, und warum sie Ansichten vertritt, wie sie sie vertritt.

Mit freundlichen Grüßen

Tobi

9 Kommentare

  1. Vielen Dank Tobias!
    Tolle Arbeit. Ich fand es sehr interessant und lehrreich.

  2. Francisco

    Hi Tobi,

    Toller Artikel, Danke, dass Du deine aufwendige Reserchen und Kenntnisse mit uns teilst.
    Hochinteressant und lehrreich

    Gruß

  3. Wir schließen uns an Tobi. Klasse.

  4. Hallo Tobias,
    obwohl ich nicht ganz unbewandert bin in der Historie der Kampfkünste waren auch für mich einige neue Erkenntnisse dabei. Vielen Dank dafür! Gute Arbeit!!!
    Gruß
    Jürgen

  5. Hallo Tobias.
    Vielen Dank für deine aufwendigen Recherchen. Es war sehr informativ zu lesen.
    Ich suche für die Aufschaltung unserer Homepage Informationen zu HapKiDo. Vielleicht kennst du noch Quellen die ich nicht kenne?!?
    Ich durchforste das Netz. Am wenigsten Informationen bekomme ich über die Philosophie von HapKiDo; und wie sich die Philosophie von HapKiDo und Aikido unterscheiden… … haben sie doch dieselben (chinesischen?) Schriftzeichen oder liege ich da ganz falsch? jedenfalls ist HapKiDo die koreanische Aussprache Aikido. UNd dennoch sind sie so unterschiedlich.

  6. Hallo Felix,

    Also einige Dinge kann ich dir eben aus dem stehgreif beantworten. Hapkido ist meines wissens eine sehr neue kampfkunst, daher gibt es dazu auch keine chinesischen schriftzeichen. jedenfalls keine traditionellen. Da in korea in hangeul geschrieben wird, was ein buchstaben alphabet ist, das shcon seit dem 15 jahrhundert dort in gebrauch ist, ist die sprachliche gemeinsame wurzel, die du angesprochen hast glaube ich nicht so vorhanden. meines wissens ist auch hapkido nicht die koreanische aussprache von aikido. was es genau heißt weiß ich aus dem stand grade nicht, aber es würde mich wundern, wenn es dasselbe bedeuten würde, da hapkido eigens zur selbstverteidigung designed ist, was beim aikido ja nicht der fall ist. naja wenn du noch mehr wissen willst häng ich mich da gerne mal dran, das kann ich aber nur an den wochenenden tun, weil ich unter der woche im dienst bin und keine zeit dfür habe. aber wenn du magst guck ich mal. bis dann

    gruß
    tobi

  7. Hallo Tobi
    Danke für deine Antwort. Ich habmir ja schon ein wenig Grundwissen zu dem Theam angeeignet… Aufgrund der nicht grade freudschaftlichen Beziehung der beiden Länder ist die Geschichtsschreibung oft auch ein wenig zu Propogandazwecken “angepasst” worden…
    Also HapKiDo und Aikido haben ja zumindest eine gemeinsame Wurzel… das Daito Ryu Aki Ju Jitsu von Sokaku Takeda. Sowohl Morihei Ueshiba als auch Choi Yong Sul haben bei ihm gelernt und daraus ihre eigenen Stile entwickelt. Beim HapKiDo kamen noch ganz viele Beintechniken aus den koreanischen KAmpfkünsten wie z.B. Teakkyon dazu.
    Soviel zu den Ähnlichkeiten die auch bei der Philosophie dann zum Vorschein kommen müssten…
    Dann zu der Schrift… Hangeul wurde im 15 Jahrhundert erschaffen das stimmt, aber zuvor wurde chinesisch geschrieben und das hat sich bis heute gehalten. wenn die Aussprache eines Wortes nicht ausreicht werden die chinesischen Zeichen mit verwendet…. diese Zeichen werden Hanja genannt.
    laut Wikipedia sollen es die Japanische Schriftzeichen sein die anders ausgesprochen werden…:

    Hapkido (koreanische Aussprache: [hapk?ido]; japanische Aussprache der gleichen Schriftzeichen: Aikido; auch Hap Ki Do, Hapgido, Habkido, Hap-Ki-Do) ist eine koreanische Kampfkunst, welche hauptsächlich aus Techniken und Prinzipien des japanischen Daito-Ryu Aiki Ju-Jutsu besteht. Einige Stile haben Techniken aus dem Taekwondo (Tritte, Schläge), Judo (Würfe, Fallschule usw.) sowie einige Waffentechniken in ihre Systeme integriert. Hapkido arbeitet vornehmlich nach den drei Prinzipien

    * Prinzip des Kreises (Yu)
    * Prinzip des Flusses (Won)
    * Prinzip des Nicht-Widerstandes (Hwa).

    Würfe, Hebel, Tritte, Nervendruckpunkttechniken und defensive Verteidigungstechniken werden in flüssiger und kreisförmiger Bewegung ausgeführt.

    * Hap bedeutet „allumfassend“, „Harmonie von Körper, Geist und Seele“
    * Ki Innerliche und äußerliche Kraft
    * Do Lebensweg

    es gibt also doch sehr viele Gemeinsamkeiten oder nicht?

    Gruss Felix

  8. Hallo Tobias,
    danke für deinen interesanten Artikel. Mich würden besonders die Studien zu Gleichgewicht, Drehmoment und anderen physikalischen Gesetzmässigkeiten der Weiden-Schule bzw. die von dir erwähnte Entwicklung einer “Wissenschaft der Nachgiebigkeit” und generell alle Bezüge zu einer funktionalen Anatomie (insbesondere im Judo) sehr interessieren. Sind dir dazu Quellen bekannt? Wo könnte ich da weiter kommen? Ich hoffe Du magst auch nach so langer Zeit noch Fragen zu deinem Text beantworten. Mit lieben Grüssen, Marc.

  9. Hey Marc,

    vielen Dank für dein Interesse. Ich kenne ehrlich gesagt keine Anatomische Studie auswendig, die sich mit der Anwendbarkeit auf Kampfkünste beschäftigt.
    Es gibt gerade in der Modernen Sportmedizin viele Studien zu Judo (Diplomarbeiten Dissertationen; vielleicht guckste dich mal im Katalog der Unis Düsseldorf und Köln um, ich kenne einige Leute die da geschrieben haben, um). Diese sind allerdings zum Großteil (nach meinem ganz persönlichen Dafürhalten) äußerst Problematisch, weil in Judokreisen sehr viel davon unreflektiert übernommen wird (man hört dann oft Erklärungen die eingeleitet werden mit “Nach neuesten Biomechanischen Erkenntnissen … bla bla bla” ohne, dass man diese Erkenntnisse explizit darstellen könnte.

    Die wichtigsten physikalischen Grundlagen werden im Eingangskapitel von Jigoro Kanos “Kodokan Judo” aus dem Kodansha Verlag in Tokio (deutsche Übersetzung Verlag Dieter Born in Bonn) kurz aber sehr abstrakt dargelegt. Das Buch lohnt sich aber nur dann, wenn du Judoka bist (klang so in deinem Kommentar ich hoffe, dass ist richtig). Wenn du das bist lohnt es sich aber mehr als jedes moderne Buch.

    Definition von Gleichgewicht, gebrochenem Gleichgewicht, Hebel bzw. Drehmoment und die sinnvollsten Methoden zum Gleichgewichtbrechen (so dass es halt keine Kraft kostet) werden dort abstrakt dargelegt. Die Anwendung muss man dann im Training selbst leisten, aber das macht ja auch den Reiz des Judo aus.

    Falls du noch mehr wissen möchtest, oder einzelne Erklärungen kennen lernen möchtest lass dich doch einfach von Gelly und Peter meine eMailadresse schicken (hiermit Erlaubnis erteilt), dann schreibt ich dir gerne zu dem Thema alles was ich weiß.

    Alles Gute, ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen.

    Tobi

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