Eine gute Lektion

Gestern habe ich eine Erlebnis gehabt, die ich mit Euch teilen möchte:

Ich war gestern in ASV-Dojo in Mönchengladbach bei Kinder Ju-Jitsu Training als Zuschauer (habe auf meinen Sohn gewartet) und durfte mit ansehen, wie Hoss-sensei das Training gestaltet und geleitet hat. Es ist nicht einfach, Kinder zwischen 5-10 Jahren zu trainieren. Hoss-sensei verdient für mich großen Respekt, wie toll er das Training führt und wie erstaunlich gut er zwischen der nötigen Disziplin und der unvermeidbaren Geduld ständig die Balance findet.

Auf jeden Fall bestand eine der Aufgaben, über eine senkrecht festgehaltene dicke Matratze auf einen Stapel von Matten zu klettern und deren „Gipfel“ zu erreichen. Das ganze hatte eine Höhe von ca. 1,90 Meter, also eine beträchtliche Höhe für das Alter und Größe der Kinder.

Die Kinder (ca. 14) standen in zweier-Schlangen und liefen zu zweit etwa 7 Meter bis zur „Matratzenmauer“, konnten also z.B. Schwung nehmen. Einige haben sich für einen hohen Sprung entschieden, während andere ehr versuchten, mit Händen und Füssen gegen die Oberfläche, die Höhe zu überwinden, nur ein Paar hatte es soweit geschafft, die anderen mussten sich wieder  hinten anstellen

Und dann kamen diese zwei 7-Jährige… Sie liefen wie alle anderen auch auf die Matratze zu, hielten aber plötzlich und gleichzeitig kurz davor inne (!). Dann hielt der eine die Hände als „Räuberleiter“ für den anderen, dieser schaffte es rück-zug auf den Stapel, streckte von oben seinen Arm und half dem anderen hoch, der es in nullkomanix auch schaffte.

Erst dann verstanden alle anderen, worauf die Aufgabe tatsächlich bestanden hatte, und das war nicht gerade „hoch klettern“. Es war nichts anderes als die bekannte Formel „1+1=1“. Es ging nicht um das „ich schaffe es“ sondern „wir schaffen es“, es ging dabei ums Quer-denken, es ging dabei um “nicht an sich an erste Stelle denken”, es ging um vieles, die alle  Kinder gerade in diesem Alter lernen sollten und beim Weiten wichtiger sind als einen Wurf oder einen Armhebel. Wenn alle dabei (übrigens, die anwesenden Eltern eingeschlossen) diese Lektion verstanden und gelernt haben, sind sie einen sehr wichtigen Schritt weiter in die richtige Richtung, nicht nur in der Kampfkunst, sondern auch im Leben…

(P.S. Das dieses Kind mein Sohn war tut nichts zur Sache, ich darf es aber mit vollem Papa-Stolz hier erwähnen, weiter so Nico!)

2 Kommentare

  1. Eine schöne Idee von Hoss-Sensei. Die Formel ist nur wenigen wie uns und jetzt Deinem Sohn und Freund bekannt. Die Formel würde viele Menschen verwirren und verblüffen.

  2. Hallo Francisco,
    eine sehr interessante Geschichte und schwierige Aufgabe.
    Man sagt als Aussenstehender sieht man mehr und kommt schneller auf eine Lösung.
    Doch bis du es mit der Räuberleiter geschrieben hast, war ich weit von dieser entfernt.
    Für mich persönlich ein Zeichen wie schwer diese Aufgabe gewesen ist.
    Respekt an die Beiden, dass sie darauf gekommen sind.
    Zudem freut es mich für dich, dass es dein Sohn war.

    Danke für den schönen Artikel.
    LG, Daniel

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll Up