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Irimi und Nikkyo im wahren Leben

Neulich hörte ich folgende Geschichte, ich weiß nicht, ob sie wirklich oder erfunden ist, spielt aber keine Rolle, denn die Botschaft ist echt, und das ist, was (für mich) zählt.

Ein deutscher Mitarbeiter eines großen Unternehmens aus Schweden ist in Stockholm auf Geschäftsreise. Er wird mit dem Auto zur schwedischen Produktionsstätte gefahren. Es ist morgens, der Himmel ist blau aber die Temperatur erreicht kaum -10°C. Sie fahren auf das riesige Parkgelände der Firma, das um diese Uhrzeit ganz leer ist. Überraschenderweise parkt aber der schwedische Gastgeber auf der anderen Seite des Geländes, also sehr weit weg vom Gebäudeeingang. Der deutsche Gast, ganz verdutzt, fragt, wieso er so weit weg parkt, wo alle Plätze noch nicht belegt sind und bekommt folgende Antwort:

Wir sind die ersten, haben also mehr Zeit als andere, die vielleicht nicht so viel Glück mit dem Verkehr haben. Es kann auch sein, dass es später anfängt zu regnen und die, die später kommen, keinen Schirm dabei haben, oder es gibt vielleicht Leute, die aufgrund von einer Verletzung, nicht so viel laufen können. Deswegen ist es besser, dass WIR etwas weit weg parken.

Ganz vernünftig und rücksichtsvoll, oder? Und wieso fällt uns meistens so schwer, mit dem Mitmenschen auch so umzugehen?

Meine persönliche „Aikido-Interpretation“ der Geschichte: wir können (und sollen) Rücksicht auf die Mitmenschen nehmen und alle respektvoll behandeln, wie wir uns auch wünschen, von anderen behandelt zu werden. Übertragen auf Aikido ist das Tür halten vor einem Mensch, der hinter uns kommt, ein „Nikkyo“ heißt:  der Mensch / die Situation ist schon da – ich bin bereits „gegriffen“ worden und habe korrekt reagiert. Das „weit weg parken“, weil wir uns Gedanken im Voraus gemacht haben wäre für mich ein „Irimi“, ein Eintreten also, BEVOR ich getroffen werde.

Gestern holte ich einen Karton Druckpapier aus einem Regal im Büro. Ich hätte den (schweren) Karton aus dem niedrigen Regal holen können, was viel einfacher gewesen wäre, aber in dem Moment („in the moment“ ;-) habe ich an den Schweden gedacht und griff auf den Karton ganz oben auf dem Regal, musste wirklich aufpassen, dass er mir nicht auf die Fresse fiel… Ich hoffe, dass ein Kollege hat später davon profitieren können. Ich beschloss, Irimi im praktischen Leben  für mich als nächstes Ziel zu setzen.

Schöne Grüße an alle

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von

Ich bin am 7. April 1972 in Oviedo (Spanien) zufällig geboren, wie alles im Leben. Nach Deutschland kam ich direkt nach meinem Studium am 22.03.1997, um meinen Traumjob (Lehrer für Literatur und Spanisch als Fremdsprache) zu suchen. Es ist seitdem vieles passiert, ich habe überall gearbeitet und traf immer wunderbare Leute. Abgesehen von ein paar unglücklichen Momenten kann ich mich über mein Glück überhaupt nicht beschwerden. Ich bin seit 01.12.2000 verheiratet und habe zwei tolle Kinder (na ja, da bin ich sicherlich nicht objektiv genug): Carla (3 ½) und Nico (20 Monate). Ich mache gerne Sport, reise, lese und fotografiere gerne. Ich bin ehr der ruhige Typ, ich mag keine Menschenmengen oder laute Geräusche. Momentan habe ich das große Glück, für ein (recht bunt) Japanisches Chemieunternehmen in Düsseldorf zu arbeiten, wo jeder Kollege jeden Tag von den Erfahrungen der anderen lernt und profitiert. Meinen Traum Aikido zu lernen habe ich seit Anfang Februar 2008 auch verwirklicht. Ich fühlte mich durch die Seite von Geraldine und Peter sehr angesprochen und wurde sehr freundlich von Ihnen empfangen.

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