Konsequenzen

Wir haben heute beim Training über das Aufhören gesprochen. Speziell bei Aikido war dann die Rede von der Härte des Trainings als einer der offiziellen Gründen. Wie ich schon erwähnt habe, es gibt Dojos, wo z.B. Verspätungen mit Liegestützen „bestraft“ werden.

Nun stelle ich mir die Frage: warum wird so etwas praktiziert? Ich denke, es geht nicht um eine Strafe, denn so eine Sache wie Strafe ist ziemlich relativ. Nach meiner Meinung, geht es darum, den Schülern klar zu machen, dass alles in diesem Leben Konsequenzen hat. Damit meine ich nicht nur solche banale Sachen wie: ich habe mit einem Messer rumgespielt und nun habe ich eine Narbe. Sondern darum, dass jeder Schritt den wir machen, jede Geste, jedes Verhalten, das wir an den Tag legen, Konsequenzen mit sich zieht.

Alles was wir tun, hat Konsequenzen und meistens sind das Prozesse, die nicht umkehrbar sind. Vor allem wenn wir mit anderen Menschen agieren, muss uns das bewusst sein. Ich finde das verstehen bei weitem nicht alle, was seinerseits zu Spannungen und Konflikten führt. 

Die reale Welt hat nichts mit einer liebenden Mutter zu tun, die ihrem Kind alles verzeiht und immer eine weitere Chance anbieten. Und das ist gut so. Je früher man das lernt, desto besser. Daher die Liegestütze.

8 Kommentare

  1. Ich finde diese Art der „Bestrafung“ ziemlich sinnlos. Es gehört sich einfach nicht, zu spät zu kommen – erst recht nicht, wenn in einer Gruppe trainiert wird. Genauso, wie man das Handy lautlos stellt oder abschaltet. Aber so etwas kann und muss man nicht durch Bestrafungen erreichen. Dazu reichen ein paar Worte und eine Mahnung, die an die ganze Gruppe gerichtet ist.

    Ich empfinde solche Praktiken als deplatziert und unnötig.

  2. Peter Roskothen

    Die Art der Konsequenz ist in meinen persönlichen Augen sogar sehr sinnvoll, denn manche Menschen lernen nicht durch gutes Zureden, sondern durch Schmerzen. Allerdings ist das bei unseren Schülern nicht notwendig, was sich wie ein Kompliment anhört und auch eines sein soll.
    Ich darf mal sagen, daß es Ausnahmen gibt. Menschen, die zu uns kommen und sagen „Ich kann am Mittwoch nicht pünktlich da sein weil…“, kann geholfen werden. Wir haben über Pünktlichkeit sowieso nur geredet, weil es einer der vielen Punkte ist, die sich hinter der Etikette verbergen. Nicht weil wir jemanden deplazieren möchten. Wer lernen möchte, der kann das und an der korrekten Etikette erkennt man schnell wer nicht nur zum Spaß da ist, sondern auch, um an sich zu arbeiten. Das gilt für Kinder wie Erwachsene gleicher Maßen.
    In der staatlichen Schule nicht aufzustehen und den Mund zu halten wenn der Lehrer herein kommt ist nur eine der Dinge, die völlig falsch laufen an herkömmlichen Schulen und mit denen den Schülern absolut kein Gefallen getan wird. Mehr Disziplin brächte auch größere Erfolgschancen im Leben danach. Die Inhalte können nur mit der richtigen Form gelernt werden. Wenn die Form nicht stimmt, dann klappt auch kein Inhalt. Und die wahre Einstellung ist spätestens dann zu erkennen, wenn das Training härter wird. Man schaue sich einfach einmal Privatschulen an, dann weiß man was gemeint ist und was Erfolg bringt.

  3. Jörg Stappen

    Die Etikette ist die unbedingte Vorausetzung für das Erlernen und die Ausübung des Inhaltes, was auch durch die dritte Falte im Hakama „Rei“ symbolisiert wird. Man kann auch keine Tasse Tee (Inhalt) ohne ensprechendes Gefäß (Etikette) zu sich nehmen.
    Allerdings ist nichts unabänderlich. So verändern sich im Laufe der Zeit die Konvensionen darüber, was eine richtige Etikette ausmacht. Während es z. B. zur meiner frühen Schulzeit normal war, daß die Schüler beim Eintreten des Lehrers aufstanden, so wird dies heute nicht mehr so gesehen. Aus den Gesprächen mit meinen Kindern weiß ich allerdings, dies nicht unbedingt Respektlosigkeit bedeuten muß, sondern lediglich einen Wandel der Umgangsformen aufzeigt. Auch in Shingen-Dojo sind mit der Zeit einige Änderungen der Etikette eingeführt worden (z.B. die Sitzordnung beim An- und Abgrüßen, das Niederknien des Schülers beim Aufruf durch den Lehrer, (was ich leider gestern vergessen habe) usw.).
    Worauf ich hinaus will ist, daß Rei unbedingt dazu gehört, daß sich Änderungen zwangsläufig ergeben, was allerdings nicht schlimm ist, solange diese Änderungen allen bekannt sind.

    Viele Grüße
    Jörg

  4. Hallo an alle und schoene Gruesse aus dem sonnigen Guatemala.
    Ich wuerde gerne etwas zu dem Thema beisteuern, denn was die Schule betrifft, habe ich exakt den beschriebenen Wandel miterlebt und mitgestaltet. Mir wurde auf dem Gymnasium noch beigebracht beim Eintreten des Lehrers aufzustehen und ihn in der Unterrichtssprache (also meistens deutsch aber auch franzoesisch englisch und sogar latein) zu begruessen. Durch das was man so mitbekommt, weiss ich, dass die Schueler in den unteren Stufen das nicht mehr tun, und ich sehe einen direkten Zusammenhang zwischen dieser Etikette und dem verhalten, dass die Schueler den Lehrern und aelteren Schuelern an den Tag legen.
    In sofern denke ich ist es nicht nur ein Wandel der Umgangsformen sondern ein stueck weit respektlosigkeit die unsere gesellschaft immer mehr praegen.

  5. Ich möchte an dieser Stelle gerne zwischen zwei Sachen unterscheiden: Respekt und respektvolles Verhalten. Respekt muss man sich verdienen, es ist dumm, wenn ich von jemanden Respekt verlange, ich kann mir Mühe geben, es zu verdienen, wenn es aber nicht dazu kommt – dann ist das eben so. Respektvolles Verhalten den anderen gegenüber ist aber die Voraussetzung dafür, dass ich darauf bestehen kann, dass man mich auch mit Respekt behandelt.

    Nun was die Schule angeht, ich bin kein Freund von Liberalismus. Man kann jetzt lange darüber diskutieren, ob der Kant recht hatte, und die Moral und die Vernunft in jedem von uns vom Anfang an … tut mir leid, gerade das sehe ich nicht. Ich sehe, dass diejenigen unter uns, die in ihrer Jugend vernünftig erzogen wurden auch vernünftig sind. Und diejenigen, die sich selbst überlassen wurden, was Moral und Ethik angeht, die zeigen ziemlich viel von niederen Trieben auf und merken das nicht mal.

    Und damit es keine theoretische Diskussion auslöst:
    Die unter euch, die Bus und Bahn fahren, sagt mir ganz ehrlich, wie oft habt ihr einen Jugendlichen gesehen, der einer Frau oder einem älteren Menschen sein Platz frei macht? Wie oft habt ihr einen Jugendlichen gesehen, der an der Kasse im Supermarkt dich vorbeilässt, weil du eine Packung Möhren hast und er einen ganzen Wagen?

    UPDATE: und nein, das ist kein Ende der Welt. Das Pendel ist einfach gerade dabei nach unten zu gehen. Sobald die Konsequenzen von diesem Wandel spürbar werden, geht es wieder nach oben.

  6. Hallo,

    ich als Jugendliche möchte auch meinen beitrag dazu leisten.
    Was die Sache mit den Bussen und Bahnen betrifft: häufig wird man als Jugendlicher beschimpft oder sogar geschubst (ich spreche aus eigenen Erfahrungen), wenn man Platz für ältere Menschen macht – wobei ich das ncith pauschalisieren möchte.
    Auch kommt es häufig genug vor, dass ältere Menshcen drängeln und auf einem für sie eigentlich nciht geltenden Recht bestehen, einen Sitzplatz zu ergattern. Dabei schrecken sie auch nicht davor zurück, jüngere – und seien es kleine Kinder, was ich auch schon miterleben durfte – in einem fast leeren Bus von ihren Sitzen zu scheuchen.
    Man bekommt als Jugendlicher also ebenfalls genug respektloses Verhalten gezeigt, wenn man sich in der Öffentlichkeit befindet. Und das finde ich nicht in Ordnung.

    Man sagt, die meisten Kinder werden heutzutage (und ich glaube, das stimmt sogar) sich selber überlassen. Ichhatte Glück, dass meine Eltern sich um mich und meine Geschwister gekümmmert und uns den Weg übers Gymnasium eröffnet haben.
    Das wird aber, denke ich, den wenigsten zuteil. Der beinahe soziale Abstieg vom Gymnasium zur Berufsschule, die ich besuche, ist gravierend. Leider kann das nicht anders gesagt werden.
    Für die Schüler dort scheint es selbstverständlich, im Unterricht zu reden und laut zu lachen oder dümmliche Kommentare von sich zu geben, was absolut unangebracht ist.

    Die Lehrer sagen nichts. Wenig jedenfalls. Wahrscheinlich sind sie es leid, sich andauernd durchsetzen und kämpfen zu müssen. Um respekt kämpfen zu müssen. Denn Viele schüler sind einfach nciht in der Lage zu erkennen, wann eine Person weshalb zu respektieren ist. Das ist schade.

    Und auch die Liegestützen als „Bestrafung“ oder auch „Wegweiser“ sind mir bekannt.
    In unserem früheren Judotraining musste man, wenn man gestört hat oder zu spät kam, viele Liegestütze machen. einerseits hat dies verhindert, dass wir störten, andererseits bemühte man sich um Pünktlichkeit, denn der Mensch ist von natur aus faul. *tüdel* Es standen viele Liegestütze auf dem Plan, teilweise 50 am Stück.
    Geschadet hat es uns nicht.
    und es war erstaunlich, wie gerne die Kinder und Jugendlichen zum Training kamen.

    Schade, dass das Hauptproblem unserer gesellschaft „GEGENSEITIGER Respekt“ heißt. Denn davon ist kaum mehr etwas vorhanden.

  7. Peter Roskothen

    Hallo Valérie, ich denke nicht, daß diese Art Lehrer den Schülern einen Gefallen tun, wenn sie den Respekt nicht einfordern und auch nichts sonst dafür tun. Im Gegenteil, gerade nettere Schüler werden leiden unter dieser Art Unterricht. Lehrer haben Verantwortung und Lehrer die die Etikette nicht einfordern und vorleben, sind am falschen Platz.
    Das mit dem Respekt ist richtig. Es geht noch um mehr: Demut, Verantwortung, Liebe, Loyalität. Womit wir wieder bei den Falten im Gesicht sind. LOL

  8. Ich habe eine ganz andere Frage zum Thema Konsequenzen und Budo. Ich kenne einen Verein im BBT wo man wegen 1. Regelverstoß fünf euro abkassiert Geldstrafe beim 2. Regelverstoß 20 Euro und beim 3. Regelverstoß sogar stolze 50 Euro.

    Was haltet ihr davon. Ich finde es nicht gut.

    In diesem Sinne

    Peggy

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