Muskelkater und blaue Flecken

An den latenten Rückenschmerzen und den seitlichen sowie frontalen Erweiterungen um die Körpermitte, der Unfähigkeit bei durchgedrückten Beinen die Fingerspitzen in die Nähe der Zehen zu bringen und dem Wissen, dass das mal anders war, bemerke ich, dass ich dringend in Bewegung kommen muss. Die nächtliche Begegnung mit einem Ungeheuer in den Straßen von Berlin und die Tatsache, dass ich so etwas noch nie gemacht habe bringen mich auf dieses Kampf-Dings als sportive Betätigung. Kampfsport und -Kunst sind dabei nämlich offenbar dringend zu unterscheiden! Das wusste ich am Anfang meiner Recherche nach der geeigneten Sorte aber noch nicht.

Also erst mal den Rechner angeschmissen und nachgeguckt was es da so gibt. Karate, Judo, Ju Jutsu gibt´s in Fahrrad fahrbarer Entfernung. Teakwondo, Kung Fu, Wingtsun in der nächsten größeren Stadt. Joaaa – und im Nachbardorf macht man Aikido. Für die „Was ist Was“-Aufklärung muss zunächst mal YouTube herhalten. Da sieht man jede Menge Filme, in denen sich Leute gegenseitig treten, hauen, umschmeißen oder sich in fester Umarmung gemeinsam über den Fußboden rollen. Schön! Aber kann und will ich das auch? Jetzt merke ich doch so langsam, warum ich mich noch nie im Leben gekloppt habe und dass ich mit der Vermeidung der körperlichen Konfrontation eigentlich ganz zufrieden bin. Ausserdem denke ich mir, dass ich selbst mit schwarzem Gürtel in Teak-Kung-Tsun keine Chance in einer Auseinandersetzung mit den Berliner Ungeheuern hätte. Ich bin halt eher so´n Hemd – hmmm.

Konfrontationsbewältigung

Doch da fällt mein Blick auf eine Variante der Konfrontationsbewältigung, die besser zu mir passen könnte. Dabei nutzt man die Angriffskraft des Gegners aus, leitet diese mittels einer geschickten Drehung um und er wirft sich quasi selbst zu Boden und hinein in einen schmerzhaften Armverdrehergriff. Cool! Ausserdem wird hierbei die mentale Stärkung betrieben und die Tradition der Samurai wird weitergelebt. Man fühlt sich also wie Uma Thurman als Kiddo in Kill Bill 2 bei Pei Mei in der Kampfkunstschule oder wie Richard Chamberlain in Shogun – wow! Zusätzlich zu den sehr geschmeidig wirkenden Griffen, Würfen und Rollen wird auch mit Schwert und Stock gekämpft.

Probetraining

Mit diesem „Wissen“ habe ich dann mal bei den Aikidoka in Willich-Anrath angerufen und wurde gleich zu einem Probetraining eingeladen. Mir wurde zwar etwas schwindelig durch die herumrollerei aber es hat echt Spaß gemacht. Alle waren gleich sehr nett und haben mir nur ganz wenig weh getan. Wir haben mit geschlossenen Augen unsere Finger verknotet, uns ausgiebig gedehnt und nach einigen Kampfübungen mit Bokken und Jo, das sind Schwert und Stock (beides aus Holz), gefochten. Seit diesem Tage habe ich allerdings Muskelkater – ich hoffe das legt sich irgendwann wieder.

Beim dritten Probetraining haben wir Druckpunkte geübt. Das sind Stellen am Körper, die bei plötzlicher und kräftiger Berührung besondere Reaktionen hervorrufen. Das hat dann auch ein Bisschen weh getan – ging aber noch. Dafür kann ich jetzt mit meinen blauen Flecken an den Unterarmen prahlen! Die Anmeldung habe ich inzwischen auch schon unterschrieben und abgegeben. Ich will ja schließlich noch die Fünf-Punkte-Pressur-Herzexplosions-Technik lernen! ;-)

Bernd

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