Aikido / Budo, Allgemein, Menschliches
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Über die Anfänge, den Anfänger an sich und die Motivation

Wenn jemand mit etwas beginnt so hat er zunächst einen schweren Stand und eine sehr ungünstige Ausgangsposition. Wieso meine ich das? Weil es lediglich meine Erfahrung wiederspiegelt. Was ich dennoch denke, ist, dass diese Aussage nicht nur meine Erfahrung wiederspiegelt sondern die vieler anderer Mitstreiter auch.

Wie war das noch bei der Einschulung in der Grundschule? Man war ein “Idözchen” zumindest zu meiner Zeit. Jedenfalls wurde man dort schon sehr früh damit konfrontiert, dass, mit etwas zu beginnen, in erster Linie mal unangenehm ist. Dieses Dilemma wird im üngünstigsten Fall weiter gefördert durch unfähige Gesellen, denen man während seiner Ausbildung zugewiesen wird, durch hilflose und völlig überforderte sogenannte Pädagogen (Lehrer) in der Schule und um wieder auf das Thema Budo zurückzukommen, durch arrogante und vor überschäumenden Selbstbewußtwein strotzende Trainer die, eben weil sie sich so toll fühlen, aus meiner Sicht nicht begriffen haben was Budo eigentlich ist. Und trotzdem ist selbst das affenähnliche Getue dieser Personen eine höchst menschliche Eigenschaft. Wenn man also ziemlich gut in etwas ist, stellt man es zur Schau und lässt es die , die noch nicht so gut sind spüren. Darüber kann man sich nun aufregen aber eigentlich handelt es sich in diesem Fall doch eher um ziemlich gestörte Persönlichkeiten, die offensichtlich ein sehr grundsätzliches Problem mit ihrem Selbstwertgefühl haben und daher am ehesten noch zu bemitleiden sind. Und um jeglichen Missverständnis vorzubeugen.

Ich schreibe hier gerade nicht über unser Dojo weil ich sonst schon längst nicht mehr da wäre. Es ist lediglich so, dass ich in der Position eines Anfängers bin und in dieser Situation mit alten Gefühlem respektive altem Ballast konfrontiert bin. Darüber zu schreiben hilft mir und vielleicht findet sich der eine oder andere wieder und nimmt von diesem Artikel etwas Positives mit. Diese negativen Gefühle waren in unserem Dojo schon nach dem zweiten Probetraining Geschichte und ich fühle mich ziemlich gut aufgehoben da wo ich Aikido trainiere…;-))).

Zurück zum Anfänger und zur Motivation.
Warum mache ich eigentlich Aikido? Also ich möchte mich durch das Training zunächst in die Lage versetzen mich in Situationen wo das Leben meiner Frau, meiner Kinder oder das Meinige bedroht wird angemessen verteidigen zu können. Dabei liest man gerade im Zusammenhang mit Aikido in diverser Anfängerliteratur häufig das Folgende:

“Es wird wohl mehrere Jahre dauern, bis man sich mit Aikido selbst verteidigen kann”
(Gerade erst wieder gelesen in einem Beginnerbook von Bodo Rötel).

Solche Aussagen bringen mich immer auf die Palme. Also meine erste Intention Aikido zu machen ist, mich verteidigen zu können. Dann beschäftige ich mich mit dem Thema und lese als erstes einen solchen Satz und denke:”Ganz toll, sollte ich vielleicht doch Krav Maga machen oder einen Selbtsverteidigungskurs besuchen?”

Nein, weil man eben nicht mehrere Jahre braucht um sich mit Aikido angemessen zu verteidigen. Wofür man mehrere Jahre braucht ist die perfekte Technik und zu verstehen, dass Aikido weit über die reine Selbstverteidigung hinaus geht, nicht aber um in schwierigen Situationen angemessen reagieren zu können. Warum?

Begründung:
Warum ertrinkt ein Mensch der nie gelernt hat zu schwimmen?. Weil er Angst hat und in einer Situation etwas versucht was nicht geht nämlich Boden unter die Füsse zu bekommen. Da ist aber keiner und das macht ihn verrückt. Er schlägt in Panik um sich und ertrinkt schließlich weil er keine Kraft mehr hat. Um aber nur zu überleben hätte er gar nicht schwimmen können müssen. Er hätte nur einatmen und ruhig bleiben müssen. Durch die Luft in seinen Lungen wäre er an der Wasseroberfläche geblieben.

Zu deutsch:
Ohne schwimmen zu können also die perfekte Technik zu beherrschen, hätte er überleben können. Daran gehindert hat ihn

ANGST….

Trotzdem ist Angst nichts Negatives sondern etwas höchst wertvolles nämlich ein Alarmsystem des Körpers, mit dem suboptimalen Nebeneffekt einer Ganzkörperverspannung.

Angst ist nichts anderes als ein Spannungszustand der, wenn man entsprechende Entspannungstechniken kennt, allein dadurch gelöst werden kann, dass man sich entspannt.  Das positive Alarmsystem des Körpers muss nur verstanden werden und es hilft über Techniken nachzudenken wie man sich in einer Angstsituation entspannen kann. Eines hilft immer. Sehr tief und lange einatmen. Danach doppelt so lange ausatmen. Das Ganze mehrere Male hintereinander.
Und gerade erst im SternTV gesehen. Eine neue Klopftechnik, bei der man ich glaube an 5 Punkten am Kopf und einem Punkt in der Nähe des Schlüsslbeins klopft. Das soll Blockaden in den Meridianen aufheben und so die Angst lösen. Auf die Frage was eine Stunde einer solchen Behandlung kostet meinte der Kollege: 250€. Da könnte man auf die Idee kommen, dass man im Leben irgendwas falsch gemacht hat…;-)))…nein natürlich nicht. Im Übrigen, wenn mich jemand angreift und ich fange an in meinem Gesicht rumzuklopfen, wie sieht das denn aus…;-))). Es könnte natürlich sein, das der Angreifer denkt ich wäre minderbemittelt oder geistig verwirrt und seinen Angriff deshalb aufgibt. In diesem Fall hätte die Technik durchaus ihre Berechtigung…;-))).
Ein anderes sehr wertvolles Hilfsmittel ist das Wissen um die eigenen Möglichkeiten der Selbstverteidigung z.b. wenn ich regelmäßig Aikido übe.
Alleine die Auseinandersetzung mit dem Thema und das Üben von Selbstverteidigungstechniken bringt uns schon so weit, das wir nicht mehr als ein Opfer über die Straße laufen, d.h. die Aura verändert sich. Menschen die dir ernsthaft was wollen riechen einen ängstlichen Menschen schon hundert Meter gegen den Wind. Sie erkennen es an der Haltung und an der Ausstrahlung, im Grunde funktioniert das so ähnlich wie bei Hunden. Die riechen das auch. Es ist also nicht zwingend so, dass ich erst meinen ersten Meistergrad verliehen bekommen haben muss, damit ich mich mit Aikido selbst verteidigen kann. Jedes Training, jede neue Technik einfach das “jedesmal dabei sein” bringt weiter. Mal einen  Zentimeter, mal einen Nanometer aber immer ein Stück weiter. Und eigentlich trainieren wir doch Aikido, um es nie anwenden zu müssen, sondern erst dadurch, dass wir es beherrschen in der Lage sind physische Auseinandersetzungen zu vermeiden. So verstehe ich es jedenfalls. Und das ist kein Widerspruch.

In diesem Sinne…

4 Kommentare

  1. Sebastian sagt

    Ich denke es ist durchaus richtig das man mehrere Jahre oder auch mehr als ein Jahrzehnt braucht um sich mit Aikido wirklich verteidigen zu können.

    Natürlich, es der Selbstverteidigungsaspekt der Punkt, der die meisten Leute erstmal dazu bewegt sich mit Aikido zu beschäftgen, aber er belibt ein nebeneffekt (wenn auch ein sehr guter).

    Ich glaube was als erstes wächst ist die Selbstüberschätzung, im Training funktioniert alles so schön und so gut.
    Im ersten Ernstfall werden die meisten dann auf den Boden der Tatsachen zurück geholt.

    Was ich mir schon eher vorstellen könnte ist das man nach 2-3 Jahren ein wenig seine Aufmerksamkeit geschärft hat, eine Situation im Vorfeld richtig einschätzt und z.B. die Straßenseite wechselt , somit sich garnicht mehr verteidigen muss.
    Oder durch das gewonnene Selbstvertrauen auch eine Körpersprache hat die ausdrück das mein kein “Opfer” ist.
    Bei den letzten beiden Punkten wären wir glaube ich bei der Kampfvermeidungskunst wie Peter es so schön nennt.
    ( wenn nicht korrigier mich bitte ^^ )

  2. Hallo Guido und Sebastian, vielen Dank für den tollen Artikel, der mir aus dem Herzen spricht und für die Dialoge, die uns immer weiter bringen.
    Der Artikel ist aus meiner persönlichen Sicht korrekt. Mich hat auch diese Aussage immer gestört: das muß man 20 Jahre machen, bevor es funktioniert. Mir hat ein Aikido-Lehrer mal gesagt, das Aikido von Reynosa-Sensei müsste man eben 20 Jahre machen, sonst verletze man sich so wie ich (2008).
    Warum uns alle das stört? Weil es nicht motiviert und gründlich falsch ist. Wie Ihr beide richtig bemerkt, ist die Aufmerksamkeit vom ersten Training an eine Andere. Die Aufmerksamkeit hilft bei der Bewältigung aller Aufgaben im Leben. Weil man intensiver mit etwas umgeht und bewusst damit arbeitet.
    Doch noch vorher ist etwas ganz Entscheidendes passiert, was jeden Teilnehmer von anderen unterscheidet: Man hat sich zum Dojo bewegt, um zu tranieren. Diese Entscheidung ist eine ganz Wichtige Instanz. Sie bedeutet sich aufzumachen, auf einen Weg. Wie der aussieht weiß man erst mal nicht. Man testet mit einem Probetraining was man da lernt. Und man erhält einen ganz kleinen Einblick in eine riesengroße Sache. Eine wunderbare Sache für alle die es körperlich und geistig machen können.
    Ich bin ziemlich sicher, daß für die anfängliche Entscheidung, ob man weiter trainiert, wichtiger noch als der Inhalt, die Beziehungsebenen sind. Ob man sich wohlfühlt mit den anderen Schülern und den den Trainern/Lehrern. Und da sind solche Aussagen wie “Man muß Aikido ein Leben lang machen.” oder “Ihr müsst 5 Mal die Woche trainieren, sonst bringt das nichts.” oder viele andere dumme Aussagen kontraproduktiv. Weil sie nicht motivieren. Motivation ist ein wichtiges Schlüsselwort. Wodurch werden wir überhaupt motiviert? Ich meine durch Freude an etwas. Und wer behauptet: “Ich mache Budo weil ich mich gerne selbtverteidigen möchte.” oder “…weil ich gerne ein besserer Mensch werden möchte.” der begründet nur zusätzlich seine Freude am Training. Das Gefühl braucht Spaß an etwas. Der Mensch ist nur durch Freude an etwas zu motivieren seinen Hintern von der Couch zu bekommen und das Fernsehen gegen Budo einzutauschen. Wenn die Freude nicht wäre, wäre keiner von uns länger als zwei Wochen beim Aikido.
    Freude hat nur derjenige, der die Lehrer und Mitschüler sowie die Bewegungen und Gedanken von Aikido mag. Das ist von Dojo zu Dojo unterschiedlich und hat sicher zu 99% mit den Menschen und Charakteren zu tun. Nicht mit Aikido als Lehre.
    Ich weiß ganz genau, daß Krafttraining nie mein Ding war. Mich interessiert daran gar nichts. Es hat nicht mit anderen Menschen zu tun, weil es nicht partnerschaftlich ist. Für mich hat es keinen Hintergrund, keine Seele. Das ist im Budo gründlich anders. Neben der Freude daran, geht es darum, etwas aus sich zu machen, was deutlich über die Fassade hinaus geht. Im Budo wird darüber nachgedacht, wie man mit etwas Liebe, Aufmerksamkeit und Etikette eine gute innere Struktur katalysiert. Auch mir passiert es immer wieder, daß ich meine Etikette vergesse, aber ich arbeite daran.
    Und dann ist da noch der wichtige Aspekt der Angst. Um Ängste zu überwinden, muß man auf sie zugehen, sie bewältigen. Dazu muß man nicht gleich ohne Käfig mit dem weißen Hai schwimmen, sprich man muß sich nicht gleich als Türsteher bewerben, aber man kann das lernen. Ihr geht jetzt auf die Aufgaben Eures Lebens zu. Das ist mehr als manch anderer macht. Die meisten ignorieren Ängste und daraus entstehen Psychosen und Stress. Großer Stress. Nur wer Ängste nicht ignoriert, sondern daran arbeitet, hat eine Chance heraus zu kommen und im Notfall nicht paralysiert zu sein.

  3. Guido Glatzel sagt

    Hi zusammen, lieben Dank für die tollen Antoworten.

    Ich stimme dir zu Sebastian wenn du sagst dann man mehrere Jahre braucht um angemessen Aikido zu lernen.
    Was ich aber denke ist, dass eine Aussage wie die “Du mußt schon mehrere Jahre Aikido gelernt haben um dich angemessen verteidigen zu können” in einem Buch für Beginner absolut nichts verloren hat weil es schlicht demotiviert. Also du beschäftigst dich mit Aikido aus Gründen der Selbstverteidigung und das erste was du in einem Einführungsbuch liest ist, das du mehrere Jahre brauchst um einen geringen Erfolg zu erzielen. Das impliziert bei mir sofort die sprichwörtliche Besteigung des Mount Everest.

    Meinen Intention Aikido zu machen ist es mich angemessen verteidigen zu können. Eben aus dem Grund meinen vermeintlichen Angreifer nicht unnötig verletzen zu müssen. Ich habe mehrere Jahre Karate trainiert und ich möchte niemals erfahren wozu mein Oi-Tsuki imstande ist. Ich habe es mal an einem Brett ausprobiert. Und das war es auch, was mich am Karate gestört hat. Man lernt am Anfang nur schlagen, blocken und treten. Wing-Tsun habe ich ähnlich empfunden wobei mir das weiche in dieser Kampfkunst schon sehr entgegen kam aber eben der Konter (Kettenfausstöße) nicht.

    Ich glaube in einer wirklich realen Situation würde ich mir vor Angst in die Hose machen und wenn es dann noch nicht mal um mich gehen würde sondern um die, die mir lieb und teuer sind, dann würde ich momentan zumindest alles auffahren was möglich ist. Oi-Tsukis, Kettenfausstöße, Tritte eben alles was dazu führt das meinen Lieben nichts passiert und in diesem Moment wäre mir der vermeintliche Angreifer “scheiß egal”.

    Und das alles aus Angst und weil ich nicht gelernt habe die Situation zu kontrollieren. Und wenn ich mir Videos vom Gründer des Aikido ansehe dann sitze ich völlig fasziniert da, traue meinen Augen nicht und kann kaum glauben wie aus soviel gütiger, friedlicher und konzentrierter Ruhe soviel Energie entstehen kann. Da trifft dann auch die Bezeichnung Selbstverteidigung nicht mehr zu. Es scheint eher so zu sein, das dieser Mann eine Möglichkeit gefunden hat die absolute Kontrolle über die Situation mit einer Leichtigkeit zu behalten die zuweilen nicht von dieser Welt zu sein scheint. Ich spüre wenn ich diese Videos sehe keinerlei Aggression, sonder eher tiefen inneren Frieden zum Wohle des Angreifers.

    Und das möchte ich irgendwann auch können….aber bis dahin….beschäftige ich mich damit,versuche zu verstehen, zu lernen und möchte nicht alle Nase lang hören wie schwierig das alles ist und wie lange man braucht usw. das demotiviert halt und führt dazu das ich Montags und Freitags wieder auf der Couch lande.
    Es macht so wie es ist einen riesen Spaß auch wegen der Menschen mit denen ich trainiere. Und da ist es mir dann auch egal wenn ich Dienstags und Samstags das Gefühl habe, dass ein 30-Tonner über mich gefahren ist.
    Das ist lediglich ein Hinweis darauf, dass Aikido eine Kunst ist, die aber auch wirklich jeden Muskel einbezieht….Aua……;-)))).

    Und Peter, was die Sache mit dem Fitness-Studio angeht, das habe ich mir auch schon mal angetan und es ist kalt und alles was kalt ist, kann ich nicht lange machen. Das ist mir auch beim Computer spielen so gegangen. Das war auch kalt.

    In diesem Sinne….

  4. Chrigu sagt

    Der Weg ist das Ziel…

    Ich versuche mein Leben danach zu leben und mich immer weiter zu entwickeln… neues zu lernen… nicht stehen zu bleiben. Das schöne daran ist, dass man so mit der Zeit lernt die Summe seiner Erfahrungen in andere Bereiche zu übertragen.

    Aus meinen jungen, wilden Jahren als aktiver Kanu-Wildwasser-Chaot weiss ich wie schnell eine Situation kippen und gefährlich werden kann. In einer Gefahrensituation einen kühlen Kopf bewahren zu können ist essentiell diese zu meistern… das Interessante dabei ist, dass ein Grossteil von der mentalen Einstellung abhängt und nicht von Ausdauer, Training, Kraft, Erfahrung, Ausrüstung etc.
    Und glaubt mir, ich weiss wie sich Panik und Todesangst anfühlt. Da war ich noch ein kleiner Naseweiss und hab mich überschätzt… zum Glück war’s dann doch nicht so gefährlich und ich hatte gute Freunde die mich rausgefischt haben. Das Schlimmste daran ist, dass man schlichtweg total die (mentale) Kontrolle verliert sich verausgabt und nicht mehr zielstrebig eine sinnvolle Option entscheiden und verfolgen kann.
    Anderseits weiss ich auch, wie sich mentale Kontrolle in einer lebensgefährlichen Situation anfühlt. Als erfahrener Kanut hat es mich mal kurz vor ende einer Tour in eine kronenformige Steinformation hineingespühlt und mich darin dann kopfüber eingeklemmt. Aussteigen war nicht (kein Platz zwischen Boot und Boden), Paddel musste ich gehen lassen um mir nicht den Arm zu brechen… also hab ich mich und meine Kajak kurzerhand aus der Felsformation soweit herausgestemmt dass ich wieder zurück in den Fluss gefallen bin und dort aussteigen konnte. Meine Freunde waren in der Zwischenzeit schon drauf und dran die Rettungsaktion anlaufen zu lassen und rechneten mit dem Schlimmsten. Mir wurde dann erst im Nachhinein bewusst, dass diese Situation – ohne mentale Kontrolle – leicht hätte ins Auge gehen können.

    Von meiner inzwischen vierjährigen Salsatanz- Erfahrung her weiss ich wie man – auch unerfahrene – Tanzpartnerinnen mit geringsten Kraftaufwand (und ohne die Dame zu verletzen) richtig führen kann. Auch, hat es mir ein vertieftes Körpergefühl (Koordination) gegeben und ich habe gelernt die Logik/Sprache von Tanzfiguren schnell zu begreifen durch zuschauen, nachahmen, ausprobieren und soweit zu verinnerlichen, dass man beim Tanzen nicht mehr über die Figur an sich nachdenken muss, sondern diese einfach nur noch ausführt (Körper- Erinnerung nennt man sowas glaube ich).

    Diese Erfahrungen nehme ich nun mit in mein frisch angefangenes “Studium” von Aikido und kann daher schon ansatzweise sehen welches Potential diese Philosophie und Verteidigungskunst in sich birgt (was für mich an sich schon Motivation genug ist). Ich sehe bereits nach zwei Monaten wohin die mentale Reise gehen könnte und was diese in einer “Selbstverteidigungs- Situation” bringen kann um diese zu meistern, bezw. zu entschärfen.
    Auch sehe ich, wie die so “einstudiert/choreografiert ausschauenden Figuren” als Bewegungsgrundgerüst für spätere automatische “körperliche Erinnerung und Abwehrreaktion” in einer Situationsbedingten, freieren Interpretation übergehen könnten. Und ich sehe die elegante Einfachheit der Aikido Bewegungs- und Verteidigungsgrundprinzipien:
    – Ausweichen
    – Energie des Gegners ausnutzen
    – Gegner damit aus dem Gleichgewicht bringen
    – Kontrolle über die Situation gewinnen und wahren

    Versteht mich bitte nicht falsch, noch bin ich blutiger Anfänger und muss erst noch das richtige Stehen, Fallen und Rollen lernen… geschweige den die japanischen Namen der ersten Figuren die wir gerade üben… aber Übung macht den Meister!

    Beim Kajak-fahren hat’s 3 Jahre gedauert, bis ich mich vom Flachwasser ins Wildwasser getraut habe… und dann nochmals 3 Jahre bis ich soweit meine (mentalen) Fähigkeiten und Situationen korrekt einschätzen und auch in Gefahrensituationen bewusst die Angst kontrollieren konnte.
    Beim Salsatanzen hat’s 1 Jahr gebraucht, bis ich meine eigene Koordination, Rhythmus, Tanzfiguren und dann noch das führen der Frau einigermassen drauf hatte… dann nochmals 2 Jahre bis ich auch komplizierte Figuren ohne nachzudenken tanzen und auch neue Figuren selbst interpretieren/erfinden konnte.

    Fazit:
    1. Man sollte sich für jedes Ding das man ausprobieren und lernen möchte mindestens 1 bis 3 Jahre Zeit geben. Erst dann kann man sich wirklich darüber ein Urteil bilden.
    2. Mentale Kontrolle ist in einer Gefahrensituation entscheidend… man kann eine “wirklich” gefährliche Situation nicht trainieren (auch eine “Wettkampfsituation” ist in meinen Augen keine “wirklich” gefährliche Situation)… aber die mentale Kontrolle – als Philosophie – schon. Aikido bietet mir das!
    3. Kampfsportarten und Künste scheinen mir seltener auf diese “mentale Kontrolle” zu zielen und auch nimmt es mir den Schrecken vor der Kraft und Geschwindigkeit eines Kampfsportlers als Gegner (falls es trotz allem mal dazu kommen sollte) wenn man nochmals über die (Bewegungs-)Grundprinzipien von Aikido nachdenkt… aber das ist auf folgendem Link besser beschrieben: http://www.gungfu.de/aikido/texte/geisInterview.html

    Ich hoffe ich konnte als Newbee ein paar interessante Denkanstösse zu dieser Diskussion beitragen.
    In diesem Sinne wünsche ich gutes Aikido-üben und verinnerlichen.

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