Aikido / Budo
Schreibe einen Kommentar

Über Trägheit

Neulich hat uns Peter nach der Freitagsbegrüßung über Engagement und Überwindung der inneren Passivität angesprochen. Im Bezug auf unsere Aikido-Treffen ist uns allen bewusst, dass es manchmal schwer fällt, jeden Tag nach Feierabend, Schule, etc. nicht einfach auf dem Sofa liegen zu bleiben. Besonders freitags um 20:00 Uhr ist es sicherlich am Schwierigsten sich auf den Weg zum Dojo zu machen. Wir alle wissen auch, was für ein tolles Gefühl es ist, jeden Tag dabei gewesen zu sein und es „geschafft“ zu haben, einen kleinen Schritt weiter im Aikido und im Leben zu sein.

Die Worte von Peter sind insofern wichtig, weil sie natürlich nicht nur unser Aikido Training betreffen, sondern alle anderen Bereiche des Lebens auch. Es hat mich sofort an eine Geschichte erinnert, ganz im Sinne von Jorge Bucay obwohl formell ziemlich anders geschrieben.

Es handelt sich um die Geschichtensammlung „Das Aleph“ vom verstorbenen argentinischen Schriftsteller Jorge-Luis Borges. Borges ist meines Erachtens einer der intelligentesten und scharfsinnigen Schriftsteller in spanischer Sprache aller Zeiten. Es gibt viele Anekdoten über Borges. Einmal während einer Pressekonferenz wollte ihn ein Journalist veräppeln und fragte ihn, ob es in Argentinien noch Kannibale gebe. Daraufhin antwortete Borges: „eigentlich nicht mehr, wir haben sie alle gegessen“

In „Das Aleph“ gibt es eine Geschichte namens „Der Unsterbliche“. Die Hintergrund Idee dieser Geschichte ist folgendes: man setzt einen Affen vor einer Schreibmaschine und lässt ihn wild auf die Tasten für die Ewigkeit herumschlagen. Nach dem Wahrscheinlichkeitsprinzip und in dieser Ewigkeit betrachtet wird er in seiner wilden Tastenkombination irgendwann einen verständlichen Satz, im Laufe der ewigen Zeit sogar ein Buch, ja sogar „Faust“, sogar die Bibel schreiben!!. Das ist natürlich eine abgefahrene unbeweisbare Theorie, die nur dazu dient, die Geschichte des Unsterblichen verständlicher zu machen:

In Zeiten von Kaiser Dioklezian macht sich der römischer Tribun Marco Flamimo Rufo auf der Suche nach der Quelle der Unsterblichkeit. Nach einiger Zeit gerät er in ein primitives Stamm und wird gefangen gehalten. Die Menschen dieses Stammes tragen keine Kleider, sind ungepflegt, ernähren sich von Rohkost und können keine Sprache. Sie kommunizieren kaum, wenn sie etwas mitteilen möchten tun sie das nur durch quasi tierische Geräusche. Nach einigen Wochen unter ihnen erfährt der Protagonist Marco Flamimo Rufo, dass diese Menschen die Unsterblichen sind. Jeder von ihnen hat bereits seit Ewigkeiten gelebt, jeder hat alle möglichen Erfahrungen, und abertausende von Leben gelebt. Jeder ist irgendwann ein Bettler gewesen, ein Soldat, ein reicher Mann, ein Kaiser, jeder hat einmal auch das Leben von Shakespeare gelebt oder von Dir und mir…„jeder ist alle Menschen“. Durch die Gewissheit, dass alle Möglichkeiten in ihren Leben unerschöpflich sind hat jeder der Unsterblichen im Laufe der Zeit die Lust und Motivation am Leben verloren. Jeder weiß, das Leben ist ein unendlicher Zyklus, dabei gewinnt die Trägheit die Vorhand in ihren Leben, die Menschen wurden träge, passiv, faul…

Ich erzähle nicht weiter, jeder, der Interesse hat kann dieses Buch lesen (es gibt auch in der deutschen Übersetzung) es ist wirklich empfehlenswert. Das ist nur eine der vielen Geschichten „zum Nachdenken“, sich zum Überwinden zu bewegen und nichts einfach passieren lassen, sich aktiv engagieren und motivieren, in Peters Worten: „jeder, der etwas erreichen möchte, muss auch etwas dafür tun“ (ich hoffe, ich habe richtig zitiert…)

In diesem Sinne

Liebe Grüße an alle

Kategorie: Aikido / Budo

von

Ich bin am 7. April 1972 in Oviedo (Spanien) zufällig geboren, wie alles im Leben. Nach Deutschland kam ich direkt nach meinem Studium am 22.03.1997, um meinen Traumjob (Lehrer für Literatur und Spanisch als Fremdsprache) zu suchen. Es ist seitdem vieles passiert, ich habe überall gearbeitet und traf immer wunderbare Leute. Abgesehen von ein paar unglücklichen Momenten kann ich mich über mein Glück überhaupt nicht beschwerden. Ich bin seit 01.12.2000 verheiratet und habe zwei tolle Kinder (na ja, da bin ich sicherlich nicht objektiv genug): Carla (3 ½) und Nico (20 Monate). Ich mache gerne Sport, reise, lese und fotografiere gerne. Ich bin ehr der ruhige Typ, ich mag keine Menschenmengen oder laute Geräusche. Momentan habe ich das große Glück, für ein (recht bunt) Japanisches Chemieunternehmen in Düsseldorf zu arbeiten, wo jeder Kollege jeden Tag von den Erfahrungen der anderen lernt und profitiert. Meinen Traum Aikido zu lernen habe ich seit Anfang Februar 2008 auch verwirklicht. Ich fühlte mich durch die Seite von Geraldine und Peter sehr angesprochen und wurde sehr freundlich von Ihnen empfangen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.